Hirschkäfer und Hornissen in Goch-Nierswalde entdeckt

Seltenes Naturereignis in Goch : Hirschkäfer versus Hornissen

An einer alten Eiche haben sich gleich mehrere Hirschkäfer niedergelassen. Aus Futterneid kommt es dort immer wieder zu Zusammenstößen mit ebenso seltenen Hornissen. Die Stadt Goch sicherte den Bereich ab, sieht aber kein Sicherheitsrisiko.

Ihr kleiner Hund war begeistert, als er erstmals die ungewöhnliche Witterung aufnahm. Doch Patricia Jäger fasst ihre fünf Monate alte Bordeauxdogge lieber kurz, wenn sie mit ihr an dem Baum vorbei spaziert. Denn an dem Stamm der alten Eiche hocken nicht nur riesige Hirschkäfer, sondern auch kaum wenige eindrucksvolle Hornissen. Beide zeigen eine gewissen Aggressivität, zumindest untereinander. Vermutlich interessieren die Tiere Hundenasen und Menschenfinger vergleichsweise wenig, denn ihr Interesse ist auf den Saft gerichtet, der aus dem rissigen Stamm tritt. Der Futterneid führt zu einigen Auseinandersetzungen zwischen den Insekten, die für sich betrachtet schon kleine Sensationen sind.

"Hirschkäfer und Hornissen stehen beide unter Artenschutz. Gerade Hirschkäfer bekommt man sehr selten zu sehen, Gruppen von mehreren Tieren beobachten zu können ist ausgesprochen ungewöhnlich", sagt Dietrich Cerff vom NABU-Naturschutzzentrum Kranenburg. Über die Mitteilung der Rheinischen Post, dass sich an einem Straßenbaum in Nierswalde bis zu zehn Hirschkäfer gleichzeitig, dazu eine Reihe Hornissen niedergelassen haben, freute er sich sehr. Gefährlich seien im Normalfall weder die großen Käfer mit ihren geweihartigen Oberkiefern, noch die schwarz-gelben Insekten, die allerdings doppelt so groß sind wie Bienen oder Wespen. "Aber wenn hier kleine Kinder spielen, ist mir dabei gar nicht wohl", sagt Patricia Jäger, deren Haus und Grundstück gleich hinter der Eiche liegt. Sie sei ja selbst Tierfreundin, fände das Schauspiel am Baumstamm eigentlich toll, sei aber zugleich in leichter Sorge.

Deshalb hat sie die Stadt Goch angerufen, die jemanden herausschickte, der die alte Eiche mit Flatterband umspannte - um auf die Insekten hinzuweisen und ihnen Ruhe zu verschaffen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass die etwa acht Zentimeter langen männlichen Hirschkäfer gerade die Paarung mit den deutlich kleineren Weibchen im Sinn haben. Die Hornissen wiederum denken nur ans Fressen und versuchen, die mächtigen Käfer von jeder Stelle, an der die klebrige Baumflüssigkeit austritt, zu verscheuchen. Am Boden liegen bereits einige Kadaver - allerdings nicht von Hirschkäfern, sondern von Wespen, Hummeln oder vielleicht auch unterlegenen Hornissen.

Der dunkle Baumsaft und ein weißlicher Glibber, der am Stamm der Eiche auszumachen ist und nach Aussage von Fachleuten von Bakterien verursacht ist, legt nahe, dass der Baum im Inneren wohl krank ist. Allerdings können die starken Zangen der Hirschkäfer die Rinde wohl auch aktiv öffnen. Dass der Baum so krank ist, dass er eventuell gefällt werden muss, schließt Stadt-Sprecher Thorsten Matenaers aus. "Der Baum ist zwar alt, aber intakt", sagt er. Die Insekten jedenfalls dürfen nicht grundlos vertrieben werden. Sie stehen unter Naturschutz. Und ein Sicherheitsrisiko für Menschen bestehe nicht.

Auch die Hornissen, wegen ihres Gifts von vielen Menschen stärker gefürchtet als nötig, haben das Gesetz auf ihrer Seite. Deshalb darf man die Tiere nicht töten und ihre Nester nur in Ausnahmefällen und nach Absprache mit der zuständigen Behörde entfernen. Ein Nest sei dort im übrigen nicht vorhanden - die Hornissen flattern offenbar nur zu dem Baum, der ihnen die gefragte Delikatesse verspricht. Laut Matenaers bestehe für die Stadt auch keine Veranlassung, weitere Maßnahmen zu treffen. Wer in direkter Waldnähe wohne, müsse mit Tieren rechnen. Auch die Eiche selbst sei im übrigen schutzwürdig. Spannender als die Hornissen sind fraglos die dunkelrotbraunen Käfer mit ihrem schwarzen Kopf- und Halsschild, ihren an den Enden gezackten Fühlern und natürlich den imposanten geweihartigen Zangen, die zudem rötlich leuchten.

"Im östlichen Reichswald sind Hirschkäfer vertreten, auch an den Waldrändern kommen sie vor. Sie fliegen nicht weit und lassen sich kaum mal sehen", erklärt Dietrich Cerff, der selbst bisher nur vereinzelte Exemplare sah.

(RP)
Mehr von RP ONLINE