Goch Sommerliche Kirmes im Herbst

Goch · Menschen in Röckchen und Hemdsärmeln tummelten sich am Samstag auf der Gocher Herbstkirmes. Auch am verkaufsoffenen Sonntag war es noch schön, wenn auch nicht ganz so warm. Besucher kamen in Scharen.

Vor allem kleinere Kinder hatten ihren Spaß an Flugzeugen und anderen Karussells der nicht ganz so heftigen Art.

Vor allem kleinere Kinder hatten ihren Spaß an Flugzeugen und anderen Karussells der nicht ganz so heftigen Art.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

20 Grad Ende Oktober – dieses Wetter war für den Geschmack einiger Fest-Besucher schon fast zu viel des Guten. Begleitet nicht nur von Fliegen, die etwa der herbstlichen Uedemer Kirmes den Namen geben, sondern sogar von Wespen, die sich noch im Spätsommer wähnen, feierten die Gocher den Start ihrer Herbstkirmes. Wie schon im vergangenen Jahr (damals allerdings wegen der Ausgrabungen am Tertiarinnenplatz) wurde der Rummel ausschließlich auf dem Marktplatz aufgebaut. Weil nämlich festgestellt wurde, dass die relative Enge doch gemütlicher ist und sich das Publikum besser konzentriert, wenn es nicht zum zweiten Teil des Kirmesplatz laufen muss. Und die sensationellen Fahrgeschäfte, die mehr Platz brauchen, stehen im Herbst ohnehin nicht auf dem Plan.

Als Nachfolgerin von Georg Kröll als Marktmeister ist nun Susanne Remy die Ansprechpartnerin der Schausteller. Sie gehört erst seit September dem Team der Stadtverwaltung an und stand sehr zufrieden bei den neuen Kollegen. Anstelle des hauptamtlichen Bürgermeisters schlug Gabi Theissen einmal mehr das Freibierfass an. Nach ihrer großen Enttäuschung, von den CDU-Mitgliedern nicht zur Bürgermeisterkandidatin gewählt worden zu sein, war dies ihr erster öffentlicher Auftritt. Gegenüber der RP versicherte sie, bis zur Kommunalwahl ihrer Aufgabe wie gewohnt nachkommen zu wollen.

Wer weniger Augen für die diversen politischen Lager hatte, sondern sich auf die Kirmes konzentrierte, sah eine Reihe Buden mit Süßwaren, herzhaftem Imbiss und Getränken, typische Nebengeschäfte und Kinderkarussells. Autoscooter und Musikexpress sind unverzichtbar und füllten die Fläche, stolze Eltern beobachteten die ersten Runden ihrer jüngsten Sprösslinge in einem geruhsamen Bähnchen. Kinder mit dem Hang zu mehr Aktion ließen sich in den Bungee-Gurt schnallen und hüpften auf dem Trampolin bis hoch über die Kirmesbuden.

Selbst wer nichts tat außer ein Bier trinken oder an einem Paradiesapfel seine Zahnstabilität testen hatte Vergnügen – bei diesem außerordentlich prächtigen Wetter. Das Glockenspiel auf dem Marktplatz trug seinen Teil zur atmosphärischen Dichte bei: Kinderlachen, Halbwüchsigen-Geschrei, Kirmesmusik, Klingeln und Scheppern aller Art.

Es gab und gibt aber noch mehr als Jahrmarkt. Denn der Sonntag während der Herbstkirmes ist zugleich ein verkaufsoffener Sonntag. Alle Geschäfte in der Innenstadt dürfen von mittags an öffnen, und da nach nächtlichem Regen dasWetter schon wieder angenehmen, wenn auch nicht mehr so warm war, kamen die Einkaufslustigen und Spaziergänger gerne in die Stadt. Zumal der Werbering sich einmal mehr einiges Programm ausgedacht hatte, um den offenen Sonntag noch attraktiver zu machen.

Die Veranstaltung hatte deshalb sogar einen eigenen Namen: „Fest der Sinne“. Das passt zu mildem Sonnenschein und Herbstlaub, aber auch zu anderen Erfahrungen, die mit Augen, Ohren, Nase oder sogar den Geschmacksnerven zu tun haben.

Mehrere Kleinkünstler traten in der Innenstadt auf, um die Besucher zu erfreuen und ihre Sinne auf die Probe stellen. Betty LaMinga etwa bot „Ohrenschmaus à la carte“; auf Wunsch sang sie, gewürzt mit einigem Humor, jedes gewünschte Lied. Oder der „Herr Jemine“ alias Marcus Steck: Der Jongleur zeigte auch gerne seinen vornehmlich jungen Bewunderern, was man mit Bällen und Keulen so alles anfangen kann. Zuletzt ist Cito Pilini (Ingo Rossi) zu erwähnen, der mit seinen Zaubereien international unterwegs ist. Er verblüfft die Zuschauer mit seinen schnellen und geschickten Händen.

Sängerin Betty LaMinga bot beim Fest der Sinne des Werberings Goch am Sonntag Ohrenschmaus à la carte.

Sängerin Betty LaMinga bot beim Fest der Sinne des Werberings Goch am Sonntag Ohrenschmaus à la carte.

Foto: Anja Settnik
 Vizebürgermeister Gabi Theissen bot eine Runde Freibier an.

Vizebürgermeister Gabi Theissen bot eine Runde Freibier an.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Bei soviel guter Stimmung macht der Einkauf umso mehr Spaß. Und bei zehn statt 20 Grad hatte auch mancher Pulli oder ein paar warme Stiefel Chancen, einen neuen Besitzer zu finden. Gerade erst ist die Zeit umgestellt worden, was zur Folge hat, dass es am späten Nachmittag schon gemütlich abendlich wird. Und nun wartet Goch auf seinen Flachsmarkt. Am Dienstag ist es so weit.

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