Hells Angels: Laut Insider-Aussagen ist das Gocher Charter so gut wie aufgelöst

Nach Festnahmen in Geisenheim : Insider: Gocher Hells Angels zerschlagen

Die Stadt war nicht über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Rockerclub Hells Angels informiert. In der Bevölkerung herrscht Verunsicherung. Für einen Kenner der Szene ist das Gocher Charter nach den Inhaftierungen quasi aufgelöst.

Nicht nur in Gochs Verwaltung hat keiner gewusst, dass es in der Weberstadt ein Charter (eine Abteilung) der Hells Angels gibt. Doch dass die Rocker in der Stadt sind, hat die Klever Staatsanwaltschaft nach der Festnahme von sieben Rockern wegen schweren Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz am vergangenen Sonntag in Geisenheim bestätigt. Zudem ist das Charter Goch auf der Internetseite der Hells Angels verzeichnet.

Bereits am 2. September hatten die Hells Angels online verkündet: "Welcome New Charter HAMC Goch". Auch wenn das Gocher Charter laut der Kreispolizei kein Clubhaus hat, herrscht in der Weberstadt laut einem Stadtsprecher "sicherlich" Verunsicherung.

Die Angst der Gocher ist verständlich. Zuletzt tobten vor allem im Ruhrgebiet gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den von den Strafverfolgungsbehörden der organisierten Kriminalität zugeordneten Hells Angels, Bandidos, Satudarah, Gremium und Outlaws. Die Konflikte schienen sich schon 2012 auf den Niederrhein auszudehnen. Damals gab es Hinweise, die Satudarah würden eine Niederlassung im Klever Raum anstreben, um damit neue Einflussbereiche zu gewinnen. Mehrfach wurden Mitglieder der aus Holland stammenden Rocker im Kleverland gesehen.

Bislang gingen Experten davon aus, die Hells Angels stünden im "Rockerkrieg" allein Satudarahs, Outlaws, Gremium und Bandidos gegenüber. Deshalb verwundert es, wenn die Polizei nun in Geisenheim nicht nur die Hells Angels aus Goch, sondern auch ein Outlaw-Vollmitglied festnahm. Aus dem Landeskriminalamt war dazu zu hören, nach bisherigen Ermittlungen deute dies aber nicht auf eine "Versöhnung" der Gruppierungen hin. Vielmehr sei durchaus vorstellbar, dass die beteiligten Rocker nicht auf "Anordnung von oben", sondern auf "eigene Rechnung" mit den Drogen gehandelt hätten.

Diese Vermutung hat auch ein Insider, der früher innerhalb eines Rockerclubs eine führende Position hatte. Gemeinsame kriminelle Aktionen zwischen Hells Angels und Outlaws seien früher unvorstellbar gewesen. Andererseits gebe es inzwischen Hinweise, dass einzelne Charter ihre "eigenen Dinger" machen würden - über Clubgrenzen und "Regeln" hinweg.

Mit den Festnahmen der sieben Rocker - vier sitzen inzwischen in Haft, einer ist gegen Auflagen auf freiem Fuß - ist der Polizei nach Einschätzung des Insiders ein wirkungsvoller Schlag gegen das Gocher Charter gelungen. Unter den Inhaftierten befänden sich mit dem "Sergeant of Arms" und dem "Road Captain" immerhin zwei führende Mitglieder des Gocher Hells-Angels -Clubs. Der Szene-Kenner meint: "Damit ist das Ding für die Hells Angels in Goch gelaufen." Dieser Einschätzung stimmt eine Polizeisprecherin zu: "Die Inhaftierungen beeinträchtigen das Gocher Charter."

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(RP)
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