Gymnasium zeigt Ausstellung über Goch zwischen den Jahren 1933 und 1945

Goch 1933-1945 : Schüler machen Gochs Geschichte im Gymnasium lebendig

Gymnasiasten erforschten, wie Menschen in Goch und Umgebung zwischen 1933 und 1945 lebten. Ihre Ergebnisse präsentierten sie der Öffentlichkeit.

Wie war es wirklich in Goch in den Jahren 1933 bis 1945? Wie haben die Kinder gespielt? Was mussten jüdische Mitbürger erleiden? „Opa, erzähl doch mal, wie war es im Krieg?“ Diese und andere Fragen haben 26 Schüler des Gocher Gymnasiums in einem Geschichts-Projekt der Jahrgangsstufe 12 (Q2) erforscht und zwar in besonderer Weise: nicht Internet, Wikipedia & Co. waren die Quellen, sondern Menschen, die diese Zeit noch erlebt haben, sowie Dokumente des Gocher Stadtarchivs.

„Wir sind die letzte Generation, die noch mit Zeitzeugen sprechen können. Was wir hörten und herausfanden, ist uns näher gegangen als wir erwartet hatten“, sagte Alissa Horz zur Begrüßung. Unter der Leitung ihrer Lehrerin Eva-Maria Janßen hatte der Zusatzkurs Geschichte sich in Gruppen aufgeteilt. Schwerpunktthemen waren die Auswirkungen der Nazi-Zeit auf das Gocher Gymnasium (GoGy), das gesellschaftliche Leben allgemein, das jüdische Leben oder die Parteienlandschaft im Jahre 1933. „Wir hatten keine Vorgaben, konnten ganz individuell gestalten“, berichtete Stella Fleuren, die zusammen mit Alessa Koppetsch und Nicola Hüls die Geschichte des GoGy erforscht hatte. Die Gruppe nutzte das Gocher Stadtarchiv und fand heraus, dass erst ab 1937 auch Mädchen zum Gymnasium gehen durften. Auf einem Zeitstrahl dokumentierten sie die Geschicke „ihrer“ Schule.

Gespräche mit der Zeitzeugin Adelheid Jansen Rademakers hatten Jens Densow und Philipp van der Wielen geführt. Die 94-Jährige war auch bei der Präsentation anwesend und berichtete von ihrer Jugend zur Zeit des Nazi-Regimes. Sie erzählte zum Beispiel, wie einige Gocher sich geweigert hatten, Nazi-Binden zu tragen. Aus Angst vor Konsequenzen hätten sie in der Kirche gebetet und geweint. Was mit den Juden geschah, hätten viele Menschen gewusst, aber sie hätten aus Angst geschwiegen. Sie seien nicht frei gewesen. Auch heute sei man nicht ganz frei. Den jungen Schülern um sie herum riet sie mit Nachdruck, sie sollten immer zu ihrer Meinung stehen und „das Wort erheben, wenn Unrecht geschieht“. „Es könnte wieder passieren“, betonte sie.

Das Thema Kindheit hatten Keno Hebing, Lara Lommen, Wencke Mölders und Anika Gembler bearbeitet. Zeitzeugen waren hier Ernst Leenen und das Ehepaar Rosemarie und Günter Meeners. „Wir hatten eine tolle Kindheit, schön und abenteuerlich“, so lautete die überraschende Auskunft von Ernst Leenen, Großvater von Wencke. „Das hatten wir nicht erwartet“, sagte sie. Aber ihr Großvater, 1938 geboren, habe als Kind ja nichts anderes gekannt als Krieg.

Schulleiter Christoph Peters und Bürgermeister Ulrich Knickrehm lobten das Engagement der Schüler, den Dialog der Generationen und die Erforschung der Geschichte „gegen das Vergessen“.