Goch: Gymnasium: Bewerbungstraining schon in der Schule

Goch : Gymnasium: Bewerbungstraining schon in der Schule

Erst mal Abi und dann mal sehen – das war gestern. Am "GoGy" fängt die Vorbereitung auf die Berufswahl schon in der Neun an.

Erst mal Abi und dann mal sehen — das war gestern. Am "GoGy" fängt die Vorbereitung auf die Berufswahl schon in der Neun an.

Sie wissen, worauf es ankommt. Sie lassen sich nicht bange machen, aber geben sich auch keinen falschen Illusionen hin. Und: Sie haben Durchhaltevermögen. Das, auch das hat sie ihre Schule, das Städtische Gymnasium Goch, gelehrt. Sie brauchen gute Noten, fürs Medizinstudium beispielsweise, aber für die meisten anderen Pläne auch. Ja, es sei durchaus schwer, am Gocher Gymnasium gute Noten zu bekommen, die Anforderungen seien hoch, sagt Oberstufenschülerin Hannah Verfürth. Schwerer vielleicht als an anderen Schulen? Ja, mit Sicherheit, so Mitschülerin Pia-Marie Veeger.

Dass, wie immer wieder zu hören ist, an anderen Schulen in Goch gute Noten leichter zu bekommen sind, mag dahingestellt bleiben. "Letztlich zählt der Abi-Durchschnitt einmal, bei der Studienplatzvergabe", so Pia-Marie Veeger. Dann zähle — "die Persönlichkeit", sagt Christian Gleumes, Lehrer für Englisch und Sozialwissenschaften. Und auf die komme es dann an. Längst vorbei die Zeiten, in denen das Gymnasium Bildung als Selbstzweck vermittelt und nach dem Abi plötzlich ein unbekanntes Wesen wartet: der Arbeitsmarkt.

"Wir fangen früh an mit der Vorbereitung auf das Berufsleben", sagt Oberstudiendirektor Dr. Christoph Peters. Der Leiter des Gocher Gymnasiums verweist beispielsweise auf den Politik-Unterricht in der Jahrgangsstufe neun. "Was soll aus mir bloß werden?" heißt die Unterrichtsreihe. Da gehe es, so Christoph Gleumes, ums Thema Berufswahl und Bewerbung, um Interessenprofile, Bildungsgänge, Berufsporträts. Und die Kinder machten schon in jenem Schuljahr ein Sozialpraktikum. Begleitend dazu gibt es Info-Veranstaltungen zum Thema Gymnasiale Oberstufe.

In der Zehn geht es weiter. Mit Betriebserkundungen bei Chefs Culinar, Jomo also. "Und die Schüler nehmen am Bewerbungstraining mit dem Personalchef des Unternehmens teil, der dafür zu uns ins Gymnasium kommt", sagt Christian Gleumes. Schon als Zehntklässler lernen sie also, was man bei Bewerbungsgesprächen tun — und auf alle Fälle lassen sollte. In der Elf nutzt das Gymnasium seine Kontakte zur Bundesagentur für Arbeit. Dabei gehe es dann um Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, den Aufbau eines Studiums und vieles mehr.

In der Elf geht's dann richtig zur Sache. Da werde, in Zusammenarbeit mit der Barmer Ersatzkasse, ein Assesment-Center simuliert, eines der üblich gewordenen Personalauswahlverfahren, das unter verschärften Bedingungen und mit großer Anspannung verbundene "Auslese" ist. In der Elf oder der Zwölf, so Dr. Peters, gebe es Besuche an Universitäten (bislang war das die Uni Duisburg Essen, künftig wird es Münster sein). Und für beide Jahrgangsstufen in Zusammenarbeit der Volkshochschule den "Berufsvertretertag". Unternehmen der Region sind dabei, Hochschulen ebenfalls. Dieses Angebot macht das Gymnasium alle zwei Jahre. Gleumes: "Außerdem findet drei- bis fünfmal im Schuljahr eine individuelle Sprechstunde der Berufsberaterin der Bundesagentur für Arbeit statt." Hinzu kämen Kooperationen mit der Hochschule Rhein-Waal und mit Jomo. Viel Arbeit für Christian Gleumes, der am "GoGy" für die Koordination der Studien- und Berufsberatung zuständig ist. Aber das alles sei nötig. "Denn wir haben", so Dr. Peters durchaus mit Augenzwinkern, "eine Multioptionsgesellschaft". Dass den Abiturienten viele Wege, habe eine Kehrseite: die Frage, wie man mit dieser Freiheit umgehe. Christian Gleumes: "Letztlich bedeutet diese Freiheit einen Zwang. Den Zwang nämlich, sich entscheiden zu müssen."

(RP)
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