Goch: Gut, dass es die Gocher gibt

Goch : Gut, dass es die Gocher gibt

Zwischenstopp Goch statt Singapur: Der Steyler Pater John Roche macht Pause auf der weiten Heimreise vom mexikanischen Ciapas nach Indien. Bei Renate Schmidt und Pastor Ludes bedankt er sich für die Hilfe aus Goch.

Gerade mal fünf Uhr in der Frühe, aber die Luft ist schon unerträglich schwül, und das Thermometer nähert sich der 40-Grad-Marke. Chiapas, Mexiko. Pater John Roche wird wach, wie jeden Tag schon um diese Zeit. Denn draußen im Dorf bricht das Getöse los. Aus den umliegenden Dörfern sind die Menschen bereits in die Kleinstadt geströmt, sie wollen zum Markt. Dass das mit so viel Radau verbunden sei, der einem den Schlaf raube, nun, das sei halt die Mentalität der Menschen, sagt Pater John. Er hat sich gewöhnt daran, wie an so vieles, seitdem er vor 18 Jahren die indische Großstadt Mangalore verließ, um an das von dort aus gesehen andere Ende der Welt zu gehen, nach Mexiko.

Christen-Verfolgung

Seinem Ruf folgend: Roche, Jahrgang 1962, ist Steyler Pater. Nachdem er gründlich die Sprache studiert hatte — er spricht perfekt Spanisch — und nach weiterer Ausbildung schickte ihn der Orden nach Chiapas. Die wohl heißeste, die wohl unangenehmste Gegend Mexikos, eine, in der, so Renate Schmidt vom Vorstand der Gocher Missionshilfe Kuba / Mexiko, "Christen noch verfolgt werden".

Sich darüber Gedanken zu machen hat Pater John keine Zeit. Einen riesigen Pfarrbezirk mit 33 Kirchen und Kapellen hat er zu betreuen, überall die Messen zu lesen, mit den Menschen zu feiern, wenn es eben etwas mit einer Messe zu feiern gibt: Geburten, Taufen Hochzeiten. Und auch mit ihnen zu trauern. Mit den Menschen leben in guten und in schlechten Tagen. Dazu gehört auch, dass es den Steylern in ihrem Haus "klimatisch" nicht bessergeht als den Einheimischen. Keine Heizung, keine Klimaanlage, die die unerträgliche Hitze mildert. "Wenn die Menschen dort das nicht haben, dann brauchen wir das auch nicht", sagt Pater John.

Was die Steyler sehr wohl brauchen: ein paar Pesos für die Messen, die sie lesen. Kirchensteuer gibt's nicht, der Alltag muss von den Spenden bestritten werden. Ein paar Pesos für eine Taufe beispielsweise.

Medizin und Brillen für die Armen

Wie gut, dass es die Gocher gibt! Medikamente für die Armen zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Paratyphus, Krätze. Brillen, Hörgeräte, Lebensmittelhilfe — nur ein paar Beispiele für viele. Renate Schmidt, die vor annähernd zwei Jahrzehnten für einige Monate in Mexiko war, um Spanisch zu lernen, begegnete im Haus der Steyler, wo sie wohnen durfte, auch Pater John.

Einer von vielen Kontakten, der seitdem nicht mehr abgerissen ist. Und so ist Renate Schmidt einer der "Motoren", die die Missionshilfe vorwärts bringen. Weil sie eben genau weiß: Hilfe ist in dieser bitterarmen Region dringend nötig, und wenn man sie selbst organisiert, mit Leuten, die man kennt, dann kommt sie auch an. Und das nun schon seit fast 15 Jahren. So hat Pater Johns Stippvisite in Goch, die heute endet, noch viel mehr Bedeutung als ein Freundschaftsbesuch: Er setzt auch ein Zeichen der Dankbarkeit.

(RP)
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