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Große Teilnahme an Gedenkstunde in Goch

Gedenkfeier : Große Teilnahme an Gedenkstunde

Am 75. Jahrestag der Zerstörung Gochs kamen 200 Menschen zum Kreuz der Magdalenen-Kirche.

Zur Gedenkfeier am 75. Jahrestag der Zerstörung der Stadt Goch durch die Alliierten waren etwa 200 Menschen am Kreuz der Kichre St. Maria Magdalena, dem sogenannten „Beijers Kruis“, zusammengekommen. Wie es seit 1950 jährliche Tradition ist, gedachten sie der 200 Todesopfer der Bombardierung in der Nacht des 7. Februars 1945. „Das Wort Gedenkfeier trifft es nur zur Hälfte, denn man kann ja nicht feiern, dass Menschen starben und eine Stadt fast gänzlich in Schutt und Asche fiel. Aber ein Anlass zur Freude ist, dass wir seit 75 Jahren Frieden und Freiheit haben, während in der übrigen Welt in diesen 75 Jahren kein Tag verging, an dem nicht irgendwo Krieg war“, sagte Franz van Beek, Vorsitzender des Gocher Heimatvereins. „Wir haben das unfassbare Privileg, seither in Frieden leben zu dürfen“, sagte er weiter.

Er begrüßte den Gocher Bürgermeister Ulrich Knickrehm, die Politiker Günther Bergmann und Stefan Rouenhoff, Ratsmitglieder, Vertreter der Heimatvereine und zahlreiche Teilnehmer aus dem niederländischen Gennep. „Der 7. Februar 1945 ist der schwärzeste Tag in der Geschichte unserer Stadt“, begann Bürgermeister Knickrehm. Er nannte noch einmal die erschreckenden Zahlen: 464.000 Tonnen Sprengbomben, 8000 Tonnen Brandbomben fielen in dieser Nacht, bei der zweiten Angriffswelle in der gleichen Nacht brachten 25 Bomber noch einmal 400.000 Tonnen Sprengstoff. 200 fanden bei dem Bombardement den Tod. „Wir müssen uns erinnern“, betonte Knickrehm und verwies darauf, dass der Auslöser des Zweiten Weltkriegs das deutsche Nazi-Regime war. „So etwas darf nie wieder geschehen, deshalb muss einem übersteigerten Nationalismus in Deutschland und Europa Einhalt geboten werden.“

Schüler der Gustav-Adolf-Hauptschule lasen darauf historische Texte, Augenzeugenberichte und selbst recherchierte Zusammenfassungen der Ereignisse vor 75 Jahren. Währen der gesamten Veranstaltung wurden an eine Mauer der Kirche dokumentarische Fotos von der zerstörten Stadt projiziert. Als Vertreter der Kirchengemeinden sprachen der emeritierte Diakon Werner Kühle, Pfarrer Robert Arndt und Diakon Lothar Elbers. Robert Arndt sagte, man müsse die Ereignisse der Vergangenheit mit Sorgfalt einordnen. Drei Gocher Kirchen seien wiederaufgebaut worden, die ebenfalls zerstörte Synagoge aber nicht. „Nicht Geschichte wiederholt sich, sondern die Muster“, so Arndt. Er habe sich gerade in dieser Woche erinnert an ein bestimmtes Foto. „Wir dürfen Parteien und Personen nicht unterschätzen, müssen aufstehen, wenn die Dinge in eine ähnliche Richtung führen“, sagte er nachdrücklich.

Diakon Elbers betete zusammen mit den Anwesenden um den Fortbestand von Frieden und Freiheit. Die besondere Atmosphäre am „Bejers Kruis“, dem „Kreuz der Betenden“, zeichnete sich aus durch konzentriertes Zuhören der Teilnehmer und spürbare Betroffenheit.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Musikzug der Feuerwehr. Zum Abschluss sang der Gocher Musiker Christoph Krott ein Lied zur aktuellen Flüchtlingsproblematik.

Darauf gingen alle zum Rathaus, um bei einem Sektempfang eine Ausstellung zum 7. Februar 1945 zu besichtigen.