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Groesbeeck: Freiheitsmuseum zeigt Ausstellung "Der Zweite Weltkrieg im Film"

Der Zweite Weltkrieg im Film : Eine Ausstellung zwischen Fakt und Fiktion

Das Freiheitsmuseum in Groesbeek zeigt mit der Ausstellung „Der Zweite Weltkrieg im Film“, welchen Einfluss Filme auf die Geschichtserzählung haben. Viele Requisiten stammen aus der Viller Mühle.

Es sind Spielfilme wie „Süskind“, „Schindlers Liste“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“, die die zeitgenössische Erinnerung an die Wirren des Zweiten Weltkriegs prägen. Davon ist Wiel Lenders, Direktor des Freiheitsmuseums in Groesbeek, überzeugt. „Kaum ein Thema ist so beliebt für die Filmwelt. Ihr Einfluss auf die Wahrnehmung und Erinnerung ist riesig. Bisher hat aber noch kein Museum dieses Thema ernsthaft beleuchtet“, sagt der niederländische Historiker. So hat Lenders nun die Ausstellung „Der Zweite Weltkrieg im Film“ auf den Weg gebracht. Noch bis zum 12. Januar ist sie im Freiheitsmuseum zu sehen.

„Große Schlachten, Widerstandskämpfe und menschliche Leidensgeschichten kennen wir in erster Linie von der Leinwand“, sagt Lenders. Ihm zu Folge sei das kollektive Gedächtnis voll von Einzeilern, Melodien und Bildern aus Spielfilmen über den Zweiten Weltkrieg. Da jede Generation auf ihre eigene Weise der Geschichte gedenke, sei es nur folgerichtig, dass jede Generation eigene Filme produziere, so der Museums-Chef. Es hört nicht auf: Jedes Jahr werden neue, eindrucksvolle Filme produziert“, sagt Wiel Lenders.

So setzt das Freiheitsmuseum die Entwicklung der Filme in Szene. Wenige Jahre nach dem Krieg seien zuvorderst Streifen produziert worden, die unmissverständlich das Böse (das deutsche Volk) und das Gute (die Alliierten als Retter) gegenüberstellten. Mittlerweile aber sei die Darstellung differenzierter. Soldatenfilme, Komödien, Thriller, Porträts – die Geschichte kennt mittlerweile unzählige Perspektiven. Längst hat die Filmindustrie gar den Mut bewiesen, die dunkelste Zeit der jüngeren Geschichte humorvoll darzustellen.

Ein passendes Beispiel dafür sei laut Lenders die deutsche Produktion „Er ist wieder da“. Die Komödie von 2015 zeigt Adolf Hitler, wie er verwirrt und hilflos sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im modernen Berlin erwacht. „Für viele Menschen war diese Darstellung und die Botschaft dahinter befremdlich. Ich habe den Film für ein spannendes Projekt gehalten“, sagt Lenders. Wenig verwunderlich also, dass ein Filmplakat von „Er ist wieder da“ Teil der Ausstellung ist.

Zwei Jahre lang habe man an der Ausstellung gefeilt. Besonders aufwendig sei die Suche nach Requisiten gewesen. „Es war unser Anspruch, den Besuchern einen Blick hinter die Filmkulissen zu geben. Dafür sind Original-Requisiten wichtig“, sagt Lenders. So habe man weltweit Recherche betrieben. Erst vor wenigen Monaten habe man dann herausgefunden, dass nur wenige Kilometer hinter der Grenze ein ganzes Arsenal an Filmrequisiten wartet: in der Viller Mühle. „Als wir uns dort umgesehen haben, sind wir aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen“, sagt Lenders. Gleich mehrere Stücke habe man mitnehmen dürfen. So wird in Groesbeek jenes Fahrrad ausgestellt, das die Widerstandskämpferin Miep Gies in gleich mehreren Produktionen über das Leben Anne Franks nutzte. Auch die Tom Hanks’ Uniform aus dem Film „Saving Private Ryan“ (1998) wird gezeigt. Man habe immer sehr genau geprüft, ob es sich auch wirklich um Originale handele. Daher mussten die Sammler Echtheitszertifikate vorlegen, ehe Lenders die Requisiten entgegennahm.

Die Ausstellung „Der Zweite Weltkrieg im Film“ wird eine, so viel steht bereits jetzt fest, besonders wichtige für das Freiheitsmuseum. Immerhin erlebte das Haus in der Corona-Zeit die wohl größte Krise seiner Geschichte. Denn es finanziert sich das Museum zu 98 Prozent durch Besucher-Einnahmen. Doch die blieben monatelang gänzlich aus. Zuletzt aber habe man aufatmen können. Das niederländische Gesundheitsministerium richtete einen Hilfsfonds für Kriegsmuseen ein. „Mit dieser Hilfe werden wir es schaffen”, sagt Wiel Lenders.