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Gochs erste weibliche Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice

Beruf : Angehende Fachkraft für die Unterwelt

Heidi Lippnat absolviert bei Umwelttechnik Franz Janßen als erste Frau eine Ausbildung zur „Fachkraft Rohr-, Kanal- und Industrieservice“. Ein technischer Beruf sollte es sein, da war sich die Gocherin früh sicher.

(nik) Mit ihrem Berufsziel wird sie für einige Aufmerksamkeit sorgen – bei jungen Leute ihres Alters, aber bestimmt auch bei reiferen Semestern. Heidi Lippnat macht nicht, was jede Menge anderer junge Frauen tun, sondern etwas, das sich eher an Männer zu richten scheint: Die junge Gocherin hat keine Angst vor einer vermeintlichen Männerdomäne. Als Auszubildende zur „Fachkraft Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ bei der Firma Umwelttechnik Franz Janßen in Goch räumt die 19-Jährige mit Vorurteilen auf. Heidi Lippnat zeigt, dass sie an ihrem ungewöhnlichen Job zudem eine Menge Spaß hat. Was Geschäftsführerin Anja Janßen besonders freut, denn ihr weiblicher Azubi ist der erste seiner Art in dem Unternehmen.

Vorsichtig lässt Heidi Lippnat eine Satellitenkamera in den Kanalschacht hinabgleiten. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, wenn die empfindliche Technik in den Untergrund manövriert wird, um den Kanal ganz genau zu inspizieren und auf seinen Zustand zu überprüfen. Auf einem Monitor schaut sie sich mit ihrem Kollegen René Valenta die Videoaufzeichnungen aus dem Innern des unterirdischen Abwassersystems an. Wird eine Schadenstelle am Kanalrohr entdeckt, muss sie saniert werden. „Dazu nutzen wir ferngesteuerte Roboter“, sagt die 19-Jährige. Bei Arbeiten wie diesen ist sie in ihrem Element, denn Technik hat sie schon als Kind begeistert.

Seit August 2018 kann sie dieser Leidenschaft in ihrer Ausbildung als „Fachkraft Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ nachgehen. Dabei war dieser Schritt kein leichter für sie: „Ich habe mich zuerst nicht getraut, einen technischen Beruf zu erlernen. Das passt ja eigentlich nicht zu Mädchen“, blickt Heidi Lippnat zurück. Mit etwa 80 Prozent ist der Männeranteil in Berufen der Wasser- und Entsorgungsbranche deutlich höher als der der Frauen. „Viele Frauen haben Bedenken, nicht ernst genommen zu werden. Das war bei mir überhaupt nicht der Fall.“ In einer Technik-Jobbörse ist sie auf den Beruf aufmerksam geworden. Besonders die Arbeit mit Kameras und Robotern fand sie spannend. Aber nicht allein Mechanik und Technik spielen bei der Ausbildung eine Rolle, sondern auch Dokumentationsaufgaben wie das Lesen von Lageplänen oder die Verwaltung der gewonnenen Daten. „Durch die Abwechslung der Aufgaben wird es nie langweilig“, sagt die junge Gocherin. Schön findet sie es zudem, dass sie nicht weit fahren muss, sondern es in ihrer Heimatstadt ein Unternehmen gibt, das ihr ihren Berufswunsch erfüllt

Heidi Lippnat absolvierte vor ihrer Ausbildung zunächst ein Praktikum bei Umwelttechnik Franz Janßen. Dabei konnte die Schülerin Unternehmensluft schnuppern und einen Einblick in die Prozesse gewinnen. Und zwar als erste Frau in diesem Bereich. „Wir freuen uns sehr über unseren weiblichen Zuwachs. Heidi Lippnat zeigt, dass dieser Beruf für Männer und Frauen gleichermaßen interessant sein kann“, sagt Geschäftsführerin Anja Janßen. „Sie geht mit dem gleichen Ehrgeiz an die Aufgaben wie ihre männlichen Mitstreiter.“ Heidi Lippnat bereut die Entscheidung deshalb nicht. „Ich war von Anfang an integriert und fühle mich sehr wohl“, sagt sie.

Die Firma Janßen bildet neben Heidi Lippnat zurzeit drei weitere Auszubildende zur „Fachkraft Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ aus. Für das kommende Ausbildungsjahr ist zum 1. August 2019 noch eine Stelle in diesem Berufsfeld frei. Wer Interesse an den Bereichen Technik, Mechanik und Verwaltung mitbringt, ist im Beruf der „Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice“ genau richtig – und zwar egal, ob Mann oder Frau. Auch Quereinsteiger finden den Weg ins Unternehmen. So wie René Valenta, der vor siebeneinhalb Jahren bei Umwelttechnik Franz Janßen begonnen hat. Zurzeit absolviert er seine Ausbildung zum Meister für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, die er im Mai abschließen wird. Seit Oktober 2018 ist er zudem Ausbilder und somit erster Ansprechpartner für Auszubildende wie Heidi Lippnat