Gochs Bäcker Joachim Reffeling backt Torten für Steve Aoki bei Parookaville

„Cake me“-Wünsche bei Parookaville : Jokis Wurftorten für DJ Steve Aoki

Steve Aokis Torten bei Parookaville im Vorab-Test

Zum fünften Mal werden die Werke von Joachim Reffeling eine Rolle beim Parookaville spielen. Der Gocher Bäcker und Konditor fertigt zehn süße Wurfgeschosse für DJ Steve Aoki. Sie ins Gesicht zu bekommen ist eine große Ehre.

Der eine trägt einen Helm, der andere nur weiße Kleidung, dieser hier wirft als Krönung seiner Bühnenshow Torten ins Publikum. Im Fall von Parookaville nicht irgendwelche, sondern die aus der Produktion des Gochers Joachim Reffeling. „Joki“ kreiert seit fünf Jahren jeweils zehn Torten für Steve Aoiki, den DJ und Musikproduzenten amerikanisch-japanischer Abstammung, der zu den Größen seiner Branche gehört. Der 41-Jährige mit einem geschätzten Vermögen zwischen 30 und 75 Millionen Dollar lässt seine ungefährlichen Wurfgeschosse für das Weezer Mega-Event ausschließlich in Goch herstellen.

„Ich hab’ vor fünf Jahren den ,Cake Rider’, so eine Art Rezept, bekommen, nach dem ich die Torten mache. Wichtig ist, dass der Teig hell ist, dass die Creme leicht und so bunt wie möglich ist und dass das Gewicht relativ gering bleibt“, erklärt der Gocher. Denn natürlich darf sich an den Kuchen niemand verletzen. Gleichzeitig muss die Torte essbar sein, denn derjenige, der sie ins Gesicht bekommt, und diejenigen, die um ihn herum stehen, wird sicher mindestens einen Finger in die Masse tauchen und ihn abschlecken. „Ich kann nur sagen, dass die Torten sehr süß sind“, erklärt Joki grinsend. Zum Aufessen sind andere Produkte aus seiner Backstube wohl besser geeignet.

Der Auftrag kam damals sehr überraschend. Norbert Bergers, einer der Festival-Organisatoren, hatte  Reffeling, der auch in Weeze eine Backstube betreibt, auf die Sache angesprochen. „Da sagt man natürlich nicht Nein“, sagt der Gocher, der wie schon sein Vater vor Jahrzehnten viel für Marketing übrig hat, schmunzelnd. Die Show „The Cake“ benötigt Torten, die von der Bühne aus über den Sicherheitsgraben hinweg fliegen, dabei nicht auseinander fallen und cool aussehen. Die zuckrig-fette Creme auf dem Biscuit (ganz unten gibt’s eine dünne Mürbeteigschicht, die das Ganze stabilisiert) ist dank Lebensmittelfarbe in blau, rot, grün, gelb schreiend bunt.

„Die Frau, die die Torte letztes Jahr ins Gesicht bekam, hat später zu ihrer Hochzeit eine Torte bei mir bestellt“, freut sich Joki Reffeling. Eine nach anderem Rezept, versteht sich. Karl Jacobs, der Konditor, der die guten Stücke zusammen rührt, kann trotz des nicht ganz so überragenden Geschmacks stolz auf seine Arbeit sein. Ein Millionenpublikum sieht sie auf YouTube und Co. Von den Zehntausenden live beim Festival gar nicht zu reden.

Tut es dem Chef und seinen Mitarbeitern nicht weh, ihre Arbeit so buchstäblich in den Schmutz geworfen zu sehen? „Ach was, überhaupt nicht. Die Show von Steve Aoki ist Kult, eine echte Künstleraktion. Was könnte ich dagegen haben, wenn ein Künstler von Weltruf ein Produkt von mir benutzt?“ Klar, es gebe bestimmt ein paar Leute, die es nicht gut finden, wenn Essbares derart verschleudert wird. Aber die Aktion wird ja nicht bei „Fridays für Future“ gestartet, sondern beim Parookaville. Am Samstag um null Uhr.

Kommt eine Torte geflogen: Joki Reffeling hat sich an der Nierswelle eine seiner Torten im Selbstversuch an den Kopf werfen lassen. Foto: Evers, Gottfried (eve)
In der Backstube bei der Arbeit: Chef Joachim Reffeling verziert mit seinem Bäcker-Kollegen Rafael Görtz eine der Torten, die für den Star.DJ Steve Aoki und seine Show auf der Parookaville-Bühne bestimmt sind. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der Gocher Bäcker, 58 Jahre alt,  kennt den weltberühmten DJ übrigens längst persönlich. „Das ist ein bodenständiger Typ, der hat Spaß an dem, was er macht, und darum kommt das auch gut an. Ich war schon mehrfach backstage dabei, und auch diesmal werden einige Mitarbeiter und ich ihm die Torten anreichen, die er dann wirft. So etwa fünf, sechs Meter weit fliegt die nicht mal ein Kilo schwere Torte, bis sie ihr Ziel trifft, erzählt Joki. „Da duckt sich übrigens niemand weg, es ist doch eine Ehre, getroffen zu werden“, weiß der Gocher. Eine handvoll Zuckerschaum vom Nachbarn klauben dürfte eine der vielen unvergesslichen Erinnerungen der Parookaville-Besucher sein.

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