Goch: Gocher Privatarchiv vor der Auflösung

Goch : Gocher Privatarchiv vor der Auflösung

Seit fast 40 Jahren dokumentiert Erhard Hannen (89) geschichtliche Ereignisse. Nun muss der Gocher Hobbyhistoriker sein umfangreiches Archiv aus Altersgründen auflösen. Viele Dokumente werden wohl im Papierkorb landen.

In der Wohnung von Erhard Hannen stapelt sich Zeitgeschichte. Tausende Ordner, Fotos, Dokumente und Bücher haben sich in den vergangenen 40 Jahren dort angesammelt. So lange recherchiert, dokumentiert und archiviert der 89-Jährige bereits historische Ereignisse in Goch und Umgebung. "Ich könnte Tag und Nacht arbeiten. Es gibt so viele Sachen, die noch nachgetragen werden müssen", sagt der Gocher, der rund 30 Jahre das Geburtshaus von Arnold Janssen leitete und nicht damit hausieren geht, wie er seine Recherchearbeit durchführt. "Man muss sich eben bemühen", schmunzelt der Rentner.

Aus Altersgründen muss Erhard Hannen jetzt sein Privatarchiv jedoch auflösen. "Ich weiß ja nicht, wie lange ich noch lebe", erklärt er seine Beweggründe.

Einige Bücher und Dokumente hat Erhard Hannen bereits aussortiert. "Diese Werke gehen zum Beispiel nach Kessel", sagt er und zeigt auf einen hohen Bücherstapel auf seinem Schreibtisch. Auch das Gocher Stadtarchiv, mit dem er nicht nur aufgrund seiner Tätigkeit beim historischen Arbeitskreis der Stadt in engem Kontakt steht, übernahm einen Teil des Archivs — unter anderem eine umfangreiche Sammlung der christlichen Illustrierten "Stadt Gottes", die 1878 von Arnold Janssen gegründet wurde.

Doch bei weitem nicht jeder historische "Schatz" aus Hannens Wohnung wird einen neuen Besitzer finden. Womöglich wird in vielen Fällen dokumentierte Zeitgeschichte sogar zu Altpapier. "Das meiste wird wohl im Papierkorb landen. Wer nimmt denn heute noch so etwas?", fragt Hannen mit melancholischem Unterton.

Auch Hans-Joachim Koepp vom Gocher Stadtarchiv kann nicht die gesamte Sammlung übernehmen. "Ich habe große Platzprobleme. Das, was ich gebrauchen, konnte, habe ich genommen", sagt Koepp. Laut dem Stadtarchivar ist eine Kollegin mehrere Male bei Erhard Hannen in der Wohnung gewesen, um die Stapel abzuholen. Insbesondere Werke über die Steyler Mission seien dabei gewesen. Sie nehmen mit den anderen historischen "Schätzen" aus Hannens Wohnung nun knapp drei Meter Regalfläche ein. Hans-Joachim Koepp schätzt das jahrzehntelange Engagement des gelernten Sattlermeisters, dessen Vater rund 300 Pferde besaß. "Herr Hannen hat sich sehr verdient gemacht und einige Dinge aufgearbeitet, an die andere nicht herangegangen sind", so Koepp.

Wie lange Erhard Hannen weitermacht weiß er nicht. Auf die Frage, warum er dieses zeitaufwendige Hobby betreibt, antwortet er so simpel wie einleuchtend: "Heutzutage geht einfach viel zu viel verloren."

(RP)
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