Gocher Künstler Martin Lersch hat zu Ostern einen Kreuzweg gemalt

Ostern in Goch : Ein Kreuzweg zum 60. Geburtstag

Der Gocher Maler Martin Lersch hat für einen Freund einen Kreuzweg gemalt. Trotz des ernsten Hintergrundes sind sie bunt und lebensbejahend. Die 14 Stationen sind nun in einer Schlosskapelle in Frankreich zu sehen.

In Frankreich gibt’s so viele Schlösser wie Büdchen im Ruhrgebiet oder Scheunen am Niederrhein. Ein „Schlossherr“ muss deshalb nicht unbedingt ein reicher Mann sein, auch nicht adlig oder mit berühmtem Namen gesegnet. Er kann einfach ein netter Mensch mit Freude an altem Gemäuer sein. Der Besitzer des Château du Perray im Departement Maine-et-Loire ist so jemand. Martin Lersch kennt ihn und seine Frau aus der Zeit, in der er selbst in Frankreich lebte. Der Kontakt ist geblieben, die Freundschaft auch, und so hat die Hausherrin den deutschen Maler vor einiger Zeit gefragt, ob er für die Kapelle ihres Schlosses nicht einen Kreuzweg malen könne. Den wolle sie ihrem Mann zum 60. Geburtstag schenken.

Martin Lersch mit einer Vorlage zu seinen Kreuzweg-Motiven. In diesem Fall standen Conrad Witz und André Devambez Pate. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Einen Kreuzweg, also einen Leidensweg, zum runden Geburtstag – na ja, da muss man den Beschenkten schon gut kennen, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Dass sich der Gatte freuen würde – da waren sich Auftraggeberin und Künstler sicher. Wie begeistert der frühere Lkw-Fahrer und Werkstattbetreiber, ein Vater von vier Kindern, sein würde – davon konnten sich Martin Lersch und seine Frau, die Sängerin Gesine Lersch-van der Grinten, jetzt bei einem Besuch vor Ort ein Bild machen. Sie brachten ihm den 14-teiligen Kreuzweg höchstpersönlich.

„Die Kapelle ist kürzlich erst instand gesetzt worden. Man muss sich das so vorstellen: Immer, wenn Paul ein Auto gut verkauft hatte, wurde mal ein Fenster ersetzt oder eine Wand neu verputzt. So eine Sanierung ist teuer und langwierig, gerade, wenn man nicht Geld im Überfluss hat“, erzählt Lersch. Das eigentliche Schloss ist ein Renaissancebau aus dem 15. Jahrhundert, die Kapelle wurde deutlich später angebaut. Sie ist nur vom Hauptgebäude aus zugänglich und etwa zehn mal zehn Meter groß. Ein leerer, fast vergessener Raum, an dessen ursprünglichen Zweck nur noch ein Altarpodest erinnert habe. Jetzt, mit dem Kreuzweg an seinen Wänden, wird er zu neuer Bedeutung gelangen. 14 Bilder in seinem üblichen „Doppelquadrat“-Format in Öl auf Holz hat Martin Lersch gemalt, wie so oft in Anlehnung an bekannte Szenen und Geschichten, die namhafte Maler aufgearbeitet haben. Es sind Zitate aus 600 Jahren Kunstgeschichte, die der Betrachter auf den einzelnen Stationen wiederfindet. Auf jeder Tafel kommt „ein Jesus“ vor, nicht in jeder Figur würde man den Gottessohn allerdings erkennen. Manchmal ist es auch anderes Personal, etwa weinende Frauen, brutale Soldaten, Verbrecher oder Kreuzträger, die Martin Lersch bei seinen berühmten Kollegen entdeckt hat.

Die Bauarbeiter, die Ferdinand Leger Stahlträger tragen lässt, waren für den Kreuzträger ein gutes Vorbild, die Soldaten hat er an ein Bild von Yves Brayer angelehnt. Rubens hat verschiedene Kreuzigungsszenen gemalt, an denen sich der Gocher orientieren konnte. Expressionisten wie Karl Hofer, Georg Baselitz oder Ernst-Ludwig Kirchner sind zu identifizieren, auch Pablo Picasso oder Edward Munch haben Lersch inspiriert. Ebenso haben Kokoschka oder Raffael Werke hinterlassen, aus denen Ausschnitte zu Vorbildern taugten. Wichtig war Lersch dabei, dass die Bilderreihe trotz ihres ernsten Hintergrunds bunt und lebensbejahend wirkt. Er wünscht sich einen positiven Umgang mit Spiritualität. Ohne sich allzu tief in die Theologie versteigen zu wollen, sagt Lersch: „Jesus – das kann ja jeder von uns sein.“ Der Fischer, der gefallene Mensch, der Verzweifelte, der Verspottete. Und am Ende steht ja schließlich die Auferstehung, wenn sie auch auf den klassischen 14 Kreuzwegstationen nicht zu sehen ist.

Der 60-jährige Beschenkte, sein Freund aus Frankreich, soll jedenfalls voller Zuversicht in die kommenden Jahre gehen, hofft der Maler. Lersch hat ihm vorab fotografierte Verkleinerungen der Bilder, die inzwischen angekommen sind, als Appetithäppchen geschickt. Es gab keinen Protest.

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