Goch: Gocher Gymnasium: Unterricht gestrichen

Goch: Gocher Gymnasium: Unterricht gestrichen

Rund 1000 Helfer, bestehend aus Lehrern, Schülern und Eltern, gaben 38 Klassenzimmern am Samstag in Eigenregie einen neuen Anstrich.

Eigentlich sieht alles ganz normal aus. Hunderte Fahrräder vor der Schule, der Parkplatz voller Autos, von weitem sind Schüler in den Klassenzimmern zu sehen, überall herrscht rege Betriebsamkeit. Ein ganz normaler Schultag eben. Eben nicht. Denn es ist Samstag und für gewöhnlich sind die fast 1000 Schüler da im Schwimmbad oder auf dem Bolzplatz. Und wer genauer hinsieht, erkennt, dass in den Klassenzimmern Pulte und Stühle in der Mitte des Raumes gestapelt wurden und Leitern an den Wänden lehnen. Viele der Schüler und Lehrer sind übersät mit kleinen weißen Farbklecksen und Jan und Aaron aus der 6b zum Beispiel stehen auf dem Schulhof und mampfen Würstchen. Und die beiden haben die Devise "Tue Gutes und sprich darüber" bereits mit 12 Jahren verinnerlicht. Daher wird der Gast gleich angesprochen und zum Interview aufgefordert. Also gut: "Und, wie findet Ihr die Aktion, dass Schüler, Eltern und Lehrer hier alle Klassenräume selber streichen?" Jan: "Das ist schon ziemlich cool. War aber auch nötig, überall waren Striche von alter Farbe zu sehen", und Aaron ergänzt: "Ja, und so Klebelinien von dem was da mal gehangen hat, das sah schrecklich aus". Der Gast hat verstanden: blöde Frage.

Für die leibliche Stärkung hatten im Gymnasium Sponsoren gesorgt. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Folglich wechselt er lieber zu den weniger kritischen Gesprächspartnern: "Wir haben mit den Planungen vor zwei Jahren begonnen", sagt Schulleiter Christoph Peters. Die Abnutzungserscheinungen in dem 14 Jahre alten Gebäude waren zu groß. Also setzten sich Schulpflegschaftsvorsitzende Bettina Kracht und Peters zusammen und überzeugten alle anderen von dem Mammutprojekt.

  • Hintergrund : Ein Vorstoß spaltet Lehrer- und Elternschaft

Doch bevor die 38 Klassenräume einen neuen Anstrich und Ausbesserungsarbeiten verpasst bekamen, gab es mit einer Testgruppe unter Leitung von Lehrer Norbert Schütmaat eine "Versuchsrenovierung". Die klappte erstaunlich gut und kurz darauf gab's die Zusage der Stadt Goch, die Kosten für die Materialien zu übernehmen. Konkret: 1150 Liter Farbe, 1500 Quadratmeter Abdeckfolie und 5,7 Kilometer Abklebeband. Sponsoren kümmerten sich um die Verpflegung mit Würstchen, Obstspießen und mehr. Fachleute fürs Handwerk aus der Elternschaft standen dem Nachwuchs mit Rat und Tat zur Seite. "Wir finden das Projekt besonders toll, weil sich die Schüler so natürlich auch noch mehr mit der eigenen Schule identifizieren", so Stadtsprecher Torsten Matenaers. Schulleiter Peters: "Das wird auf jeden Fall das Gemeinschaftsgefühl stärken." Zu dem Zeitpunkt hatte die in der "Überzeugungsphase", so Kracht, aufgetauchte Frage, "Warum sollen wir das machen?", unter den Eltern längst keine Bedeutung mehr. Denn die Antwort darauf hatte das Duo Jan und Aaron gegeben: "Das Ganze hier macht mehr Spaß als normaler Unterricht!" Gut, dass es als Ausgleich für die Anwesenheitspflicht am Samstag einen freien Brückentag für die Schüler geben wird.

(miba)
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