Goch: Wieder Diebstahl mit Keyless Go - schon acht Autos in einem Monat gestohlen

Acht Diebstähle im Kreis: Keyless Go: Leichtes Spiel für Autodiebe

In Goch wurde in der Nacht zu Dienstag ein mit „Keyless“ ausgestatteter Luxuswagen gestohlen. Es ist bereits der achte Diebstahl dieser Art im Kreis in den vergangenen 30 Tagen. Die Polizei gibt Tipps zur Absicherung.

Immer wieder ist es die gleiche Masche: Mit relativ leichten Mitteln verlängern Kriminelle die Funksignale zwischen Schlüsseln und Autos, die mit „Keyless Go“ ausgestattet sind, dringen in die Fahrzeuge ein und fahren weg. Sie hinterlassen dabei keine Spuren, der Pkw-Halter steht am nächsten morgen völlig verdutzt vor einem leeren Parkplatz. Genauso hat es sich seit Oktober allein im Kreis Kleve acht Mal zugetragen – zuletzt in der Nacht zu Dienstag in Goch, wo ein schwarzer Mercedes GLE auf der Dr. Arens-Straße verschwand.

Die Keyless-Technik wird seit wenigen Jahren vor allem in hochwertigen Wagen wie die der Marken Audi, BMW, Mercedes oder Porsche verbaut. Zum Auf- und Abschließen des Fahrzeugs muss dabei der Schlüssel nicht mehr aus der Tasche genommen werden. Ein Funkempfänger im Auto erkennt das Signal des Schlüssels, sobald sich dieser direkt am Fahrzeug befindet und entriegelt automatisch. Zum Anlassen des Motors muss ohnehin nur noch der Startknopf gedrückt werden. Was Komfort verspricht, geht in der Realität allerdings oft nach hinten los. „Insbesondere seit dem Sommer kommt es vermehrt zu diesen Fällen“, sagt Michael Ermers, Sprecher der Polizei Kleve. „Das ist ein Phänomen, das in ganz Deutschland zu beobachten ist.“

Mithilfe von selbstgebauten Empfangsgeräten gelingt es Tätern offenbar immer häufiger, die Funksignale des Schlüssels zu verlängern und der Technik des Fahrzeugs damit zu suggerieren: Mein Fahrer steht vor der Tür und will einsteigen. Mit den Geräten lassen sich die Signale aber um hunderte Meter verlängern. „Das geht auch dann, wenn der Schlüssel im Haus liegt oder der Besitzer mit Schlüssel in der Tasche einen Biergarten besucht“, heißt es Seitens des ADAC. Ein Problem: Weil die Täter das Fahrzeug nicht aufbrechen müssen, fällt der Diebstahl kaum auf. „Die Gefahr, entdeckt zu werden, ist da natürlich sehr gering“, sagt Ermers. Ist der Motor einmal gestartet, können die Diebe mit dem Wagen solange fahren, bis er ausgeht.

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Die Polizei rät den Besitzern solcher Keyless-Fahrzeuge daher dringend, sich abzusichern. „Man sollte den Transponder nie in der Nähe der Haustür ablegen und das Funksignal durch eine Metall- oder Aluminiumhülle schützen, damit die Funkwellen nicht verlängert werden können“, sagt Ermers. Zudem empfiehlt er Alarmanlagen und GPS-Sender im Auto – und zwar von externen Anbietern, damit diese nicht mit der restlichen Technik im Fahrzeug zusammenarbeiten. „Machen Sie den Selbsttest“, rät Ermers: „Nur wenn das Fahrzeug sich selbst dann nicht öffnet, wenn Sie den abgeschirmten Schlüssel direkt neben die Tür halten, haben auch Diebe keine Chance.“

Mercedes hat bereits auf die Vorfälle reagiert. „Seit diesem Jahr statten wir unsere Fahrzeugschlüssel mit einem Bewegungssensor aus. Dieser sorgt dafür, dass der Schlüssel, wenn er beispielsweise nachts am Schlüsselbrett hängt, keine Funkwellen mehr aussendet“, sagte die Digitalisierungs- und IT-Abteilung des Daimler-Konzerns auf Nachfrage unserer Redaktion. Laut einem BMW-Sprecher seien die Fahrzeuge sehr sicher: „Die tatsächlichen Fallzahlen sind gering, in Deutschland unter einem Prozent. Wir arbeiten aber eng mit den Polizeibehörden zusammen, um auch neue Formen des Angriffs auf Fahrzeuge unwirksam zu machen.“ Standardmäßig ist die Technik in den Fahrzeugen nicht verbaut. Laut BMW würden sich aber gut 40 Prozent der Kunden beim Neukauf für die entsprechende „Sonderausstattung Komfortzugang“ entscheiden.

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