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Goch: Militärische Altgebäude warten auf Folgenutzung

Neubaugebiet : Was wird aus diesen Kasernen-Resten?

Wachgebäude, Squash- und Ballonhalle der früheren Gocher Reichswaldkaserne blieben vom Abriss verschont, warten aber im neuen Baugebiet „Neu-See-Land“ auf eine Folgenutzung. Ideen scheinen bislang Mangelware.

Einst stand in diesem Wachhäuschen ein uniformierter Soldat und guckte denjenigen, der das Gelände der Reichswaldkaserne betreten wollte, streng an. Anliegen vorbringen, Ausweis abgeben, Warten - eventuell wurde der Besucher dann eingelassen. Heute kann jeder das Gelände betreten, auch an der früheren Pforte vorbei ist der Zutritt mühelos möglich. Zwar ist das große Schiebetor, an dem ein Werbeplakat fürs Baugebiet hängt, geschlossen, aber für Fußgänger steht die Tür offen. Wer diesen Zugang wählt, wird allerdings ziemlich unfreundlich empfangen: mit kniehohem Unkraut, Müll und Glasscherben. Denn die Scheiben der militärischen Altgebäude einzuwerfen ist für einige Unbekannte offenbar eine Herausforderung. Ein alter Drehstuhl liegt über Kopf im Dreck - nicht nur Anwohner fragen sich, wie lange dieser Zustand so wohl noch bleiben soll.

Als die Stadt Goch die Zukunft des früheren Kasernengeländes plante und das Werkstattverfahren mit großer öffentlicher Beteiligung anschob, wurde festgelegt, dass einige der militärischen Hinterlassenschaften erhalten bleiben sollten. Als Landmarken und Identifikationsobjekte. Gochs jüngstes, riesiges Baugebiet ist schließlich nicht nur wegen seiner Ausdehnung etwas Besonderes. Warum nicht in der Erinnerung behalten, dass auf dieser Fläche lange Zeit Soldaten lebten und arbeiteten?

Ein Anwohner, der das lieber ohne Namensnennung sagt, findet, die schäbigen Betonbauten hätten abgerissen werden sollen. „Da sammelt sich nur Dreck, Kinder können sich an den Splittern verletzen, und niemand weiß, ob sich da nicht mal jemand drin versteckt.“ In der Tat können Flatterband oder leichte Metallzäune unberechtigtes Betreten sicherlich nicht verhindern. Leere Flaschen und sonstiger Unrat im Inneren deuten darauf hin, dass sich im einen oder anderen Gebäude schon mal jemand aufhielt.

Doch auch, wenn die meisten Anwohner und Spaziergänger in den Betonkisten wohl keine Angsträume sehen, stellt sich die Frage, was aus den langsam überwucherten, ihrem ursprünglichen Zweck beraubten Baukörpern werden soll. Die Gocher Stadtentwicklungsgesellschaft, vertreten durch Wolfgang Jansen, erklärt auf Anfrage der Rheinischen Post, es gebe zwar „Überlegungen und auch Anfragen, aber noch nichts Spruchreifes“. Dem Vernehmen nach war an Lager für verschiedene Zwecke schon gedacht worden, von einem Kiosk war die Rede. Bis zur Planungsreife ist aber offenbar noch nichts gediehen.

Aus der Politik ist nur zu hören, dass da mal was passieren sollte. Weil „Erhalten“ ja eine nachvollziehbare Entscheidung war, sich dann aber auch eine Entwicklung abzeichnen sollte. Lange Zeit hätten sich natürlich andere Themen aufgedrängt: die zunächst schleppende Vermarktung, der Baustopp wegen der Lärmproblematik, die Algen im von der Sonne aufgeheizten Niedrigwasser des Sees. Je näher die Bebauung an die Altgebäude heranrückt, desto häufiger dürfte die Frage nach Ideen für ihre Nutzung gestellt werden.

Lambert Engelberts, Oberst a.D., letzter Standortältester und im Gocher Gesellschaftsleben tief verwurzelt, wünscht sich, dass „seine“ Kaserne nicht so ganz vergessen wird. „Zumindest das Wachgebäude bietet sich ja als ein Ort an, um die Erinnerung an die Reichswaldkaserne wach zu halten. Der Professor, der das Werkstattverfahren damals begleitete, stellte sich so etwas ebenfalls vor.“ Wenn Engelberts allerdings daran denkt, wie schwer sich die Wettbewerbsjury damit tat, für das Baugebiet einen Namen auszuwählen, der die Vergangenheit des Geländes zitiert hätte (es wurde schließlich „Neu-See-Land“), hat er so seine Bedenken, ob eine „Erinnerungsstätte“ wirklich gewünscht ist. Und da sind ja auch noch die frühere Squash-Halle, die Wetterballon-Füllhalle und weitere Relikte, die eine neue Nutzung suchen.

Selbst das Team des Museums Goch, das vor Jahren die Ausstellungen ,Bastokalypse‘ und ,Willkommen im Westen‘ auf dem Kasernengelände konzipierte, scheint derzeit außen vor zu sein. Mitarbeiterin Jasmin Schöne hatte sich im vergangenen Jahr, nachdem die Baggerschaufeln alles auf links gedreht hatten, mit Kindern auf die Suche nach Spuren von früher begeben. Museumsleiter Stephan Mann stellte damals fest, dass „wir die Vergangenheit stets mit in die Zukunft nehmen, auch wenn wir unsere Umgebung immer wieder neu sortieren.“