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Goch: Künstler Martin Lersch hat Osterbild für jedermann gemalt

Kunst für den Gottesdienst : Lerschs Osterbild für jedermann

Immer wieder malt der Gocher Künstler Martin Lersch Bilder mit religiösem Bezug, obwohl er ein kritisches Verhältnis zur Kirche pflegt. Auch an diesem Osterfest engagiert er sich. Ein besonderes Angebot zur Corona-Zeit.

Dieses Osterfest wird anders sein. Keine Treffen mit der Großfamilie, der Spaziergang nur zu zweit, eine Messe in Gemeinschaft wird es nicht geben. Wohl aber Angebote, das Beste aus den Einschränkungen, die die Corona-Panemie uns auferlegt, zu machen.

Dazu gehört am Ostersonntag für viele Christen eine Messe, die in diesem Jahr Katholiken und Protestanten oft gemeinsam, aber auf Distanz feiern werden. In Goch kümmert sich um die technische Seite dieses Vorhabens die Video-Gruppe von „Goch TV“. Pfarrerin Rahel Schaller und Kaplan Uchenna Aba werden in ihren jeweiligen Kirchen (evangelische Kirche am Markt und St. Martinus Pfalzdorf) zelebrieren. Die Gläubigen allerdings werden zu Hause auf dem Sofa oder am Küchentisch sitzen, das Tablet oder den Computerbildschirm vor der Nase.

Wenn sie gut vorbereitet sind, haben sie vor zehn Uhr die Gebets- und Liedtexte ausgedruckt und vielleicht auch das Bild, das Martin Lersch gemalt hat. „Hoffnung“ haben es die Organisatoren des Gottesdienstes genannt, der Künstler selbst zieht jedoch den Titel „Der Wunsch nach Frieden und gut gesundem Sein“ vor. Etwas umständlich, aber Lersch mag das Wort Hoffnung nicht. „Dabei ist nämlich immer auch das Negative, das Scheitern möglich. Aber mir geht es um den dringenden Wunsch, die unbedingte Erwartung.“ Und zwar darauf, dass wieder alles gut wird. Im allgemeinen und in der aktuellen Corona-Zeit. Das Ziel, gesund zu bleiben, erklärt sich von selbst, „gut“ meint auch den Zustand der Seele, die Zufriedenheit mit dem, was ist oder wieder sein wird.

Martin Lersch tut sich nicht leicht mit dem, was oft als „Bodenpersonal“ der Kirche bezeichnet wird. Streng genommen zählt er sich deshalb nicht mehr zur Gemeinde dazu, aber er entstammt wie die meisten Niederrheiner einer katholischen Familie und hat genug bürgerliche Bildung genossen, um zu wissen, dass Kunst in Europa nicht ohne christliche Bezüge funktioniert. Auch sein Studium konfrontierte ihn damit ständig, und so knüpft das Werk von Martin Lersch immer wieder an die Bibel und ihre Geschichten an. Sechs dicke Bände über „Christliche Ikonographie“ sind ihm ein geschätztes Nachschlagewerk. Wobei seine Ideengeber häufig auch weltliche Künstler sind.

Was auf dem Bild vom Osterwunsch als Putten dargestellt ist, waren im Original drei Kinder vor ihrem strengen Lehrer. Jetzt sind sie kleine Engelchen, die mehr angestrengt als jauchzend singen. Denn wem fällt es in diesen Tagen schon leicht, mit glockenklarer Stimme zu jubilieren. Die Töne kommen bei all den Problemen und Sorgen wohl meist eher gepresst daher. Aber gesungen wird trotzdem, so wie der sich Fürchtende im Dunkeln pfeift oder der Zweifelnde seine wankende Überzeugung mehrfach wiederholt. Man möchte einfach an den guten Ausgang glauben.

Viel Farbe macht die Zuversicht etwas einfacher. Der große Engel, der oben vom Bild herab schwebt, hat weite blaue Flügel, der Farbe des Himmels angepasst. Er wird den kleinen Kollegen auf die Sprünge helfen. Und von rechts schreitet ein kämpferischer Jesus auf die Gruppe zu. Er führt eine meterhohe Lanze mit sich, die Spitze nach oben gerichtet; damit wird er niemanden versehentlich verletzten. Die Lanze dient nicht als Waffe, steht aber für eine Aussage: Jetzt sind Entschlossenheit und Mut gefordert, der aufrechte Mann mit der kräftigen Gestalt bietet der Angst und der Dunkelheit die Stirn. Sein finsteres Grab, als schwarze Wolke dargestellt, lässt er hinter sich. Um ihn herum ist viel lebendiges Grün. Eine von irdischen Sorgen unbeeindruckte Sonne strahlt auf die Szene herab. Es wird alles gut werden, es kann nicht anders sein.

So ähnlich denkt auch der Freiberufler Lersch persönlich, der zurzeit kaum Einnahmen hat, ebenso wie so viele andere Künstler und Freischaffende. Aber mutlos werden ist keine Option, an Ostern nicht und auch sonst nicht. Er möchte daran glauben, dass die Corona-Zeit ein Ende haben wird, am besten bald, sonst etwas später.