Großeinsatz in Goch Feuerwehr entdeckt illegal wohnende Familie in brennendem Haus

Update | Goch · Dramatische Szenen am Dienstag in Goch: Die Einsatzkräfte entdecken während der Löscharbeiten eine Familie, die illegal in dem brennenden, eigentlich leer stehenden Haus lebte. Ein einjähriger Junge musste mit der Drehleiter gerettet werden.

Feuerwehr rettet versteckte Familie aus brennendem Haus in Goch
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Feuerwehr rettet illegal wohnenede Familie aus brennendem Haus in Goch

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Foto: Guido Schulmann

Bei einem Brand in der Melatenstraße ist am Dienstag eine Familie in Lebensgefahr geraten. Es handelt sich um zwei Erwachsene und einen kleinen Jungen, die sich in den leerstehenden „Belgierhäusern“ illegal aufgehalten hatten, wie die Polizei auf Anfrage mitteilte. Die Familie wurde von der Feuerwehr aus dem brennenden Haus gerettet und anschließend vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

Gegen 7 Uhr war die Gocher Feuerwehr alarmiert worden. Als die Einsatzkräfte am mittleren der Belgierhäuser eintrafen, stand der Keller des Hauses voll in Brand und die Kellerdecke bog sich bereits durch. „Es bestand massive Einsturzgefahr“, sagt Feuerwehr- und Stadtsprecher Torsten Matenaers. Gleichzeitig nahmen die Feuerwehrleute aus dem dritten Obergeschoss einen Lichtschein wahr. Die Einsatzkräfte bekämpften den Brand und durchsuchten das Gebäude. Im dritten Obergeschoss trafen sie tatsächlich auf eine Familie. „Es handelt sich um eine 28-jährige Frau, einen 39-jährigen Mann und ihren einjährigen Sohn. Alle sind ausländischer Herkunft und nach Angaben der Polizei ohne festen Wohnsitz. Die Familie hielt sich in dem Gebäude illegal auf und hatte dort eine Schlafstätte eingerichtet. Als die Kameraden über die Drehleiter in die Wohnung kamen, war der Vater gerade aufgestanden und Mutter und Sohn lagen noch im Bett. Die Familie war durch die massive Rauchentwicklung in akuter Gefahr“, sagte Matenaers.

Der einjährige Junge wurde per Drehleiter aus dem Gebäude geholt und seine Eltern über das Treppenhaus. Alle drei wurden anschließend wegen Verdacht auf Rauchvergiftung vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Sie konnten allerdings noch am gleichen Tag wieder entlassen werden. Die Brandlöschung gestaltete sich zunächst schwierig. „Das Feuer im Keller war so massiv, dass die Kameraden den Brand nicht innerhalb des Hauses bekämpfen konnte. Der Einsatzleiter entschied sich deswegen dazu, den Keller mit Löschschaum zu fluten“, erläuterte Matenaers. Dies war schließlich erfolgreich. Im ersten Obergeschoss entdeckten Atemschutztrupps noch einen weiteren Brandherd. Dort stand ein Schrank in Flammen. Vermutlich hatte sich das Feuer aus dem Keller über einen Lüftungsschacht hierhin ausgebreitet, so die Feuerwehr. Der brennende Schrank konnte mit einem Strahlrohr problemlos abgelöscht werden.

Die weiteren Ermittlungen übernimmt nun die Kriminalpolizei. Sie geht inzwischen von Brandstiftung aus. Dabei geht es auch um die Frage, um wen es sich bei der dreiköpfigen Familie handelt und wieso sie sich in dem Gebäude aufhielt. Auch Ordnungsamt und Ausländerbehörde werden sich mit dem Fall befassen, so Matenaers. Er kündigte an, dass die Stadt nun überlegen, wie die leer stehenden Häuser noch besser gesichert werden können. Seit Jahren hat es dort mehrfach gebrannt, zuletzt im Juni 2022, und das, obwohl die Türen und die Erdgeschoss-Fenster zugemauert und die Gebäude mit einem Bauzaun gesichert sind. Aber Schlupflöcher werden wohl immer wieder gefunden.

Einst waren es beliebte Wohnungen, gut geschnitten und für ihre Zeit modern ausgestattet. Soldaten aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden lebten in den 60er Jahren dort, 1976 übernahm die Bundeswehr die Häuser von der NATO, später wurden sie an Privatleute verkauft. Und zwar an so viele, dass es heute, nach Jahrzehnten, kaum mehr möglich ist, sie aufzufinden. Darum bemüht sich die Stadt seit Jahren, hat dazu sogar eine eigene Gesellschaft gegründet, die versucht, den Eigentümern die Wohnungen abzukaufen, damit die Stadt eines Tages Mehrheitseigner ist und den Beschluss des Stadtrats von 2016 umsetzen kann: die Schrottimmobilien abreißen.

Denn sie liegen auf 2000 Quadratmeter städtebaulich interessanter Fläche direkt am Ring, nahe zur Innenstadt und zur Autobahnauffahrt. Aber bis dahin scheint es noch ein weiter Weg zu sein, gesäumt von Spekulanten, die versuchen, einen besseren Preis für die Wohnungen zu erzielen, als ihn die Stadt zahlen kann. Im Jahr 2021 hatte ein niederländischer Makler acht Wohnungen in dem Komplex angeboten – dem Vernehmen nach war das Kaufinteresse gering.