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Goch: Dorfgasthaus Nierswalde kocht für Pflege- und Apotheken-Teams

Spendenaktion : Ein leckeres Dankeschön für Helfer

Als das vorläufige Aus für die Gastronomie verfügt wurde, waren die Kühlschränke des Nierswalder Landhauses noch reichlich gefüllt. Was tun mit den guten Sachen? Verarbeiten und spenden, war die Entscheidung.

Sigrid Dittrich geht es nicht anders als allen anderen Gastronomen: Sie kann ihr Restaurant wegen der Corona-Pandemie und der behördlichen Auflagen vorerst nicht offen halten. Zunächst war noch das Mittagsgeschäft erlaubt, inzwischen müssen Gaststätten komplett geschlossen bleiben. Vorräte waren aber noch zur Genüge vorhanden und sollten nicht verkommen, findet Dittrich. „Für meinen Mann und mich war klar, dass wir diesen Umstand für eine Spendenaktion nutzen sollten. Weil die Gocher Tafel im Moment ja keine Lebensmittel ausgibt und wir erfuhren, dass Arztpraxen oder die Krankenhäuser aus hygienischen Gründen Speisen von außen nicht annehmen dürfen, kamen wir auf Apotheken und Pflegedienste. Wir wählten die Pfalzdorfer und die Gocher Apotheke von Ulrich Schlotmann aus und den Pflegedienst ,Gebomed’. Deren Teams leisten zurzeit Außerordentliches und haben verdient, dass man ihnen mal eine Freude macht.“

Also hieß es am Montag für die Mitarbeiter der Dorf- und der Löwenapotheke und für diejenigen, die bei „Gebomed“ gerade anwesend waren: hinsetzen und lecker speisen. „Wir setzen uns natürlich weit auseinander, wie es diese Zeiten fordern“, erklärte der Apotheker. Sehr pünktlich kamen Küchenchef Jan Hollendung und Restaurantchefin Sigrid Dittrich mit einem kleinen Lieferfahrzeug an der Waterkuhlstraße in Pfalzdorf an und packten aus. Sehr appetitlich angerichtete Vorspeisen auf einer hübschen Platte, vermutlich sehr schmackhafte Hauptgerichte in Warmhaltegefäßen und passende Nachspeisen gab’s für die Beschenkten. Alles war am selben Vormittag frisch von Chefkoch Hollendung und seinen Auszubildenden gekocht und angerichtet worden.

Das Menü konnte sich sehen lassen: Büffelmozarella, hausgebeizter Lachs, mariniertes Gemüse und raffinierte Salate, Schweinemedaillons, Mousse au Chocolat, gemischte Blechkuchen... „Es soll ja auch etwas Besonderes als Dankeschön sein, weil gerade medizinisches und Apotheken-Personal in diesen Corona-Wochen ungewöhnlich belastet wird“, sagt die Pfalzdorferin.

Dabei müssen die Mitarbeiter des Landhaus Nierswalde in der nächsten Zeit selbst einige Härten aushalten: „Auch wir müssen jetzt auf Kurzarbeit gehen“, erklärt die Unternehmerin traurig. 34 Mitarbeiter, im Restaurant, im Hotel und im Veranstaltungsbereich beschäftigt, haben nichts mehr zu tun. Sie können von ihrem Arbeitgeber, der keine Einnahmen mehr hat, nicht bezahlt werden und benötigen staatliche Unterstützung. Eine harte Zeit kommt auf viele zu, denn dass die Löhne in der Gastronomie nicht besonders hoch sind, ist bekannt. Natürlich hoffen aber alle mit ihrer Chefin, dass die Phase nicht allzu lange dauern wird und es in einigen Monaten anders aussieht. Schließlich gibt es am Landhaus auch so eine schöne Terrasse. Wobei der Sommer naht und viele geplante Veranstaltungen bereits abgesagt worden sind.

Sigrid Dittrich will sich aber nicht komplett zurückziehen. Ihre Idee: „Wir denken daran, mit einem kleinen Team einen Abholservice zu betreiben; ein ‚Take Away’ oder ein Liefer-Konzept, das wissen wir noch nicht.“ Zumindest die Stammgäste möchte man sich warm halten für die Zeit danach. Schließlich ist bald Ostern, und da wird manche Familie, wenn sie schon nicht ausgehen kann, vermutlich gerne etwas Gutes bestellen.