Goch: Die Ostkirche wurde entwidmet

Pfalzdorf : Die entwidmete Kirche

Die Zahl der Gottesdienstbesucher sinkt. Auch in Pfalzdorf schlägt das zu Buche: Die evangelische Ostkirche wurde am Sonntag „entwidmet“. Sakral ist das Gebäude nun nicht mehr, wird aber durch den Förderverein weiterbetrieben.

Die Pfalzdorfer Ostkirche soll in dieser Woche für einen symbolischen Betrag an den Förderverein verkauft werden. Entwidmet wurde sie bereits am Sonntagabend in einem Abschiedsgottesdienst. Pfarrer Armin Rosen begrüßte knapp 100 Besucher in dem kleinen, rosafarbenen Gebäude an der Kirchstraße, das seit 2006 kaum noch für Gottesdienste genutzt wird.

In seiner Predigt ging der Pfarrer der Frage auf den Grund, welche Bedeutung ein Gotteshaus hat. „In einer Kirche haben die Menschen das Gefühl, Gott nahezukommen“, sagte Rosen. „Dass Menschen Obdach brauchen, wissen wir alle. Aber wer kümmert sich darum, dass auch die Seele ein Zuhause hat?“ Auch dort kämen Gotteshäuser ins Spiel, als ein „Zufluchtsort für die Seele“ und ein Ort, an dem man mit den Glaubensgeschwistern zuhause sein könne.

„Kirchen sind mehr als nur Gebäude. Sie haben eine wichtige Rolle: Sie erinnern uns an den Glauben und an das Bekenntnis“, sagte Rosen. Ein „schmerzhafter Prozess“ sei die Aufgabe der Ostkirche daher für die Kirchengemeinde – ein unvermeidlicher jedoch und einer, den es leider immer wieder gebe. 66 evangelische Kirchen seien in den letzten Jahrzehnten allein im Rheinland entwidmet worden, mit der Ostkirche sind es nun 67. „Ist diese Entwicklung ein Symptom unserer Zeit?“, fragte der Pfarrer. Er hofft jedenfalls, dass die Ostkirche auch nach der Entwidmung ein „Mutmacher ist, den Glauben zu lieben und zu kennen.“ Große Hoffnung gibt ihm das ehrenamtliche Engagement: „Es gibt Leute, die schon seit langem sagen: Die Kirche darf nicht kaputtgehen, sie soll erhalten bleiben.“

Zusammengeschlossen haben diese Menschen sich im Förderverein für die Erhaltung der Evangelischen Ostkirche. Als Ende 2007 publik wurde, dass das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Pfalzdorf den Verkauf der ungenutzten und vom Verfall bedrohten Ostkirche in Betracht zieht, fanden sich spontan einige Pfälzer und Pfalzdorfer zusammen, um für den Erhalt zu kämpfen. Unter dem Motto „Diese Kirche muss im Dorf bleiben“ riefen Horst Johann, Peter Hohl und Karl-Heinz Augustin zur Teilnahme an der Gründungsversammlung für einen Förderverein auf. 40 Gründungsmitglieder kamen auf Anhieb zusammen, 2010 pachtete der Verein die Kirche. Mittlerweile sind es 80 Mitglieder. Und die haben bereits Vieles bewegt in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden: So wurden umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen – überwiegend in Eigenleistung – in Angriff genommen, zuletzt die Sanierung der Außenfassade 2019.

Der Förderverein ermöglicht es zusammen mit Unterstützern, dass die Kirche weiter genutzt werden kann. Für Trauungen beispielsweise – aber auch für kulturelle Veranstaltungen, wie sie seit einigen Jahren regelmäßig dort stattfinden. Auch Gottesdienste seien trotz Entwidmung künftig nicht ausgeschlossen, erklärte der Pfarrer. Auch Kurt Pleines, der am Sonntag den Abschiedsgottesdienst besuchte, verbindet wichtige Erinnerungen mit der Ostkirche: 2014 verabschiedete er dort seine verstorbene Tante, 2016 feierte er in dem rosafarbenen Gotteshaus zusammen mit seiner Frau Erna den 45. Hochzeitstag. Auch die Goldhochzeit im kommenden Jahr will er gerne dort feiern.

„Das Traurige ist nicht, dass die Kirche entwidmet wurde“, sagte der 71-Jährige nach dem Abschiedsgottesdienst. Für ihn bleibe das Gebäude eine Kirche, auch dank des großen Engagements des Fördervereins. Traurig sei es aber, dass das Interesse am Gottesdienst allgemein nachlasse. „Wenn wir immer so viele Besucher hätten, wie beim Abschiedsgottesdienst, bräuchten wir die Pfalzdorfer Ostkirche nicht entwidmen“, sagt Kurt Pleines.

Traurig sei es auch, dass Pfarrer Armin Rosen die Gemeinde Ende des Monats verlassen wird. Kein typischer Pfarrer sei der, sondern einer, der den Mut habe, das Evangelium klar auszusprechen. „Man baut Verbindungen zu Menschen auf, und so ist das auch mit dem Pfarrer“, sagt Kurt Pleines, als die Kerzen in der Ostkirche gelöscht werden.