Ausflüge in Goch Die Führungen durch Graefenthal sind zurück

Goch · Ab dem 24. April kann man sich wieder über die Historie des Klosters informieren lassen. Wie geht es jetzt mit dem Förderverein weiter?

 Bis in den Oktober bietet der Förderverein Führungen über das Klostergelände an.

Bis in den Oktober bietet der Förderverein Führungen über das Klostergelände an.

Foto: KDS

Es lag nicht nur an Corona, dass es um Graefenthal in den vergangenen anderthalb Jahren still geworden ist. Wenige Veranstaltungen fanden statt, und wenn, dann standen sie weniger in der Öffentlichkeit als früher. Seit der selbst ernannte Prophet der dort ansässigen Glaubensgemeinschaft der Transformanten zu fünf Jahren Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt wurde, haben sich auch offizielle Stellen zurückgezogen. Jetzt allerdings werden die Führungen über das Gelände wieder aufgenommen. Das Recht dazu, das Privatgelände zu betreten und einige Gebäude zu besuchen, hat die Stadt schließlich, dies ist vertraglich mit dem Eigentümer vereinbart. Entsprechend ist es ab Sonntag, 24. April, wieder möglich, sich in die spannende Historie des besonderen Gocher Ortes einführen zu lassen.

Das übernimmt der Gästeführer Theo Ghijsen. Regelmäßig bis Oktober wird er Geschichtsinteressierte einen historischen Eindruck des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters verschaffen. Erfahrungsgemäß nutzen auch Auswärtige, die zum Beispiel ein paar Tage in Goch Urlaub machen, die Gelegenheit, sich dort umzusehen. Theo Ghijsen nimmt die Teilnehmer an der Führung jeweils um 11 Uhr am Torbogen zum Eingang des Klostergeländes in Empfang. Im Rahmen der Führung wird ein Bogen von der Gründung Graefenthals bis in die heutige Zeit gespannt. Die Teilnahme an der 90-minütigen Entdeckungstour kostet vier Euro pro Person, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Die weiteren Graefenthal-Termine in diesem Jahr finden am 29. Mai, 26. Juni, 17. Juli, 7. August, 4. September, 3. Oktober und zuletzt am 23. Oktober statt.

Im Internet firmiert Graefenthal, das einstige Zisterzienserinnenkloster, inzwischen als „historische Event-Location“. Konzerte, Weinfeste, Mittelalter- und Weihnachtsmärkte finden dort statt, die Gastronomie kann für Hochzeiten und andere Feiern genutzt werden. Die Betreiber nennen sich „eine Gruppe von engen Freunden“, die im Jahr 2012 die ADG Management Group gründeten. Die Mitglieder gehören dem niederländischen Orden der Transformanten an, der zuletzt Schlagzeilen machte.

Die Abteil diente bis ins späte 14. Jahrhundert als Grablege für Grafen, andere Adlige und Ordensfrauen. Gegründet hatte das Kloster 1248 Otto II. von Geldern, dessen Hochgrab bis heute auf dem Gelände zu sehen ist. Eine Vielzahl von Stiftungen und Vermächtnissen sorgte dafür, dass die Abtei große Besitzungen in der Umgebung hatte. 1802 wurde das Kloster von den Franzosen säkularisiert. Das Archiv wird seitdem in der Klosterbibliothek des nahen Collegium Augustinianum Gaesdonck aufbewahrt, die Gebäude wurden landwirtschaftlich genutzt, bis der Niederländer Ijsbrandt Rovers die Anlage kaufte und der Öffentlichkeit zu großen Teilen zugänglich machte. In der ADG-Gruppe fand er zunächst Pächter, 2017 kaufte sie das Anwesen. Dass es sich um eine Sekte handelt, war den meisten Gochern lange Zeit nicht bekannt.

Seit dies jeder weiß, hat der Förderverein Kloster Graefenthal ein Problem. Er möchte sich von den Eigentümern absetzen, aber den Zugriff auf das historische Erbe nicht verlieren. Es gibt die Idee, sich dem Gocher Heimatverein anzuschließen. Bärbel Schreiber, die Geschäftsführerin des Heimatvereins, erklärt dazu auf Anfrage: „Eine Zusammenlegung hätte bedeutet, dass beide Vereine aufgelöst werden müssen, um dann einen neuen Verein mit einer neuen Satzung gründen zu können. Das kommt aber für den mehr als 90 Jahre alten Gocher Heimatverein nicht infrage. Zugleich liegt jedoch die Fortführung der historischen Arbeit des Fördervereins Kloster Graefenthal auch im Interesse des Heimatvereins. Wir haben deshalb das Angebot gemacht, vereinsintern einen weiteren Arbeitskreis zu bilden, in dem die Arbeit des Fördervereins nach dessen Auflösung fortgesetzt werden könnte.“ Schon jetzt gehören „Goch TV“ und „An Niers und Kendel“ dem Heimatverein an. Bisher ist aber die Vereinsauflösung nicht erfolgt. Dem Vernehmen nach ist auch ungewiss, ob womöglich Fördermittel an die NRW Stiftung zurückgezahlt werden müssten. Die sind nämlich in erheblichem Umfang geflossen. Rund 300.000 Euro gab es für die Restaurierung der Remise; dort wollte der Förderverein ein Museum oder einen Ort zum wissenschaftlichen Arbeiten einrichten.

Hans van Bergerem ist der Schatzmeister des Fördervereins Graefenthal. Er sagt, dass der Verein, so lange sich die Besitzer des Klosterguts nicht von dem verurteilen Sektenführer distanziere, im Umfeld der Gruppe nicht mehr tätig sein wolle. Da die Fördermittel aber daran gebunden seien, dass das Gelände mindestens bis zum Jahr 2031 öffentlich nutzbar bleibe, müsse man abwarten, wie sich die NRW-Stiftung äußere. „Wir warten noch auf Post aus Düsseldorf“, so van Bergerem.

Informationen zu allen Führungen der Stadt Goch gibt es im Internet bei www.goch.de/fuehrungen und bei der KulTOURbühne im Rathaus, Telefon 0 28 23 / 320-202, Email: kultourbuehne@goch.de.

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