Goch-Pfalzdorf: Goch: Borgardtshof offiziell eingeweiht

Goch-Pfalzdorf: Goch: Borgardtshof offiziell eingeweiht

Die intensivpädagogische Einrichtung ist von Bedburg-Hau nach Goch-Pfalzdorf gezogen. Zur offiziellen Einweihung kamen viele Besucher – dabei konnten sie die Bewohner und deren persönliche Geschichten kennenlernen.

Die intensivpädagogische Einrichtung ist von Bedburg-Hau nach Goch-Pfalzdorf gezogen. Zur offiziellen Einweihung kamen viele Besucher — dabei konnten sie die Bewohner und deren persönliche Geschichten kennenlernen.

Begrüßungsworte muss die stellvertretende Bürgermeisterin Gochs, Gaby Theissen, bei Einweihungsfeiern viele sprechen. Wohl nur wenige davon hatten in jüngster Vergangenheit ein ähnliches Gewicht wie die, die sie am Freitag auf dem Borgardtshof in Pfalzdorf an dessen neue Bewohner richtete: "Ich darf Sie und euch ganz offiziell, auch vom Rat und der Verwaltung, herzlich willkommen heißen." Angesprochen waren die "verhaltensauffälligen" Jugendlichen und ihre Betreuer der Kaiserswerther Diakonie, die fortan im Borgardtshof leben und arbeiten werden.

Im Vorhinein hatte es viele Debatten um die intensivpädagogische Einrichtung gegeben, in der Bürgerschaft, wie im Rat. "Typische Gocher Skepsis", nennt Gaby Theissen das schmunzelnd. "Wir haben drei Jahre gekämpft und nicht locker gelassen", wird Thomas Pütz von der Kaiserswerther Diakonie konkreter.

Bei der Eröffnung findet Gaby Theissen aber klare Worte, positioniert sich: "Unsere Gesellschaft braucht Einrichtungen wie den Borgardtshof. Kinder sind unsere Zukunft und wir haben die Pflicht zu ermöglichen, dass sie ihre Zukunft leben können." Zur Eröffnung und Einweihung des Hofes kamen Mitarbeiter, Nachbarn, Neugierige, aber auch Lehrer und Bekannte der Jugendlichen. Klaus Riesenbeck aus dem Vorstand der Kaiserswerther Diakonie brachte symbolisch ein großes hölzernes Kreuz mit nach Pfalzdorf. "Denn jeder Mensch ist ein von Gott geliebtes Wesen", betont er.

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Einer der neuen Bewohner des Hofes ist Severin, 17 Jahre alt. Zwei seiner Lehrer von der St.-Markus-Grundschule Bedburg-Hau sind ebenfalls gekommen, um sich von ihm die Anlage zeigen zu lassen. "Wir wollten mal sehen, wo der Grundstein für die Entwicklung gelegt wird, die Severin in den vergangenen Jahren gemacht hat", sagt sein Klassenlehrer, Werner van Kevelaer. "Eine Sache, die mich sehr berührt, ist, dass Severin als erster meiner Schüler überhaupt in der zentralen Prüfung im Fach Mathematik eine Eins geschrieben hat", pflichtet ihm sein Mathelehrer, Manfred Wigge bei.

Dass es nicht darum geht, Lebenswege schön zu reden, macht Severin dann selbst deutlich. "Ich bin hier, weil ich es zu Hause nicht mehr ausgehalten habe. Ich war früher nicht einfach und habe den Betreuern viele Sorgen bereitet", sagt er. Aber der Weg habe sich gelohnt. "Ich weiß mich auszudrücken und fange im August mit der Ausbildung an. Ohne Sie hätte ich das nicht geschafft", sagt der "dienstälteste" der Bewohner Richtung Lehrer.

Misstrauen wolle man weiterhin durch Transparenz und Offenheit begegnen, betonen alle Beteiligten. "Wir sind auf gute Nachbarschaft angewiesen und wollen versuchen, diese selbst zu leben", sagt Klaus Riesenbeck.

Dann wandelt sich vielleicht sogar beim Letzten die "typische Skepsis" in Hilfsbereitschaft.

(lukra)