Goch: Bömler und die illegale Grenzöffnung

Anzeige bei Klever Staatsanwaltschaft : Hommersum ist noch lange nicht grenzenlos

Nach der Aktion von Heinz Bömler gehen die Meinungen auseinander: Soll die grüne Grenze in Hommersum offiziell geöffnet werden?

Heinz Bömler hat das Schild und den Poller, die er und 30 Mitstreiter illegalerweise an der grünen Grenze zwischen Hommersum und dem niederländischen Heijen abmontiert haben, dem Bauhof von Goch übergeben. Das habe er gleich am Montagmorgen getan, sagte der „wahnsinnige Puppenspieler“ der Rheinischen Post. In einem Akt zivilen Ungehorsams hatte der Eigentümer der Viller Mühle mit einem Zustand aufgeräumt, der ihn seit Jahren ärgert: Grenzbefestigungen in einem Europa, das doch so frei wie möglich sein sollte. „Ich hoffe, dass die Stadt noch etwas Ärger macht, denn für uns ist das eine gute Werbung“, sagt Bömler. Eine Anzeige hat er sich schon eingefangen, denn als die Polizei am Wochenende vorbei schaute, stellten die Beamten eine Straftat fest — einen „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“. Der Verdacht des Diebstahls hingegen habe sich erledigt, da Schild und Poller ja zurückgegeben wurden, erklärt Polizei-Sprecher Michael Ermers.

Anwohnerin Tilla Koch kann über Bömlers Aktion nicht lachen. „Als der Übergang noch frei war, sind hier 40-Tonner durchgefahren. Die Erschütterungen in dem Schotterweg haben sogar unsere computergesteuerten Geräte gestört“, erzählt sie. Sollte Bömler mit seinem Vorgehen Erfolg haben, hätten Nachbarn schon eine Gegeninitiative angekündigt. Keinesfalls wollten sie die Situation von früher wieder haben. „Fahrräder, etwas landwirtschaftlicher Verkehr und einige wenige Autos am Tag wären ja nicht das Problem. Aber für Schwerlastverkehr ist diese Straße nicht geeignet.“ Fahrzeuge über 7,5 Tonnen hätten dort auch früher nicht fahren dürfen, „aber an so ein Schild hält sich doch keiner“, meint Tilla Koch.

Henk Coenen und Geert Klaassen aus Heijen hingegen finden es richtig, so viele Grenzanlagen wie möglich abzubauen. Sie wundern sich darüber, dass auch die Niersbrücke Richtung Veedijk für Autos gesperrt ist. Mitten im Zentrum von Hommersum, gegenüber der Gaststätte Evers in landschaftlich schönster Lage, sei das doch traurig. Die beiden Pensionäre von der niederländischen Seite wandern gerne rund um ihren Heimatort herum und finden den Revoluzzer aus Hommersum sympathisch. Für die RP posierten sie gerne am Grenzpfahl, der ihrer Meinung nach keine Bedeutung mehr haben sollte. Bio-Landwirt Klaus von Agris kann beide Seiten verstehen, findet aber, über Grunewald oder Hassum fahren zu müssen sei doch kein Problem. Laut Heinz Bömler habe allerdings gleich nach der unerlaubten Öffnung ein Treckerfahrer mit sichtlichem Vergnügen die Grenze pasiert.

Gochs Stadtsprecher Torsten Matenaers teilt auf Anfrage mit, da die Tat „über einen symbolischen Akt hinaus gehe“, überlege der Bürgermeister noch, wie er mit dem Thema weiter umgehen werde. Den Straßenverkehr zu gefährden sei jedenfalls indiskutabel. Die Anzeige der Polizei wird der Staatsanwaltschaft zugestellt.

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