Goch: 60 Jahre Nachbarschaft Am Heidacker in Pfalzdorf

Pfalzdorf : 60 Jahre Nachbarschaft Am Heidacker in Pfalzdorf

Die Familien leben nicht einfach nebeneinander her, sondern pflegen eine aktive Nachbarschaft mit Festen und Unternehmungen. Der runde Geburtstag wurde gebührend gefeiert.

Sieben Häuser, 15 Menschen, vier Generationen – das ist die Nachbarschaftsgemeinschaft der Straße „Am Heidacker“ in Pfalzdorf. Seit genau 60 Jahren leben die Familien nicht einfach nebeneinander her, sondern pflegen eine aktive Nachbarschaft mit  Festen und  Unternehmungen. Der runde Geburtstag wurde  gebührend gefeiert. „Wir sind in gewissem Sinn ein sozialer Verband und auch ein bisschen stolz darauf“, sagt Hubert Berns.

Seine Schwiegereltern bauten das Haus, in dem er mit seiner Familie wohnt, Ende der 50er Jahre. Der Straßenname „Am Heidacker“ lässt vermuten, dass hier einmal freies Feld war. Tatsächlich wurde die landwirtschaftliche Fläche damals zu Bauland, und wer dort ein Haus bauen wollte, musste sich verpflichten, Tiere zu halten und das Obergeschoss zu vermieten.

Dafür konnte man das Grundstück von 1000 Quadratmetern zum erstaunlich günstigen Preis von 500 DM erwerben. Wie Hubert Berns erklärt, war die Auflage Tierhaltung  mit Kaninchen oder Hühnern erfüllt. Der eine oder andere hielt sich sogar Schweine, die Gebäude sind heute zum Beispiel zu Garagen umfunktioniert. Die Verpflichtung zu vermieten hing, wie Berns erläutert, mit dem sozialen Wohnungsbau zusammen. Dafür sei auch der Hausbau staatlich gefördert worden und kostete den Bauherrn  nur 34.000 DM. Diese Summen muten sehr historisch an, die Zeit ist heute eine andere, jedoch die Familien, die Am Heidacker wohnen, sind fast alle Nachkommen derer, die 1959 begannen.

Das waren, wie  Berns erzählt, keine Pfalzdorfer. Sie kamen aus anderen Regionen, teils  aus Schlesien oder aus der ehemaligen DDR vor dem Bau der Mauer. Das Alter der heutigen Anwohner liegt zwischen 11 und 93. „Eine gewachsene Gemeinschaft“, sagt Berns. Man treffe sich meist draußen. Nicht nur der 60. Geburtstag der Nachbarschaft wurde gefeiert, alle „runden“ Jahre waren Anlässe für größere Feste. Und es gibt ein jährliches Siedlerfest, ein Grünkohl- und ein Spargelessen, Radtouren, ein Osterfeuer.

„Die Organisation geht reihum, jedes Jahr ist ein anderer „Chef““, erklärt Berns. Zum 60. wurde die Einfahrt zu der kleinen Straße, die kaum länger als 150 Meter ist, festlich gekränzt, das Essen bestellt, und es wurde gefeiert „bis zum Morgen“. „Zum Reste essen kamen wir dann nochmal alle zusammen“, so Berns. Die Auflagen der Vergangenheit – Tierhaltung und Vermietung – gibt es heute nicht mehr. Tiere hält Hubert Berns aber immer noch. „Ich habe 150.000 weibliche Helfer“, sagt er schmunzelnd. Von seinem Schwiegervater übernahm er die Imkerei als Hobby und ist aktiv im Pfalzdorfer Imkerverein.

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