Goch: Geschichtsträchtige Gaststätte am Markt

Goch : Geschichtsträchtige Gaststätte am Markt

Die 53. Ausgabe der Historischen Zeitschrift "An Niers und Kendel" für Stadt Goch und Umgebung ist erschienen. Auf dem Titel: der Marktplatz mit dem ehemaligen Gasthaus "Zu den drei Kronen", das über 300 Jahre bestand.

Die ehemalige Gastwirtschaft "Zu den drei Kronen" hat tiefe Spuren in der Geschichte Gochs hinterlassen. Der Bischof von Roermond übernachtete am 11. August 1761 in dem Gasthaus am Marktplatz, Ende der napoleonischen Ära beherbergte es mit dem durchreisenden Prinzen der Niederlande hohen Besuch. Und auch Bundespräsident Johannes Rau besuchte 1980, als Ministerpräsident Nordrhein-Westfallens, das Wirtshaus, das bis 2011 bestand - und damit über 300 Jahre.

Markt und Gaststätte zieren den Titel der neuen Ausgabe "An Niers und Kendel". Die Historische Zeitschrift für Stadt Goch und Umgebung geht in die 53. Ausgabe. Die fünf Autoren Hans-Joachim Koepp, Gustav Kade, Willi Coenen, Werner Verfürth und Ernst R. Bohm haben sich sieben Themen gewidmet. Thema Nummer eins: das Gasthaus "Zu den drei Kronen", 300 Jahre Gaststättenhistorie am Markt. Der Name "Drei Kronen" ist auf die in Goch verbreitete Verehrung der Heiligen Drei Könige zurückzuführen, denen in der St. Maria-Magdalena-Kirche zwei Altäre geweiht waren, wie Stadtarchivar Hans-Joachim Koepp schreibt. Über das Haus, das die Nummer 102 hatte, gibt es Informationen aus der Zeit vor 1700. Ursprünglich war es ein Wohnhaus. Für das Jahr 1702 ist an der Stelle bereits ein Gasthof überliefert. 1787 gab es in Goch nur zwei Herbergen, in denen übernachtet werden konnte. Eine davon war das Wirtshaus "Zu den drei Kronen". Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude völlig zerstört, erst im Juni 1953 folgte die Wiedereröffnung. Den dreigeschossigen Eckbau mit der Giebelfront zur Voßstraße baute Architekt Hermann Heimbach.

Gustav Kade schlägt ein anderes Kapitel auf: die Geschichte des zerstörten Schlosses der Herren von Loe. Denn wer das Haus Terporten in Hassum besucht, kann nicht erkennen, welche reiche Geschichte sich verbirgt. Hier stand mal ein mächtiges Gebäude, das im Volksmund "Schloss Terporten" genannt wurde, aber zum Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde.

Das Haus Terporten gab es es bereits vor 700 Jahren, in Urkunden wird es erstmalig 1335 erwähnt. Um 1850 war Terporten ein Rittergut, bewohnt vom Reichsfreiherr Felix von Loe. Als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in dem Schloss der Generalstab (Grenzwacht) einquartiert wurde, endete die Geschichte des Hauses Terporten. Die Familie von Loe nahm Abschied von ihrem Stammsitz. Per Befehl musste sie Hab und Gut verlassen, als die alliierten Truppen heranrückten. Während der Zeit der Evakuierung wurde das Schicksal des Hauses besiegelt.

Die schottische 51. Hochland-Division führte über das Gelände einen Angriff auf das Kendel-Gebiet durch. Als die Familie von Loe zurückkehrte, fand sie ihr Schloss zerstört vor, zog auf einen Bauernhof in der Nähe. In den 1960er-Jahren wurde auf der anderen Straßenseite ein Wohnhaus errichtet. Dort lebt Baron Walter von Loe noch heute.

Außerdem in der Zeitschrift: "JOMO - ein Gewächs aus Goch", "Die Gocher Eisenbahnstrecken werden zweigleisig", "Die Geschichte der Fotografie in Goch: Daguerreotypeure, Lichtbildkünstler und Fotografen", "Fotoatelier Bohm 1907 - 1987", "Rind- und Schweinemetzgerei Hermann Kemper mit Speisewirtschaft und Kostgängerunterkünften". Herausgeber ist der Heimatverein Goch. Das Heft ist für 2,50 Euro im Buchhandel erhältlich. Die Mitglieder des Heimatvereins bekommen es kostenfrei.

(RP)
Mehr von RP ONLINE