Goch: Geschichten am Ufer

Goch : Geschichten am Ufer

Ein Platz gegen das Vergessen: Schöne alte Grab-, Wege- und Haussteine sowie Kreuze stehen in Goch wieder an alter Stelle. Direkt an der Niers, auf einem schönen Platz an der Susmühle, der sicher selbst ein kleiner Park wird.

Günter van Cuick war der "Mann für alles". Er entwarf die Pläne, er entwarf Form und Gestaltung der Info-Tafeln, er machte sich unendlich viel Arbeit. Viel Freizeit ging dafür drauf. Zeit, die er gerne investierte. Gemeinsam mit Altbürgermeister Willi Vaegs, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, und KulTOURbühne-Chef Helmut Lintzen plante und rechnete er hin und her.

Kräftige Unterstützung der Volksbank an der Niers für das Projekt gleich nebenan, zwischen Rathaus und Susmühle nämlich, machte das Ganze finanziell möglich: In einem Zug mit Nierswellen-Bau und Erneuerung der Brücken an der Mühle entstand der kleine Park. Die alten Grab-, Wege- und Haussteine sind Schätze.

Günter van Cuick erzählt: "Im Zuge des Rathaus-Neubaus wurden sie zunächst weggenommen und auf dem Gelände des Bauhofs an der Jurgensstraße gelagert." Für ihn und seine Mitstreiter, allen voran Willi Vaegs als Heimatvereins-Chef, war klar: Dort konnten sie nicht bleiben. Denn, so van Cuick: "Die restaurierten steinernen und metallischen Fundstücke erzählen wirklich spannende Geschichten aus der Entwicklung der Stadt Goch."

Wappenstein

Beispielsweise der wunderschöne Wappenstein, der wahrscheinlich mal zu Schloss Kalbeck gehört hat. Jedenfalls sprechen sehr viele Indizien dafür. Oder der riesige, von hinten, also unten, noch völlig unbehandelte Mahlstein, der sicher mal eine Grabplatte war. Französische Lilie, Maueranker, Wappen, vieles ist noch zu sehen. Die Jahreszahl 1518 ist ebenfalls zu entziffern.

Günter van Cuick zeigt, dass der große, für ganz praktisch-irdische Mahlzwecke "entweihte" Aachener Blaustein mal repariert worden sein muss. Außerdem sieht man noch Spuren davon, wie der Steinmetz für die kreisrunde "Umarbeitung" vorher mit einem feinen Meißel alles angezeichnet hatte. Auch das große alte Dachkreuz, das früher auf dem alten Wilhelm-Anton-Hospital stand, ist zu sehen.

Alles wurde fachkundig restauriert — zu sehen sind aber weiterhin Zeugen der Vergänglichkeit. Auch aus diesem Grund entschied sich der Heimatverein dafür, rostenden Stahl für die Info-Tafeln zu verwenden, die nun sorgsam erklären, was man da sieht. Dieser Cortenstahl roste zwar sofort, aber er roste nicht durch, erläutert van Cuick. Für dieses Freilichtmuseum der besonderen Art sei der Bereich zwischen neuem Rathaus und Susmühle, wegen der neuen Brücken bestens erreichbar und völlig offen, "der ideale Platz", so Helmut Lintzen.

Der KulTOURbühne-Chef kann aus seinem Büro aus beobachten, wie gut der neue Platz angenommen wird. Immer wieder gehen Leute vorbei, bleiben stehen und biegen dann ab ans "Gocher Geschichtsufer". Freude — genau so war es ja auch gedacht. Die Arbeit hat sich gelohnt.

(RP/rl)
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