Goch: Geschäftsumbau wegen Parkgebühren

Goch : Geschäftsumbau wegen Parkgebühren

Seit Anfang Mai werden die Parkplätze in der Gocher Innenstadt bewirtschaftet. Während sich so mancher über die frei bleibenden Flächen freut, zieht zum Beispiel das "Bastel-Zentrum Goch" Konsequenzen aus dem Kundenrückgang.

Seit gut einem Monat gilt in Goch Gebührenpflicht für Parkplätze. Aufgrund der Haushaltslage hatte sich die Politik parteiübergreifend dazu entschlossen, auf das Alleinstellungsmerkmal "parkgebührenfreie Stadt" zu verzichten und so jährlich etwa eine halbe Million Euro zusätzlich einzunehmen.

Wer in der Gocher Innenstadt parken möchte, hat wie hier in der Roggenstraße derzeit häufig die Qual der Wahl. Foto: Evers, Gottfried (eve)

In den ersten Tagen des Monats Mai allerdings sah es so aus, als sollte diese Rechnung nicht aufgehen. Teilweise waren ganze Straßenzüge leer, kein einziges Auto parkte auf den bewirtschafteten Flächen. Parallel zu dieser offensichtlichen Vermeidungsstrategie der Autofahrer sorgten auch Beschwerden über die Höhe der Anwohner-Parkausweise (ab 175 Euro pro Jahr) für Gesprächsstoff. Sogar mutwillige Beschädigungen an Automaten hatte es zu Beginn gegeben. Torsten Matenaers, Sprecher der Stadt Goch: "Das Thema Parkgebühren wird nach wie vor kontrovers diskutiert, aber die Einführung wird sicher noch eine größere Akzeptanz finden." Für eine erste Bilanz von Verwaltungsseite sei es so wenige Wochen nach dem Start noch zu früh, so Matenaers.

Ina-Marie Carreira und ihre Eltern Romet und Sandra Carreira sehen das anders. "Wir werden unser Geschäft zum 14. August erst einmal schließen", so die 18-jährige Schülerin, die ihren Eltern regelmäßig im "Bastel-Zentrum Goch" an der Straße Hinterm Engel hilft. Verkauft wird hier auf knapp 500 Quadratmetern Kreatives, Deko- und Geschenkartikel. Derzeit teilen sich die Angebote den Schaufensterplatz allerdings mit Plakaten. Darauf ist unter anderem ein ironischer Text zu lesen, in dem sich die Carreiras bei der Stadt Goch für Umsatzeinbußen bedanken. Ina-Marie Carreira dazu: "Seit der Einführung der Parkgebühren haben wir kaum noch Laufkundschaft, es kommen einfach keine Fußgänger mehr vorbei. Vorher war alles gut, aber jetzt haben wir uns dazu entschlossen, unser Geschäft umzubauen. So können wir zukünftig Personalkosten sparen, denn dann reicht es aus, wenn nur ein Mitarbeiter im Geschäft ist." Zusätzlich wolle man das Angebot umstellen, weil niemand mehr vorbeikomme, um zum Beispiel Grußkarten zu kaufen. Mitte September wollen die Carreiras wieder eröffnen. Aber: "Unsere Angestellten und wir bangen um die weitere Zukunft", so die 18-Jährige.

Deutlich entspannter klingt da derzeit Detlef Kox. Er ist Inhaber des Back-Shops auf der Brückenstraße und auch er hatte zu Monatsbeginn einen Einnahme-Rückgang zu beklagen. Jetzt aber sagt er: "Der Kunde kommt zurück, das ist schön zu sehen." Zwar sei es phasenweise immer noch so, dass die Straße vor seiner Geschäftstür "vierspurig" sei, vor allem ab neun Uhr, wenn die Parkgebührenordnung greift, dafür sei die Zeit davor für seinen Betrieb nun aber deutlich besser. Darüber hinaus hat sich Kox für seine Kunden etwas einfallen lassen, das ihnen einen Besuch bei ihm schmackhafter macht: "Jeder, der mit einem gültigen Parkschein hier reinkommt, bekommt ein Gratis-Brötchen", so Kox. Ebenfalls nicht generell gegen die Einführung der Parkgebühren ist Manfred Hübbers vom Einrichtungshaus Kracht-Hübbers wenige Meter weiter auf der Brückenstraße. "Die Gebühren für die Jahresparkscheine sind Wucher - zumal die dann nur auf zugewiesenen Parkplätzen gelten. In München zahle ich dafür 35 Euro, in Goch 175 Euro, das kann doch nicht sein." Auswärtige, die in der Gocher Innenstadt arbeiten, müssten sogar 350 Euro zahlen. Für einen einfachen Angestellten sei das schlicht unmöglich, sagt Hübbers. Und für ihn selbst Grund genug, den Dachverband der Gocher Einzelhändler zu verlassen. "Ich bin aus dem Werbering ausgetreten, weil ich mich von ihm in dieser Angelegenheit nicht ausreichend vertreten gefühlt habe", sagt Hübbers und wird abschließend noch einmal deutlich. Bleibe es bei dieser "Abzocke", gebe die Stadt Goch "ihre letzten Pfründe aus der Hand", so der Geschäftsmann. Darum interessiere ihn auch ganz besonders, was die derzeitigen Bürgermeister-Kandidaten Trenckmann, van Baal und Knickrehm zu diesem Thema zu sagen hätten.

Thomas Claaßen, der sich von Anfang an an der Spitze eine Bürgerinitiative gegen die Parkscheinregelung stark gemacht hat, pflichtet Hübbers bei. "Die Anwohner flüchten mit ihren Autos in die Wohngebiete", sagt Claaßen. Niemand, den er kenne oder mit dem er sich darüber unterhalte, habe eine Jahreskarte beantragt. Darum hat er erst vor wenigen Tagen in Gocher Geschäften Boykott-Flyer verteilt, in denen er unter anderem Ausnahmeregeln für Berufsschüler und eine Senkung der Beträge für die Jahreskarten fordert. Die Mehrheit der Geschäftsleute hätte dem Inhalt nicht widersprochen.

Und auch Jörg Thonnet, Vorstandsmitglied des Werberings, plädiert bei der Bewertung der Lage für eine Unterscheidung zwischen dem Anwohner- und Kundenparken. Es gebe zwar manchen, der über Umsatzeinbußen klage, "aber nicht jeder führt das auf die Parkgebühren zurück. Ich erlebe sogar oft, dass sich die Kunden darüber freuen, dass sie nun immer einen Parkplatz gleich vor der Tür finden", so Thonnet.

Dazu, dass mit Kracht-Hübbers ein Werbering-Mitglied wegen der Parkgebühren aus dem Verband ausgetreten ist, sagte Thonnet: "Es ist richtig, dass uns ein Mitglied verlassen hat. Wir haben aber auch vier neue Eintritte zu verzeichnen."

(RP)
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