Goch/Kleve/Kevelaer: Gekommen, um zu bleiben

Goch/Kleve/Kevelaer : Gekommen, um zu bleiben

Das Katholische Karl-Leisner-Klinikum ist in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Universitätsklinik ein Lehrkrankenhaus. 26 junge Ärzte werden derzeit in den Häusern des Verbundes ausgebildet, einige werden bleiben.

Für das letzte Jahr seiner Ausbildung hat er sich die Peripherie ausgesucht, den Rand der Republik: Matthias Wössner will Arzt werden - doch er gehört nicht zu den vielen Jungakademikern, für die allein eine Stelle in einer Großstadt, in Hamburg, Berlin oder Köln infrage kommt. Im Gegenteil: Er hat bewusst ein Lehrkrankenhaus fernab der großen Uni-Städte gesucht.

Der Schwabe arbeitet als PJ-ler derzeit im Wilhelm-Anton-Hospital in Goch in der Viszeral- und Thorax-Chirurgie, hat eine Wohnung mit seiner Frau in Kleve gefunden und fühlt sich wohl am Niederrhein. Vor allem wegen der praxisnahen Ausbildung in einem Akademischen Lehrkrankenhaus wie dem Klinikum mit Häusern in Kleve, Kevelaer, Goch und Kalkar, in denen die jungen Ärzte fit für die Praxis gemacht werden sollen.

Denn im praktischen Jahr (PJ) steht der Umgang mit dem Patienten im Mittelpunkt der Ausbildung. Die Voraussetzung für die Durchführung des PJ ist, dass der zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach dem zehnten Semester bestanden wurde. Damit sind die jungen Medizinstudenten im letzten Jahr so etwas wie Referendare.

"Man darf sich das als Arzt ohne Approbation vorstellen", sagt Catherina Stauch, Chefärztin der Nuklearmedizin in Goch, die die PJ-ler betreut. 26 Jungmediziner stehen auf der Liste des Verbundes, der erste fing 2016 beim Karl-Leisner-Klinikum an, das in seinen 27 Fachabteilungen jährlich mehr als 100.000 Patienten behandelt. Er ist inzwischen Assistenzarzt im Verbund: gekommen, um zu bleiben. "Wir haben auf der einen Seite natürlich die gute Ausbildung im Blick, und auf der anderen Seite möchten wir so junge Ärzte für unser Klinikum in der ländlichen Region gewinnen.

Davon profitiert die ganze Region", sagt Christian Weßels, Sprecher des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums. Eingesetzt werden die PJ-ler in den verschiedenen Abteilungen der spezialisierten Standorte. Für die PJ-Studenten gibt es in jedem der vier Krankenhäuser natürlich auch ein Studierzimmer. "Wir vermitteln unser Wissen und werden auch mit ganz frischem Wissen konfrontiert - das tut uns gut", sagt Stauch. Dabei betont die Nuklearmedizinerin: "Wir wollen aber auch die ethische Dimension unseres Berufes aufrechterhalten: Der Patient darf nicht zum Renditeobjekt werden."

Eingeschrieben ist Wössner, der zuvor in Ulm studierte, jetzt an der Universität Düsseldorf. Er fährt jeden Morgen mit der Bahn von Kleve nach Goch und freut sich, nicht einer von vielen sein zu müssen, sondern ein junger Mediziner, den man im Team ernst nimmt. "Deshalb habe ich ja auch ein Lehrkrankenhaus gesucht, das keine große Uni-Klinik ist." Hier könne er ganz nah am Patienten von erfahrenen Medizinern lernen, könne sehen, wie wichtig die richtige Diagnostik ist. "Hier sind die Drähte zu den Ausbildern ganz kurz, die Hierarchien flach - das ist für mich ganz wichtig", sagt Wössner.

Für ihre PJ-ler hat Stauch zudem ein Team in der Verwaltung, das sich um eine Unterkunft kümmert, Rat bei den Fahrten zwischen den Häusern des Verbundes weiß und bei Alltagsproblemen hilft. Die Plätze für die Ausbildung gehen vor allem an Studenten der Uni Düsseldorf, es gibt aber auch junge Ärzte von anderen Universitäten, die im Kreis Kleve ausgebildet werden, ebenso wie junge Mediziner von der Radboud-Klinik in Nimwegen.

Wössner, der aus Ravensburg aus der Bodensee-Region stammt, ist mit dem Angebot in Kleve zufrieden. "Ein schönes Städtchen", sagt der künftige Arzt, der vielleicht einmal Chirurg werden möchte.

(mgr)
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