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Gaesdonck-Schüler bereiten sich auf Radtour vor

Projekt : Sie schicken Kinder auf große Tour

Der Sozialpädagoge und Filmer Thomas Binn arbeitet seit vielen Jahren daran, das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Acht Jungen und Mädchen von vier Schulen starten jetzt zu einer einzigartigen Radtour.

Dieser Trip wird ganz anders sein als alle, die er bisher organisiert hat. Denn diesmal fährt Thomas Binn, bekannt durch sein alljährliches Projekt „Zielpunkt Meer“, den Kindern mit Abstand hinterher. Vier Mädchen und vier Jungen, Schüler sechster und siebter Klassen, machen sich am 25. Mai mit ihren Fahrrädern auf den Weg längs durch Deutschland. An der früheren innerdeutschen Grenze entlang bis an die Ostsee wollen sie strampeln. Am Ende wird es über die Aktion einen Film geben, denn Binn – zugleich Sozialpädagoge und Filmer – behält die Gruppe auf Distanz im Auge.

Im Collegium Augustinianum Gaesdonck, einer der teilnehmenden Schulen, fand das Pressegespräch statt. Auch Vertreter dreier anderer Schulen waren dabei: Achim Diehr, Direktor des Gelderner Lise-Meitner-Gymnasiums, Karl Hagedorn, Chef des Kevelaerer Kardinal-von-Galen-Gymnasiums, Rose Wecker, Schulleiterin der Gesamtschule Am Forstgarten in Kleve. Doris Mann als Hausherrin vertrat die Gaesdonck, und Ute Friese von der „Aktion Kindertraum“ war für den Sponsor dabei: Der deutschlandweit tätige Verein erfüllt nicht nur schwerkranken Kindern Herzenswünsche, sondern möchte auch anderen Kindern helfen, selbstbewusst die schwierigen Jahre der Jugend anzutreten. Denn klar ist: Wer vier Wochen lang praktisch auf sich allein gestellt war, kehrt anders nach Hause zurück. Daran glaubt offenbar sogar die Bezirksregierung, die die Jungen und Mädchen vier Wochen lang vom Schulbesuch freistellt.

Es geht um soziales Lernen, darum, Erfahrungen im Alltag zu machen, die an keinem Schulpult möglich sind. „So vieles, was für uns früher selbstverständlich war, geht heute an Kindern vorüber: Ihr Radius, in dem sie sich selbstständig bewegen, beträgt im Schnitt 200 Meter – die Eltern fahren sie ja überall hin“, weiß Binn, der selbst Vater ist. Im Wald herum stromern, Hütten bauen, mit dem Rad Freunde im Nachbarort besuchen – wer kennt das noch? „Ich möchte den Jugendlichen zeigen, dass sie aus sich selbst heraus etwas schaffen können und dass es sich lohnt, ein Ziel zu verfolgen“, erklärt der Kevelaerer. Im Frühjahr kommenden Jahres sollen sich die Jungen und Mädchen als „Helden“ in einem abendfüllenden Film erleben. Der vermutlich ähnlich wie Binns „Ich.Du.Inklusion“ für einige Aufmerksamkeit sorgen wird.

Wider Erwarten fand der Filmemacher schnell Pädagogen, die auf seine Idee ansprangen. Sie suchten geeignete Kinder aus, deren Eltern natürlich ebenfalls überzeugt vom Projekt sein mussten, die mutmaßlich mit den Anforderungen klar kommen und auch mal Konflikte untereinander austragen können. „Natürlich sind es auch solche Kinder, deren Versetzung nicht gerade gefährdet ist“, warf Doris Mann ein. Ob sie Karten lesen können, Einkaufen, Verhandeln, Kommunizieren – das wird sich zeigen. Rad flicken und Zelt aufbauen wird vorher in Workshops gelernt.

Übrigens ist dies eine Tour ohne Smartphones (stattdessen mit Briefeschreiben). Ungewohnt für den Nachwuchs und vermutlich geradezu unerträglich für die Eltern. Aber auch die sollen ja was lernen – ihren Kindern etwas zuzutrauen.