Goch/Kevelaer: G 8 oder G 9 - auch Schulleiter uneinig

Goch/Kevelaer : G 8 oder G 9 - auch Schulleiter uneinig

Die Diskussion über die Frage, ob das Abitur nach acht oder neun Jahren erreicht werden sollte, bleibt aktuell. Gocher und Kevelaerer Schulleiter kennen alle Argumente. Stichworte: Stress, Hobbys, Konkurrenz, Alter, Auslandsaufenthalte.

Die Kritik an "G 8" ebbt nicht ab. Dabei stören sich die Betroffenen - also Schüler, Eltern und Lehrer - keinesfalls nur an dem Stress, den es bedeutet, ähnlich viel Unterrichtsstoff auf nur noch acht statt wie früher auf neun Jahre bis zum Abitur zu verteilen. Viel Unzufriedenheit herrscht auch über das Hin und Her und den Schlingerkurs der Politik. Seit NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann einen Runden Tisch angekündigt hat, um das Thema noch einmal intensiv zu diskutieren, stellt sich die Frage erneut: Könnte es in NRW - wie schon in Niedersachsen - eine Rückkehr zum alten System geben? Die Direktoren der Gymnasien von Kevelaer und Goch nehmen Stellung.

Karl Hagedorn, der Schulleiter des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums in Kevelaer, findet, G 8 müsse mehr Zeit gegeben werden, sich zu etablieren. "In den zehn Jahren, in denen wir jetzt Erfahrungen gesammelt haben, ist Vieles besser geworden. Eine Rückwärtsrolle hielte ich nicht für richtig. Von unseren älteren Schülern höre ich auch wenig Klagen. Sorgen machen sich vor allem die Eltern der Jüngeren, die um die freie Zeit des Nachwuchses fürchten." Schulbücher und Lerninhalte seien an die verkürzte Schulzeit angepasst worden, die Schüler lernten nach neuen Methoden. "Der Lernstoff wurde sicherlich gekürzt. Aber das Lernen hört ja nach der Schulzeit nicht auf, deshalb ist es wichtig, den Kinder selbstständiges Arbeiten zu vermitteln." Man wollte den Nachwuchs schließlich auch (wegen des internationalen Wettbewerbs) früher ans Studium oder in den Beruf bringen.

Christoph Peters, Direktor am städtischen Gymnasium Goch, findet, die Politik solle den Schulgremien die Möglichkeit einräumen, selbst zu entscheiden. In Schulpflegschaft und Schulkonferenz stünde das Thema sicherlich bald wieder an. Für leistungsstarke Schüler, sagt Peters, sei G 8 kein Problem. Für einen Großteil der Kinder und insbesondere deren Eltern sei "G 8" jedoch negativ besetzt. Vereinsaktivitäten bröckelten, weil die Schultage lang sind. Man versuche, durch neue Lernformen wie etwa die Arbeit nach Wochenplänen zumindest die Hausaufgaben deutlich zu reduzieren. Peters freut sich über ausgezeichnete Anmeldezahlen - obwohl es in Goch gleich zwei Mitbewerber gibt, die das Abitur nach neun Jahren anbieten - die Gesamtschule (bald auch in Kevelaer Mitbewerber) und Gaesdonck.

Das bischöfliche Gymnasium und Internat, das auch Kevelaerer und Weezer besuchen, nimmt seit 2011 am Schulversuch "G 9 neu" teil, den das Ministerium damals anbot. Direktor Jürgen Linsenmeier wundert sich darüber, dass nur 13 Gymnasien sich für das längere Lernen entschieden haben. "Unsere Überlegung war: Wir bieten den Schülern so viel - Kunstschule, Musikschule, Kurse, Sportangebote - dass es schade wäre, wenn dies aus Zeitnot nicht mehr angenommen würde. Und wir haben in unsere Infrastruktur eine Menge Geld investiert." Gaesdonck, sagt Linsenmeier, könne den Jugendlichen so viel bieten. "Schule ist doch nicht nur Mathe, Deutsch und Englisch." Das kirchliche Gymnasium hält auch viel von Auslandsaufenthalten. Wer jedoch ein Turbo-Abitur anstrebe, könne sich die Zeit dafür kaum gönnen. "Bei G 9 hingegen schaffen wir es meist, den Schüler nach seiner Rückkehr im alten Jahrgang wieder einzugliedern." Der Zulauf zu seiner Schule sei sehr gut; ein Drittel der Bewerber fürs kommende Schuljahr musste abgewiesen werden.

(RP)
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