Fußball: Entwicklung für Technikschulung.

Gocher erfindet Übungsform : Der richtige Treffpunkt

Der Gocher Devran Sezek hat eine Übungsform für Nachwuchsfußballer entwickelt. Damit soll die Schusstechnik verbessert werden.

Devran Sezek ist von Haus aus Malermeister. Aber nicht mehr alleine. Denn jetzt darf sich der 40-Jährige auch Erfinder nennen. Der Gocher hat ein Produkt auf den Markt gebracht, das die Übungsformen im Jugendfußball entscheidend verändern soll. Zwei Jahre arbeitete Sezek an dem Compasstrainer. Der Sportartikel ist dafür gedacht, die Schuss- und Passtechniken von Nachwuchsspielern zu verbessern. Vereinfacht geht es darum: Sticker in drei verschiedenen Farben werden auf die Fußballschuhe geklebt. Die Farben finden sich auf einem Ball wieder. Der rote Klebestreifen muss jetzt die rot markierte Fläche auf dem Ball treffen. Dadurch soll der Spieler lernen, mit welchem Bereich des Fußes er den Ball für eine bestimmte Technik schießen muss. Der richtige Treffpunkt ist entscheidend.

Der Gocher ist von seiner Idee derart überzeugt, dass er seinen Job als Maler aufgegeben hat und eine Firma gründete. Dass eine große Erfindung nichts mit dem eigenen Können auf dem Gebiet zu tun hat, zeigt der sportliche Werdegang des 40-Jährigen. Die DJK SuS Kalkar war sein Verein. Doch ist Devran Sezek nicht alleine von seinem Compasstrainer begeistert. Bei der Vorstellung waren es Hans-Josef Kuypers (Wirtschaftsförderer Kreis Kleve), Rüdiger Wenzel (Wirtschaftsförderer Stadt Goch) und Joachim Böhmer (Geschäftsführer Derbystar) ebenso. Böhmer, der mit Derbystar wieder den Ball für die Fußball-Bundesliga stellt, erklärte: „Als Devran mit der Idee zu mir kam, fand ich sie sofort interessant. Vor allem, weil es mal etwas anderes war. Sonst tauchen hier viele mit neuen Schienbeinschonern auf.“ Derbystar produziert die farbigen Bälle dazu.

Auf die Idee für die Entwicklung brachte den 40-Jährigen sein Sohn. Er wollte, dass dieser sauber schießt und seine Beidfüßigkeit trainiert. Über VVV Venlo, PSV Eindhoven spielt er jetzt im U 13-Leistungszentrum von RW Oberhausen. „Ich habe mir damals Gedanken gemacht, wie er seine Technik auch alleine verbessern kann“, sagt der Gocher. Das sei eben auch ein Vorteil des Compasstrainers. Durch die farbigen Markierungen sind die Übungen leicht verständlich. Selbstständig könne so stundenlang trainiert werden – und die Häufigkeit sei für das Ergebnis verantwortlich, so Sezek.

Doch kommt die Unterstützung für die Entwicklung nicht allein aus der Wirtschaft. Für die wissenschaftliche Untermauerung konnte ein ausgewiesener Experte gewonnen werden. Prof. Dr. Daniel Memmert ist Institutsleiter für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule Köln und prüfte den Compasstrainer. Er kam zu dem Ergebnis, dass es sich hier um ein „einzigartiges und innovatives Sportprodukt handelt“. Vorteil sei, dass Kinder hier impliziert Lernen, so Memmert. Also sich spielerische Fertigkeiten und Wissen aneignen. Der Sportwissenschaftler räumte ein, dass sich die erlernten Fähigkeiten in der Bewegung relativieren. Der Abstand zum Ball muss eingeschätzt werden, der Körperkontakt kommt hinzu – eben Faktoren, die den Treffpunkt beeinflussen.

Zweifellos ist die Übungsform jedoch bestens geeignet, um Standardsituation zu trainieren. Etwa Elfmeter sauber versenken. Denn der Schuss von der Strafstoßmarke besitzt auch im Nachwuchsbereich eine enorme Bedeutung und kann immer noch besser trainiert werden. Da ist es auch egal, wenn einer der größten Fußballer aller Zeiten, der Brasilianer Pelé, über die Standartsituation Elfmeter vernichtend urteilt: „Es ist die feigste Art, ein Tor zu schießen.“

Kosten: Compasstrainer (Originalpaket), fünf Bälle zusätzliches Übungsmaterial 345 Euro; Juniorbox (Kindergartenalter), 79,99 Euro.

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