Goch: Freudenberg-Theater spielt Shakespeare

Goch: Freudenberg-Theater spielt Shakespeare

"Viel Lärm um Nichts" lautet der Titel des Stücks, das die 42 Schauspieler und eine Live-Band einstudiert haben. Aufführungen gibt es in Geldern, Kevelaer und Kleve. Auch Bürgermeister Dominik Pichler gehört zum Ensemble.

"Shakespeare ist alle zwei Jahre unser Mann", so definieren 42 Schauspieler der Theaterwerkstatt Haus Freudenberg den großen englischen Dramatiker, dessen Werke auch 400 Jahre nach seinem Tod nach wie vor zu den wichtigsten Bühnenvorlagen der Weltliteratur gehören. "Die Komödie ,Viel Lärm um Nichts' soll nach dem tiefgründigen Stück ,Momo und die Zeit-Diebe' im vergangenen Jahr mit leichter Kost für einen amüsanten Abend sorgen", sagt Regisseurin Anna Zimmermann-Hacks, Theaterpädagogin und Mitarbeiterin bei Haus Freudenberg.

Es werde "bunt, laut, wuselig und chaotisch", kündigt sie bei der Pressekonferenz zu den bevorstehenden Aufführungen an und hatte auch einige der Akteure mitgebracht, die in Kostümen und mit Musik schon einen Vorgeschmack auf das turbulente Stück um die beiden Liebespaare Claudio/Hero und Benedikt/Beatrice gaben.

Statt einfach nur Szenen zu spielen, vermittelten sie durch Posen und Definitionen, was Theaterspielen, Shakespeare und die gemeinsame Probenarbeit für sie bedeuten. Theater sei "Liebe und Palaver", Theater verzaubere, "Wir" - das stehe für "gemeinsam stark sein", "Familie" aber auch "Individualität". Theaterwerkstatt sei eine abenteuerliche, kreative Baustelle und verbinde die Menschen.

Das Theater-Ensemble von Haus Freudenberg vereint Menschen mit und ohne Förderbedarf, wobei die Übergänge fließend scheinen. Regisseurin Zimmermann-Hacks berichtete, im letzten Jahr sei die Gruppe in die Kritik geraten, nicht mehr so viele Behinderte unter den Akteuren zu haben. "Das war aber nicht so, nach wie vor ist das Verhältnis genau 50 zu 50. Es fällt also gar nicht auf, das macht uns sehr stolz", erklärt sie.

Das Shakespeare-Stück aus dem Jahr 1598/99 interpretiert die Gruppe aktuell und modern. Die Kostüme sind im Stil des Steampunk, mit Kontrasten zwischen Schwarz und leuchtend bunten Akzenten. "Es wird extravagant und facettenreich - wie Shakespeare eben", sagt Anna Zimmermann-Hacks.

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Der Text wurde von Regie-Assistent Eugen Furch überarbeitet und an die heutige Zeit angeglichen. Anstelle einer einzigen Hauptrolle, wird es überdies zehn tragende Rollen geben. Den Claudio, der sich in Hero verliebt, spielt Sebastian Schminke. Er ist zum ersten Mal bei der Theaterwerkstatt dabei, hat vorher im Klever Theater im Fluss mitgewirkt. "Ich wollte unbedingt mitmachen, bin total fasziniert von der gemeinschaftlichen Arbeit. Hier sind Menschen mit und ohne Behinderung einfach gleich wertvoll", sagt er.

Zum ersten Mal dabei ist auch Dominik Pichler, Bürgermeister der Stadt Kevelaer. "Ich hatte großes Glück, hier mitmachen zu dürfen", sagt er. Welche Rolle er übernommen hat, durfte er noch nicht verraten. Nur so viel: Es sei eine "tragende Nebenrolle".

Eine vierköpfige Live-Band sorgt bei der Aufführung für die musikalische Gestaltung. Dabei werden Gitarre, Bass, Flöte, ein Glockenspiel und der Gesang von Vivian Zastrow die Hauptrollen spielen.

Das Projekt Theaterwerkstatt Haus Freudenberg besteht seit fünf Jahren. Initiatorin ist Anna Zimmermann-Hacks. "Die Ursprünge aber liegen 15 Jahre zurück", berichtet Teammitglied Felix Pickers, "wir haben uns von Raum zu Raum gearbeitet, hatten 2500 Besucher in vier Vorstellungen."

Schauspielerin Franziska Pickers weist darauf hin, dass hinter den 42 Schauspielern noch einmal etwa die gleiche Anzahl Menschen steht, die im Hintergrund für die gesamte Organisation sorgen.

(ath)
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