Flüstersitzung der Vrouwenpoort in Goch, Verleihung Doktorwürde

Karneval: Flüstersitzung und „Frau Doktor Bütt“

Die Flüstersitzung der Vrouwenpoort im Poorte Jäntje war mit 120 Gästen und buntem Programm ein voller Erfolg. Feierlich wurde Marita van de Kamp mit dem „Doktor Humoris“ ausgezeichnet.

Der Gocher Karneval ist im zweiten Flüstersitzungsjahr. Nachdem die Pumpengemeinschaft Vrouwenpoort 2018 das Sitzungsformat ohne Technik, Verstärker und Mikrofone erfolgreich von Köln nach Goch importiert hatte, konnte Sitzungspräsident Heiner Terbuyken jetzt in der ersten Flüstersitzung der aktuellen Session feststellen: „Wir haben nichts falsch gemacht.“ 120 Gäste waren in die Gocher Narrenburg, das Poorte Jäntje, gekommen. Das fünfstündige Programm unterhielt die Narren mit abwechslungsreichen Büttenreden und handgemachter Live-Musik. Viel Fröhlichkeit auf engem Raum schuf eine Atmosphäre, die alle begeisterte.

„Wenn Holland nicht wär, läge Goch am Meer“ – so lautete das Motto der Sitzung, und so sang auch Günther Hemmers vom Kolping Karnevals Komitee. Begleitet wurde er von Klara Achten am Akkordeon. Die Uedemerin hatte auch schon bei der ersten Ausgabe der Flüstersitzung im letzten Jahr mit ihrem Instrument ein ganzes Tusch-Orchester ersetzt. Immer wieder stimmte das Publikum textsicher mit ein.

Die erste Bütt übernahm der Gocher „Zeitungsjunge“ alias Jörg Lang. Er hatte wie gewohnt das Geschehen in der Welt und in der Weberstadt ein Jahr lang beobachtet und musste wie so oft feststellen, dass es wenig „zu lachen“ und „viel Mist“ gab. Gestiegene Beerdigungskosten, das Bauvorhaben am Kolpingplatz und die unsichere Zukunft des Kolpinghauses waren nur einige seiner Themen. Die Zeit zwischen den Auftritten der Akteure würzte Heiner Terbuyken mit vielen Witzen, die oft auch durch spontane Zwischenrufe aus dem Publikum ergänzt wurden.

Als „Mann mit Hut“ kam Rob Miesen in die Bütt, Urgestein des Karnevals, Dozent der Narrenakademie der Vrouwenpoort und geborener Erzähler. Allein mit Stimme und Redestil faszinierte er alle sofort. Der grenzüberschreitende Redner begeisterte auch mit orangefarbener Kappe und erklärte: „Wenn Holland nicht wär, gäbe es weniger Witze, keinen billigen Kaffee und keine gute Butter“, und so stimmten alle mit ein, dass es „gut ist, dass es auch Holland gibt“.

Sein Debüt in der Bütt absolvierte mit Bravour David Steinert als „Schlafmütze“ mit recht ausgeschlafenen Ansichten.

Als Höhepunkt der Sitzung folgte die feierliche Verleihung des „Doktor Humoris Vrouwenpoortius“ an Büttenrednerin Marita van de Kamp. Sitzungspräsident Terbuyken trug bei seiner Laudatio ihr zu Ehren einen blauen Mantel, weil dieser ihr „Markenzeichen“ war. Er nannte sie „eine echte Marke“, einzigartig, mit unwiderstehlichem Humor und dankte ihr für „die wunderbaren Zeiten des Frohsinns“. Marita van de Kamp ist die 27. Trägerin der Auszeichnung, die die Vrouwenpoort seit 1969 für besondere Verdienste um Brauchtum und Frohsinn verleiht. Sie selbst, die bereits vor neun Jahren ihre karnevalistische Karriere beendete, zeigte darauf noch einmal, dass ihr der Humor angeboren ist. Meisterhaft bewies sie als „Doktor Bütt“ den richtigen Blick auf die menschlichen Eigenarten, witzelte über das Altern und gewann wie in „alten Zeiten“ mit frechem Charme das Publikum. Stehender Applaus und Ecki Beniers vom Gocher Musikverein, der mit seiner Trompete das „Abschiedslied“ spielend zu ihr kam, ehrten die Komödiantin und, sie konnte Tränen der Rührung nicht verbergen.

Aus Platzgründen fehlten im Programm einzig die Tänze, dafür gab es zündende Live-Musik von der Kolping-Band „K6“, die an diesem Tag aus acht Musikern bestand. Die Neulinge Norbert Peters und Alex Bernatzki ersetzen demnächst Ulrich Papen und Jörg Matenaers. Darauf wurde es richtig eng im Poorte, denn es hielt Einzug die Prinzengarde des KCC, begleitet vom Spielmannszug der Feuerwehr. Prinz Christian II. begrüßte die Narren im „schmucken Bau“ und lobte das Format der Flüstersitzung. „Das ist bodenständiger Karneval und Tradition, die wir gerne pflegen“, sagte er. Auch Prinzessin Lisa II. zollte Heiner Terbuyken Respekt, die Sitzung ohne Mikro zu leiten und zeigte sich begeistert von der besonderen Stimmung.

Schöne Akzente in der Bütt setzten abschließend dann noch Christian Poell als „Kölscher Vrouwenpoortler“ und Achim Verrieth als „Ene arme Sau“.

Mehr von RP ONLINE