1. NRW
  2. Städte
  3. Goch

Experten untersuchen Material zu Wolf in Goch

Nach Sichtung eines Tieres in Nierswalde : Tötungsverbot verstärkt Debatte um Wolf

Nach der mutmaßlichen Sichtung eines Tieres in Nierswalde laufen die Untersuchungen der Experten. Die Frage ist vor allem, woher das Raubtier kam.

War in der Region tatsächlich ein Wolf unterwegs? Diese Frage beschäftigt vor allem die Schafhalter in Goch und Weeze. Wie berichtet, hatte Richard Dittrich in Nierswalde ein Tier fotografiert. Der Jäger ist absolut überzeugt, dass es sich dabei um einen Wolf handelt. Die Züchter sind beunruhigt, und es gibt die Mahnung an alle, jetzt besonders darauf zu achten, dass die Zäune hoch genug und gesichert sind. Ob es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelt, sei noch völlig offen, so Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Man habe noch mehr Fotomaterial bekommen, das werde aktuell ausgewertet. Das Lanuv hat auch die Experten vom Lupus-Institut in Sachsen eingeschaltet. Doch noch würden die Ergebnisse ausstehen, mit denen sei frühestens in der nächsten Woche zu rechnen.

Angesichts einer möglichen Wolfssichtung im linksrheinischen Teil des Kreises Kleve haben viele auch mit Interesse verfolgt, dass jetzt aus dem Wolfsgebiet in Schermbeck erneut die Initiative kam, Problem-Wölfe zu entnehmen. Also zu töten. Hintergrund: Es ist inzwischen nachgewiesen, dass Wölfe auch mehrere Ponys angegriffen haben.

  • In Mehr stehen Schafe auf dem
    Diskussion um Kampf gegen das Raubtier : Warum man den Wolf nicht töten darf
  • War es ein Wolf oder doch
    Rudel tappt in Fotofalle : Wolf oder Husky? Frau entdeckt in Hünxe Tier im Carport
  • In Sonbeck hat vermutlich ein Wolf
    Schäfer gehen von Wolf aus : Trächtiges Schaf in Sonsbeck gerissen

Die räumliche und zeitliche Häufung der Übergriffe auf Kleinpferde hat das Umweltministerium veranlasst, die Lage im Wolfsgebiet noch einmal genau zu prüfen. Es ging dabei vor allem um die Frage der Verhaltensauffälligkeit und um die damit verbundene Entnahme.

Das dazu kurzfristig in Auftrag gegebene Rechtsgutachten liegt jetzt vor und kommt zu dem Ergebnis, dass „davon ausgegangen werden (kann), dass zumutbare Alternativen zur Tötung der Wölfin bezeihungsweise des Rudels vorhanden sind, sodass auch diese Voraussetzung für die Erteilung einer Ausnahme gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz nicht erfüllt ist“. Damit wäre das Töten von Wölfen im Wolfsgebiet auch aktuell weiterhin nicht rechtssicher möglich.

Das Gutachten bestätigt somit den Tenor des Urteils des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts vom 6. Mai 2021. Zumutbare Alternativen seien Herdenschutzmaßnahmen wie der Bau oder die Nachrüstung einer wolfsabweisenden Zäunung, nächtliches Aufstallen oder der Einsatz von Herdenschutzhunden. Die Landesregierung will künftig auch die Halter von Kleinpferden finanziell dabei unterstützen, ihre Tiere besser vor Wolfsübergriffen zu schützen.

Die Entscheidung wird auch in der Region für viel Gesprächsstoff sorgen, weil mancher mutmaßt, dass der Wolf aus Nierswalde ein Nachkomme der Niederrheinwölfin Gloria sein könnte. Denkbar ist aber auch, dass er aus den Niederlanden kommt. Hier waren schon öfter Wölfe gesichtet worden. Aktuell sei ohnehin die Zeit, in der Wölfe auf Wanderschaft seien, hatte ein Vertreter der Schafhalter erläutert. Dass es sich bei dem Wolf in Nierswalde um einen Nachkommen von Gloria handle, sei momentan noch reine Mutmaßung, so Birgit Kaiser de Garcia. „Bislang liegen uns nur Fotos vor, und anhand der Bilder ist vielleicht später zu erkennen, dass es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat. Doch für Hinweise auf seine Herkunft bräuchten wir DNA-Material“, so die Sprecherin des Lanuv.