Ex-Umweltministerin Barbara Hendricks zu Gast bei Uedemer Landwirt

Uedem : Barbara Hendricks ist Patin für Bienenweide

Landwirt Jochen Kanders hat mehr als drei Hektar zur Bienenweide umfunktioniert. Für 25 Euro im Jahr kann man in Uedem Pate werden.

Alles begann vor fünf Monaten auf Ebay Kleinanzeigen. Der Uedemer Landwirt Jochen Kanders bot dort eine ganz besondere Ware an: eine Patenschaft für 100 Quadratmeter Bienenweide, Kostenpunkt 25 Euro im Jahr. Seither haben insgesamt 150 Menschen aus dem Kreis Kleve und auch von weiter her eine solche Patenschaft übernommen.

Jochen Kanders hat auf 28.000 Quadratmetern die Saatmischung für Kornblumen, Ringelblumen, Phacelia, Klee, Dill und viele andere blühende Pflanzen eingebracht, die Bienen und auch andere Insekten lieben. Prominente neue Patin für 400 Quadratmeter Bienenweide wurde jetzt die Kreis Klever Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks (SPD). „Wir haben nur beschränkt Möglichkeiten etwas für die Natur zu tun, wenn wir nur einen kleinen oder gar keinen Garten haben. Mit einer solchen Patenschaft kann man aber sehr viel für die Umwelt tun“, so die Politikerin, die bis 2018 als Bundesumweltministerin tätig war.

Im Vergleich mit dem hohen Nutzen für die Insekten sei es ein relativ geringer Geldbetrag, sagte sie. Jochen Kanders hat ausgerechnet, dass jeder Blüh-Pate genau 7 Cent am Tag für die von ihm gepachtete Fläche ausgibt. Er selbst kam schon vor etwa vier Jahren eher zufällig auf die Idee, etwa einen bis anderthalb Hektar seiner Nutzfläche als Blühwiese anzulegen. „Ich weiß noch, wie erstaunt ich war, als ich feststellte, was in so einer Bienenweide so alles summt und brummt und kreucht und fleucht“, erinnert sich Kanders.

Auch den Feldsperling hat er schon gesichtet in der Wiese. Weiter sei die Anlage auch nützlich für Niederwild wie Feldhase, Fasan und Rebhuhn, die sich dort verstecken können. Die Inspiration zu der erwähnten Kleinanzeige kam ihm durch das bayerische Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und den dortigen  Berufskollegen Peter Bodendörfer, der als erster Patenschaften für Blühwiesen auf Ebay Kleinanzeigen anbot. Kanders freut sich, dass auch sein Angebot bereits von vielen Menschen genutzt wird. Darunter auch eine Gruppe des Pfadfinder-Trupps Elefanten aus Emmerich, die im März einen Spendenlauf organisierten, der die Patenschaft für 2000 Quadratmeter sichern konnte. Weiter gründete sich eine Facebook-Gruppe „Patengruppe Bienenweide Uedem“. „Ich hätte nicht gedacht, welche Dynamik das Ganze annehmen sollte“, so Kanders. Er selbst setzt nicht nur Teile seiner Nutzflächen ein, auch seine Arbeitszeit. Das Feld musste vorbereitet werden für die spezielle Saat, im Februar wird es regelmäßig gemulcht. Hinzu kommt die Arbeit am PC für Werbung und Pflege der Homepage. Dass die Bienenweide wirtschaftlich in Konkurrenz zu den anderen Feldfrüchten wie Weizen, Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben steht, verschweigt der Landwirt nicht.

„Am Ende des Tages muss ich auch meine Familie ernähren“, sagte er in diesem Frühjahr im Interview mit der Aktuellen Stunde im WDR-Fernsehen. Auch die Bienenweide müsse sich rechnen und dürfe kein Verlustgeschäft sein. Für die Natur aber sei es in jedem Fall ein Gewinn: kein Mineraldünger, keine Gülle, keine chemischen Pflanzenschutzmittel, und jede Menge Insekten, die sich wohl fühlen.

Barbara Hendricks ist überzeugt, dass es im Kreis Kleve sicher noch mehr als 150 Menschen gibt, die gerne 7 Cent pro Tag für Artenvielfalt und eine natürliche Umwelt ausgeben.

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