Elten: Der innovative Arbeitsschuh aus Uedem

Uedem : Der innovative Arbeitsschuh aus Uedem

Die „Sommertour Innovation“ der Kreis-Wirtschaftsförderung machte Station bei Elten in Uedem. Der Hersteller von Sicherheitsschuhen schafft den Spagat aus praxistauglichem und individuellem Schuh – und zwar Made in Germany.

Müllcontainer aus dunklen Berliner Hinterhöfen zu ziehen, stellt die Stadtreinigung vor Probleme: Die Männer könnten über Gegenstände stürzen, sich Nägel in die Füße treten, auf irgend etwas ausrutschen. Besser, sie tragen Sicherheitsschuhe, und am allerbesten, diese „denken“ auch noch mit. Leuchten vielleicht den Boden vor ihnen aus oder warnen, wenn sich eine Gefahrenstelle nähert. Die jüngste Generation Arbeitsschuhe wird in der „Innovationsbox“ des Unternehmens Elten an der Molkereistraße präsentiert. Und hat ebenso ihre Relevanz wie die Serienproduktion wenige hundert Meter entfernt am Ostwall. „Unsere Schuhe sehen zwar oft cool aus, müssen aber vor allem praxistauglich sein“, sagt Geschäftsführer Heiner van Elten. Bei einer Betriebsführung zeigte er, wie das alteingesessene Unternehmen heute aufgestellt ist. Selbst Bürgermeister Rainer Weber, der mit der Firma nicht zuletzt durch Bauvoranfragen regelmäßig zu tun hat, lernte dabei noch Neues.

„Opa“ Johann van Elten hatte ab 1910 in Uedem Lederschuhe gefertigt. Familienunternehmen ist Elten bis heute, und „Made in Germany“ bedeutet für die heutigen Chefs Heiner und Jörg van Elten (Cousins) ein echtes Bekenntnis. Wenn ein kleinerer Teil der Fertigung auch in der Slowakei stattfindet: Die Firmenzentrale bleibt in Uedem. Produziert werden pro Jahr von 320 Mitarbeitern etwa 2,7 Millionen Paar Schuhe, rund zwei Millionen davon in Uedem. Genehmigungen für einen neuen Verwaltungstrakt und ein Logistikgebäude im Industriegebiet liegen vor. „Eine 22 Meter hohe Halle gibt es in der Umgebung bisher nicht“, sagt der Bürgermeister, der diesem Antrag aber gerne stattgegeben hat. Weil Elten eben ein „spannendes und innovatives Unternehmen ist, dem wir immer gerne helfen“.

Derzeit können sich Heiner van Elten und sein Team nicht beklagen: Die Auftragslage ist gut, die modernen Produkte, die manchen Branchenpreis erzielen, überzeugen. Es gibt Schuhe mit Stahlkappe, auf dem Bau werden weiterhin gerne Arbeitsschuhe mit metallener Sohle getragen. Für Dämpfung sorgt eine Schicht, die von Markensportschuhen bekannt ist und auf einem Keil von Plastikkügelchen basiert. Die aufwendige Oberflächenverarbeitung sorgt dafür, dass die meisten Modelle von widerstandsfähigen  Alltagsschuhen kaum zu unterscheiden sind. Dennoch wird je nach Bedarf mal die Sohle, mal die Zehenregion, mal das Fußgelenk geschont.

„Smarte“ Lösungen für Sicherheitsschuhe sind das aktuellste Thema. Integrierte elektronische Elemente, zu steuern per Schalter oder eine App auf dem Handy befinden sich schon in der Testphase: Müllmänner, Katastrophenhelfer, Waldarbeiter und viele andere Leute, die sich leicht an den Füßen verletzten können, probieren die Innovationen derzeit aus. Mitarbeiter Alexander Terhorst, der in der „Innovationsbox“ die Neuentwicklungen vorstellt, zeigt Stiefel, die über ein Heizelement gegen kalte Zehen verfügen oder sogar solche, die Alarm auslösen, wenn sich jemand in einer unüblichen Position befindet. „Stellen Sie sich vor, jemand ist stundenlang alleine in der Gondel eines Windrades, er verliert das Bewusstsein – dann meldet der Schuh, dass derjenige auf dem Boden liegt und man kann Hilfe schicken muss.“ Oder – ganz furchtbare Vorstellung – der Mitarbeiter eines Müllentsorgers fällt aufs Band, das sich Richtung Schredderer bewegt, wird ohnmächtig. „Da gibt es immer wieder Todesfälle, die sich wahrscheinlich vermeiden lassen, wenn der Sturz sofort bemerkt wird und man die Maschine stoppen kann.“ Selbst solche Extreme außer acht gelassen sind Füße wie die Menschen, zu denen sie gehören, sehr individuell. Und deshalb gibt es unzählige Varianten von Schuhformen und Ausstattungen bei Elten.

Bevor die Modelle in Serie gehen, werden Prototypen angefertigt: ganz handwerklich, Leder wird geschnitten, Näherinnen steppen. . Foto: Evers, Gottfried (eve)

Bevor die Modelle in Serie gehen, werden Prototypen angefertigt: ganz handwerklich, Leder wird geschnitten, Näherinnen steppen. Aber es gibt eben auch modernste Roboter.

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