Goch: Einkaufen an der Pfalzdorfer Straße

Goch : Einkaufen an der Pfalzdorfer Straße

Neu im fortgeschriebenen Einzelhandelsgutachten für die Stadt Goch ist die Erkenntnis, dass die Bewohner von "Neu-See-Land" und die Bürger, die "hinter der Bahn" wohnen, ein Nahversorgungszentrum benötigen.

Neubaugebiete in einer Stadt verändern Vieles. Ganz oben steht für (Neu-)Bürger oft die Frage: Wo gehe ich einkaufen? Und kann man die Geschäfte auch zu Fuß erreichen? In der Gocher Ratssitzung ging es jetzt um die "Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts". Die Frage, wo welche Branchen angesiedelt sein sollten, hat auch damit zu tun, wo Menschen zukünftig wohnen. Im Fall Goch zum Beispiel im Neu-See-Land, dem ehemaligen Kasernengebiet. Ein Beschlussvorschlag zum Thema lag in der letzten Sitzung des Gocher Rates vor, ihm wurde einstimmig zugestimmt. An der Pfalzdorfer Straße nahe des Kindergartens "Nierspiraten" soll demnach in Zukunft eingekauft werden können. Zumindest Lebensmittel. Welcher Discounter das ist - darüber sagt die Stadt noch nichts.

Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung in Köln erläuterte das Gutachten, das in den vergangenen Monaten entstand und im Auftrag der Stadt die Einzelhandelssituation in Goch genau analysiert. Als wichtigste Veränderungen der vergangenen fünf Jahre nannte Lehnerdt den Zuwachs der Verkaufsflächen um zehn Prozent, eine Verbesserung der Relation von Kaufkraft und Umsatz und die Tatsache, dass wenig kleine Einzelhandelsbetriebe hinzugekommen seien. Die Zahl der großen Märkte sei leicht gestiegen. Dies sei ein bundesweiter Trend, ebenso wie der Rückgang beim Verkauf von Kleidung und Schuhen, weil immer mehr Menschen diese bei Internet-Händlern bestellen.

"Die Innenstadt in Goch ist immer noch dominierend, der nördliche Teil schwächer und das Verkaufszentrum in Pfalzdorf unverändert", so der Sachverständige. Der Süden und Westen der Stadt seien Fachmarktstandorte. Durch Neu-See-Land, das neue Wohngebiet an der Pfalzdorfer Straße, ergebe sich der Bedarf für eine wohnortnahe Versorgung. Dies wurde in den Beschlussvorschlag aufgenommen, in dem auch formuliert ist, dass bei der Ansiedlung großer Einzelhandelsmärkte darauf geachtet werden sollte, dass diese sich nicht negativ auf die Hauptversorgungszentren auswirken. Auch Jörg Lehnerdt betonte in seiner Empfehlung, die Hierarchie zwischen Haupt- und Nebenzentren müsse eingehalten werden.

In der Sitzung wurden noch weitere Beschlüsse gefasst, darunter die Stellungnahme der Stadt Goch zum dritten Beteiligungsverfahren am "Regionalplan Düsseldorf" der den Bau von Windrädern im Bereich Goch-Nierswalde vorsieht. Die Stadt Goch äußerte hier - wie auch im vorangegangenen Beteiligungsverfahren - Bedenken. Die Ratsmitglieder beschlossen die entsprechende Drucksache einstimmig.

Diskutiert wurde außerdem ein Antrag der ZIG-Fraktion zur Aufwandsentschädigung für Ausschussvorsitzende. Die Vorsitzenden erhalten eine Entschädigung von etwa 300 Euro pro Monat. "Oft steht der tatsächliche Aufwand in keinem Verhältnis zu der gezahlten Entschädigung. Manche Vorsitzende haben nur zwei Mal pro Jahr eine Sitzung", erläuterte Fraktionsmitglied Ludwig Kade und bezeichnete die Zahlungen als verschwenderisch. Friedrich-Wilhelm Ratsak (SPD) merkte an, dass unter Aufwand nicht nur die eigentliche Sitzung, sondern auch Vorbereitung und Beschäftigung mit der Thematik zu verstehen sei. "Es sollte keine Ausschüsse erster und zweiter Klasse geben", sagte er. Über den Antrag wurde eine längere Auseinandersetzung geführt, an der sich Mitglieder aller Fraktionen beteiligten.

Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit 21 zu 14 Stimmen abgelehnt.

(ath)
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