Goch-Asperden: Eine Nonne führt durchs Gut Graefenthal

Goch-Asperden : Eine Nonne führt durchs Gut Graefenthal

Mit Liebe zum Detail erweitert die Stadt Goch ihre Themenführungen auf Gut Graefenthal. Unter dem Titel "Im Tal der Grafen" liegt der Fokus auf dem einfachen Leben der Zisterzienserinnen. Ein erster Besuch.

Walburga Schneider alias Schwester Franziska Maria empfängt ihre Gäste am Gutstor. Ihr schwarz-weißer Habit weht im Wind. Eigentlich ist Walburga Schneider keine Nonne, sondern Stadtführerin bei der Stadt Goch. Doch für die neue Führung "Im Tal der Grafen" schlüpft sie in die schwarz-weiße Robe der Zisterzienserinnen. "Heute darf ich ausnahmsweise mit Ihnen schwatzen, normalerweise bin ich an mein Schweigegelübde gebunden", erzählt Walburga Schneider, ganz in ihrer Rolle als Schwester Franziska Maria.

Die neue Themenführung der Tourist Info der Stadt Goch führt ihre Besucher durch das Gut Graefenthal – mit einem besonderen Fokus auf dem einfachen Leben der Ordensschwestern Anfang des 16. Jahrhunderts. So erzählt Schwester Franziska Maria vom damaligen Klosterleben: Aus der Tradition des Benediktinerordens heraus geboren, lebten die Zisterzienser ebenfalls nach dem bekannten Leitspruch "Ora et labora (et lege)" – "Bete und arbeite (und lies)".

An diesem Morgen scheint die Sonne auf das Gut Graefenthal. Bei ihrer Führung kreuzen einige Hühner den Weg von Schwester Franziska Maria. "Wir dürfen nur zweibeinige Tiere essen", erklärt sie und zückt eine grüne Kladde. Auf einigen Grafiken zeigt Walburga Schneider, wie das ehemalige Klostergelände zu Zeiten der Ordensschwestern ausgesehen hat. Zugegeben, ein bisschen Fantasie müssen die Besucher hier schon an den Tag legen, denn an viele der alten Bauten erinnern nur noch kleine Überbleibsel. Die Geschichte kommt trotzdem nicht zu kurz: Beispielsweise bauten die Zisterzienser einen Kanal als Abzweigung der Niers. Der Kanal führte unter der damaligen Brauerei hindurch, die wie bei den meisten Klöstern jener Zeit ein fester Bestandteil war. Durch den unterirdischen Kanal schöpften die Mönche Wasser für das Bierbrauen und angelten Fische. Der Kanal mündete dann mit einem kleinen Umweg um das Kloster wieder in der Niers.

Vor der damaligen Klausur liegt das Hochgrab von Graf Otto II., der 1248 das Zisterzienserkloster auf Zureden seiner Frau als Jungfrauenkonvent des Zisterzienserordens gestiftet hat. Im Inneren zeigt Walburga Schneider ihren Besuchern die Klosterwelt hautnah. Über den Kreuzgang geht es ins Refektorium, dem Speiseraum. Im Kamin knistert ein Feuer. Teller, Tassen und Besteck sind aus Ton, so wie es damals gängig war. Und auch Mahlzeiten wie Bierbrot und Kräuteromelette warten auf die Besucher. Es ist die Liebe zum Detail, die die neue Themenführung besonders macht. Vor allem aber liegt das an Walburga Schneider, die seit 13 Jahren für die Stadt Goch als Stadtführerin unterwegs ist. Ihre Liebe zur Geschichte verpackt sie immer wieder gekonnt in kleine Anekdoten über das Klosterleben. "Es ist ein bezahltes Hobby", sagt sie.

Die neue Themenführung beginnt am Freitag, 27. September, und dauert jeweils gut eine Stunde (siehe auch Info-Kasten).

(RP)