Goch: Eine Chance für jedes Kind

Goch: Eine Chance für jedes Kind

Was jetzt überall Standard werden soll, das funktioniert an der St.-Georg-Schule in Goch schon lange – und mit viel Engagement: Inklusion. Kinder mit Behinderung oder Defiziten sind voll in den "normalen" Unterricht einbezogen.

Was jetzt überall Standard werden soll, das funktioniert an der St.-Georg-Schule in Goch schon lange — und mit viel Engagement: Inklusion. Kinder mit Behinderung oder Defiziten sind voll in den "normalen" Unterricht einbezogen.

Am besten, sagt Karla Groschang, wäre der Unterricht, "wenn Ihnen als Beobachter gar nichts Besonderes auffällt". Selbstverständlichkeit eben. Damit er diese Selbstverständlichkeit hat, der "GU", der besagte gemeinsame Unterricht, erfordert es nicht nur eine sorgfältige Vorbereitung — es erforderte auch viel eigenes Lernen. "Denn wir an der St.-Georg-Schule machen nun ja schon seit zwei Jahrzehnten das, was jetzt unter dem Stichwort Inklusion in aller Munde ist", sagt Lehrer Uwe Hasselmann.

Integration klappt

Erfahrungen, Erkenntnisse. Sie kamen und reiften, seitdem vor zwei Jahrzehnten ein erstes, in diesem Falle sehbehindertes Kind in den "ganz normalen Klassenverband" aufgenommen, integriert wurde. Später, so Karla Groschang, ebenfalls Lehrerin an der Grundschule, seien Kinder mit Sprachbehinderungen hinzugekommen, Schüler mit Körperbehinderungen, mit Störungen der emotionalen und sozialen, auch der geistigen Entwicklung. Die Integration klappt (weil die Vorarbeit stimmt) so gut, dass Karla Groschang voller Stolz sagt: "Ich habe nun auch ein Mädchen mit Down-Syndrom in meiner Klasse. Und der Unterricht bringt ihm unendlich viel."

Erfolge, die stolz machen. Und die so etwas wie "Doping" sind. Denn die Anforderungen an das gesamte Kollegium sind hoch. Welche Kinder werden aufgenommen, für welche ist es sinnvoll, diese Grundschule zu besuchen, welche sollten dann doch besser an einer Förderschule beginnen? Wie werden die Kinder unterrichtet? Zielgleich oder zieldifferent? Einer der entscheidenden Unterschiede. Gleichmacherei im negativen Sinne, die gibt es nämlich nicht.

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Karla Groschang: "Zieldifferent bedeutet: Wir nehmen die Kinder, die beispielsweise zusätzlichen Förderbedarf haben, im ,ganz normalen Unterricht' mit — aber es wird nicht von ihnen erwartet, dass sie, wie man früher sagte, ,mitkommen'." Nur beim eigentlichen Unterrichtsstoff wird differenziert. Kinder, die gut sind, langweilen sich nicht, weil nicht "extra langsam" gearbeitet wird. Schüler, die mehr Zeit brauchen oder nicht alles erfassen können, werden dennoch nicht überfordert. Es allen recht zu machen, jedes Kind nach seinen Fähigkeiten zu bilden und zu fördern — diese Differenzierung macht die Kunst aus.

Und dabei, so Hasselmann, bedeute "Inklusion ganz viel Kommunikation". Die ständige enge Zusammenarbeit mit den beiden an der Schule beschäftigten Sonderpädagogen mit dem gesamten Kollegium, auch mit den Eltern ist gleichsam Pflicht. Und wenn die Jungen und Mädchen die Grundschule verlassen, dann endet sie noch nicht.

Der nächste Schritt

Denn nun wird der nächste Schritt umgesetzt: Auf die Grundschule folgt nicht mehr "automatisch" der Besuch der Förderschule. An der Gustav-Adolf-Hauptschule wird es künftig ebenfalls Gemeinschaftlichen Unterricht geben — für Kinder aus der 4. Klasse von St. Georg zum Beispiel.

(RP)
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