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Goch: Ein Ozean auf Rädern

Goch : Ein Ozean auf Rädern

Das rollende Meer von Puppenspieler Heinz Bömler macht seit gestern bei der Firma Nähr-Engel GmbH in Goch Station. Hier hilft es vorübergehend bei der Abwasserbeseitigung.

Ein Meer geht auf Reisen. In diesem Fall hat es der fahrbare Ozean nicht weit: Rund sieben Kilometer gilt es von der Viller Mühle in Kessel bis zur Nähr-Engel GmbH an der Klever Straße in Goch zu bewältigen, dank der alten Magirus-Deutz Saturn-Zugmaschine aus dem Jahre 1967 ein müheloses Unterfangen. Am Ziel wird das rollende Meer aus dem reichhaltigen Fundus von Puppenspieler Heinz Bömler allerdings nicht zur Erfrischung der Mitarbeiter eingesetzt, sondern dient ausnahmsweise ganz anderen Zwecken.

"Wir mussten sehr kurzfristig einen Tank für Abwässer haben, um diese weiter aufzubereiten", erklärte gestern Anton van den Boom, Geschäftsführender Gesellschafter bei Nähr-Engel. "Und das war die schnellste Möglichkeit." Grund sei eine höhere CSB-Belastung (chemischer Sauerstoffbedarf) für das Einleiterwasser beim Gocher Klärwerk des Niersverbandes. Die eigenen Mengen seien seit Jahren konstant, aber die Anzahl der Zulieferer im größer werdenden Goch habe zugenommen. Als größter Einleiter habe man sich deshalb zwecks Entlastung zusammen mit dem Niersverband zu dieser kurzfristigen Lösung entschlossen.

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25 Kubikmeter pro Tag

"Was wir in dem rollenden Meer sammeln – 25 Kubikmeter pro Tag – wird vom Verband abgeholt und vorübergehend in einem anderen Klärwerk entsorgt", erläuterte van den Boom weiter. "Wir selbst werden im Rahmen eines 400 000 Euro umfassenden Investitionsprogrammes auch an einer weiteren Reduzierung der CSB-Last arbeiten."

Die beiden Strandkörbe, Schwimmflügel, die mobile Garderobe – mit Vorhang –, Rettungsringe und Flossen werden da natürlich nicht gebraucht, gehören aber eigentlich zur Grundausstattung des rollenden Meeres. Bei dem handelt es sich eigentlich um einen alten Tankwagen aus der Nähe von Osnabrück, den Heinz Bömler vor mehr als drei Jahren im Internet entdeckte. "Da hatte ich die Idee fürs Meer schon im Kopf: Ich wollte etwas haben, was niemand braucht."

Stehen und Schwimmen

Aus dem "Molke-Tanker", Jahrgang 1952, wurde durch Umbau ein mobiler Ozean, der 24 000 Liter fasst, wahlweise gesalzen oder ungesalzen. Mit einer Wasserhöhe von 92,8 Zentimetern ist er zum Stehen und Schwimmen gleichermaßen geeignet und verfügt zudem über einen kleinen Turm mit Aufsichtsplattform. Der Gedanke selbst war Bömler übrigens erstmals im Stau gekommen: Unterwegs nach Katwijk wäre ihm ein fahrbares Meer auf der Straße doch sehr entgegen gekommen. Inzwischen ist es schon schön herumgekommen, war beispielsweise auf der Niederrheinischen Touristik- und Freizeitmesse in Rheinberg zu Gast, hat auf diversen Geburtstagen geplätschert und der Firma Stör in Utrecht zur Vorführung des gleichnamigen Fisches gedient.

Gefüllt wird das rollende Meer in der Regel mit Hilfe der Feuerwehr gleich vor Ort. "Man kann nicht während der Fahrt schwimmen", sagt Heinz Bömler.

Weil's Meer unterwegs so gerne überschwappt . . .

(RP)