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Goch: Ein Mann — zwei "Zuhause"

Goch : Ein Mann — zwei "Zuhause"

Pawel Zalewski, Sportlehrer an der Gaesdonck in Goch, dachte für ein Video über seine Lebensgeschichte nach. In Polen aufgewachsen, nun (auch) am Niederrhein beheimatet: Wo ist "Zuhause"? Zalewski sagt: "Ich habe zwei!"

Eins steht jetzt fest für ihn: "Ich bin kein Schauspieler", sagt Pawel Zalewski. "Es gab einige Text- abschnitte, bei denen ich überhaupt nicht vorwärts kam — und die anderen auch nicht. Aber toll war es trotzdem!" Toll — das waren die Filmaufnahmen, die Pawel Zalewski und "seine" fünfte Klasse der Gaesdonck in der Schwimmhalle des Collegiums Augustinianum zeigen. Fürs Fernsehen nicht, aber für eine Internetseite des Kreises Kleve. Auf integration.kreis-kleve.de gibt es viele Informationen für Neubürger. Und es gibt Podcasts, kleine Videos, produziert fürs Internet, die zeigen, wie Menschen sich eingelebt haben, die teils von weit her gekommen sind.

Am Anfang Gelegenheitsjobs

Gut eingelebt! Pawel Zalewski, einer von drei Söhnen einer Warschauer Familie, gilt da als ein gelungenes Beispiel. Warum das so ist, zeigt die Geschichte, die Zalewski, engagierter Sportlehrer an der Gaesdonck in Goch, erzählte: Die "Neugier auf die restliche Welt" habe ihn gepackt, nachdem er in Warschau sein Studium mit einem "Magister für Leibeserziehung" abgeschlossen habe. "1984 habe ich Warschau verlassen und bin zu meinem Bruder gezogen, der damals schon in Kleve lebte. Die ersten Eindrücke von Deutschland waren positiv!" Zalewski lernte Deutsch, schlug sich zunächst einmal mit kleinen Gelegenheits-Jobs durch. Aber seine Ausbildung als Sportlehrer brachte schnell Kontakte zu Klever Fußballclubs, wo Zalewski rasch Betreuer für medizinische Fragen wurde. "Trotz vieler Bemühungen fehlte mir aber eine echte berufliche Perspektive in Deutschland", erinnert sich Zalewski für das Video. "Nach fünf Jahren, mittlerweile war ich verheiratet und unser Sohn Lukas geboren, wollte ich mit meiner Familie zurück nach Polen."

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Die Koffer seien tatsächlich schon gepackt gewesen, einiges vom Hausrat bereits in die Heimat gebracht — "da bekam ich das Angebot, am privaten Gymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck als Sportlehrer zu arbeiten. Für mich war das die größte Herausforderung bei meiner Integration in die deutsche Gesellschaft: selbstbewusst zu bleiben und mich nicht schlechter zu fühlen, weil ich aus einem anderen Land komme", sagt Zalewski. "Ich denke, es ist wichtig, den Menschen ohne Vorurteile zu begegnen und mit offenen Augen — und Herzen! — durch die Welt zu gehen."

Das neue "Zuhauseland"

Nicht nur Anpassung, sondern durchaus der Gedanke, mit der eigenen Kultur die Menschen im neuen "Zuhauseland" bereichern zu wollen: Dazu gehört für ihn, dass er sich im deutsch-polnischen Austausch einbringt. "Ich hoffe, dass davon viele Menschen profitieren können!" Wenn er sie ansteckt mit seiner Begeisterung, bestimmt. Zalewski sagt es mit spürbarer Überzeugung: "Ich selber fühle mich heute in Deutschland und in Polen zuhause!"

(RP)