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Goch: Ein Grabmal für fehlgeborene Kinder

Goch : Ein Grabmal für fehlgeborene Kinder

Idee des Pfarrgemeinderats von St. Marien wird umgesetzt: Eltern von Kindern, die tot zur Welt kamen, sollen einen Ort für ihre Trauer finden. Steinmetz Wollweber arbeitet an der Gedenkstätte. Die Religionszughörigkeit ist unerheblich.

Um dieses Thema machen die meisten Menschen vermutlich lieber einen großen Bogen: totgeborene Kinder. Doch es kommt vor, dass eine Schwangerschaft eben nicht gut ausgeht. Mit fehlgeborenen Kindern, die das Licht der Welt noch nicht gesehen haben, wurde lange Zeit nicht besonders würdig umgegangen. Weil viele Eltern das Bedürfnis haben, sich in angemessener Weise von ihrem Kind zu verabschieden, soll es in Kevelaer künftig eine besondere Grab- und Gedenkstätte geben. Sie ist unabhängig von Konfession und Religion. Steinmetz Wendel Wollweber arbeitet derzeit an der Skulptur, die vermutlich ab Sommer das Kindergrabfeld des Kevelaerer Friedhofs "bewachen" soll.

Pfarrer Ulrich Terlinden hat das Projekt gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat angestoßen. Seine Motivation dazu: "Die Würde eines Menschen beginnt mit der Zeugung. Jeder Mensch, und sei er auch noch so jung, sollte entsprechend würdig beerdigt werden. Da das neue Bestattungsrecht jetzt die Beisetzung von Kindern unter 500 Gramm vorsieht, brauchten wir einen geeigneten Ort für die noch kleineren Totgeborenen." Dreimal im Jahr werden Kevelaerer Fehlgeborene, die so lange im Krankenhaus aufbewahrt werden, gemeinsam bestattet. Rund 40 bis 50 Kinder seien das pro Jahr.

Die Eltern sollen einen Ort für ihre Trauer finden. Symbolisch für das Band, das zwischen Mutter und Kind immer besteht, bekommen sie ein Stück des Seidentuchs, in das ihr totes Kind eingewickelt wird. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus wird über die Möglichkeit informiert, an der Beisetzung teilzunehmen. Gerti Selders, Mitglied des Arbeitskreises, berichtet, dass die meisten Betroffenen der Zeremonie jedoch fern bleiben und lieber später an das Grab ihres Kindes kommen. Sie können sich dort auf eine Bank setzen, beten, trauern und Ruhe finden. Sie weiß, dass der Verlust ein ewiger Schatten auf der Seele bleibt: "Eine ältere Dame hat mich mal angesprochen, die kannte immer noch das Datum ihrer Fehlgeburt vor 40 Jahren", berichtet Gerti Selders.

Ernst Koppers vom Kirchenvorstand erklärt, dass die Idee zu der Gedenkstätte eine des ehemaligen Pfarrgemeinderats war. Der Kontakt zu den jungen Familien ist nicht mehr so nah, wie er früher war, seit Frauen zur Entbindung nach Kleve oder Geldern müssen.

Er weiß von totgeborenen Föten, die eben kein Grab haben, weil sie in der Vergangenheit wenig pietätvoll vom Krankenhaus "entsorgt" wurden. Dabei könne es Eltern helfen, einen Ort zu haben, an dem sie eine Kerze anzünden oder ein Stofftier ablegen können.

Steinmetz Wendel Wollweber arbeitet den Engel, der sich der Seele des Verstorbenen annimmt, aus einem hellen Comblanchien-Stein heraus. Besonders wichtig war den Auftraggebern das sanfte, offene Gesicht des Engels, der in der halb zum Jenseits geöffneten Tür steht. Wollweber hofft, dass der Anblick den Eltern in ihrem Trennungsschmerz ein kleiner Trost sein kann. Irgendwann.

Spenden für das Denkmal sind sehr willkommen.

Das Konto hat die Nummer 398 61 00 bei der Darlehenskasse Münster, BLZ 400 602 65, Verwendungszweck "Kinderdenkmal Friedhof".

(RP)