Ehrenamtler der Kalkarer Tafel werden im Mai ausgezeichnet.

Ehrenamt : Tafel Kalkar blickt auf zehn Jahre Hilfe

Seit zehn Jahren gibt es die Tafel in Kalkar. Eine große Gruppe Ehrenamtler engagiert sich für Menschen, die ohne diese Unterstützung kaum zurecht kämen. Rentner, Migranten und Witwen gehören zu den Stammgästen.

Es sind weniger Familien geworden, die sich allwöchentlich an der Ausgabestelle einfinden. Aber rund 60 kommen noch immer regelmäßig, und das ist für eine Kleinstadt wie Kalkar nicht wenig. Zumal die meisten ja nicht nur für sich selbst, sondern auch noch für Partner oder Kinder Lebensmittel abholen. Die Tafel in Kalkar wird benötigt - helfen zu können ist für die Ehrenamtler sicherlich ein gutes Gefühl. „Aber noch schöner wäre es, wenn unser Einsatz überflüssig wäre“, meint Doris Förster. Was der Fall wäre, wenn es in ihrer Stadt keine Armut gäbe.

Insgesamt 32 Männer und Frauen aus Kalkar werden am Samstag, 11. Mai, beim Begegnungsfest aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Tafel in der Begegnungsstätte Altkalkar geehrt. Sie alle machen sich seit 2009 um die bedürftigen Mitbürger verdient, holen mit Fahrzeugen Lebensmittel von den Supermärkten ab, sortieren, geben die Waren aus. Die Geschäfte sind froh, loszuwerden, was sie nicht schnell genug verkaufen können, verlangen allerdings, dass die Ehrenamtler tatsächlich alles mitnehmen, was ihnen angeboten wird. Auch, wenn es mal eine Palette Nagellack ist, der wahrscheinlich auf wenig Interesse stoßen wird.

Eduard Förster hat noch ein anderes Motiv, im Team mitzuarbeiten: „Ich ärgere mich schrecklich über die Überproduktion in unserer Wohlstandsgesellschaft. Es ist doch eine Schande, wie viel weggeworfen wird. Wenn wir zumindest einen Teil an Leute abgeben, die wenig Geld haben, ist das schon gut.“ Und es gibt eine Menge Leute, die sehr wenig Geld haben - vermutlich sogar deutlich mehr, als  zur Lebensmittelausgabe kommen. Brunhild Geißler weiß von Witwen, nicht selten aus der Landwirtschaft, die mit wenigen hundert Euro im Monat zurechtkommen müssen. „Auch Leute, die immer im Niedriglohnbereich arbeiteten, haben zu wenig Rente, dazu kommen nach wie vor Migranten“, berichtet die Helferin.

Gisela Giltjes kennt noch einen weiteren Grund, sich zu engagieren: „einfach, um etwas Sinnvolles zu tun zu haben.“ Über den eigenen Tellerrand gucken, schauen, wo es hakt in der Gemeinschaft - das ist ihnen allen wichtig. Schließlich ist der Verein auch der Kirchengemeinde Heilig-Geist angesiedelt, ein wenig christliche Nächstenliebe darf da schon gezeigt werden. Vera Hörning berichtet, dass es offenbar schwierig ist, aus der Bedürftigkeit wieder raus zu kommen. „Viele Kunden begleiten uns von Anfang an.“

Rainer Jürgenliemk, der Vorsitzende des Tafel-Vereins, kann sich wie alle seine Mitstreiter noch daran erinnern, wie die Gruppe als Gast im Malteser-Raum ihre Arbeit aufnahm, wie sie zunächst „ein altes klappriges Fahrzeug“ ausleihen konnten, bis nach einem Jahr das erste Kühlfahrzeug angeschafft werden konnte. Inzwischen stemmen 55 gut eingearbeitete Helfer alle Aufgaben vom Fahren über das Auspacken und Sortieren bis hin zum Verkauf, der dienstags und freitags stattfindet. Für einen symbolischen Euro, mit dem die Kundschaft ihre Wertschätzung gegenüber der Aktion ausdrückt (oder ausdrücken muss), gibt es einen Korb voller Lebensmittel - je nachdem, wie viele Menschen im jeweiligen Haushalt leben. Jeder Kunde muss mit einem amtlichen Schreiben seine Bezugsberechtigung nachweisen. „Wir erleben auch, dass sich mal jemand verabschiedet, weil er wieder einen Job habe und nicht mehr kommen werde“, berichtet Elfriede Kisters.

Ein „Ampelsystem“ sorgt dafür, dass der Einkauf ohne gedrängel vonstatten geht: Die Kunden sind in drei Gruppen eingeteilt, die zu verschiedenen Zeiten an der Reihe sind. Immer sei genug für alle da, aber manchmal sind begehrte Produkte auch schon mal vergriffen. Überhaupt ist das Angebot gelegentlich etwas eigenwillig. So bekommt die Tafel Kalkar dank Pfeifer & Langen vor Ort sehr viel Zucker gespendet, der dann gegen Fleisch und Wurst, die eine ostwestfälische Tafel von einem dortigen Großbetrieb erhält, getauscht wird. Die Bocholter wiederum kooperieren mit Dr. Oetker und sind mit reichlich Marmelade und Backmitteln gesegnet - ein weiterer Tauschpartner.

Sehr gerne würde Kalkars Tafel weitere Ehrenamtler in ihren Reihen begrüßen - gerne auch Männer, die ordentlich anpacken können, denn zum Fahren gehört auch Kisten schleppen.

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