Doppelausstellung von Gocher Künstlern in Kessel

Goch : Farben und Formen im „Haus am See“

Im neuen Veranstaltungsort in Kessel – ehemals „ter Kelling“ - ist am nächsten Wochenende eine Ausstellung der Gocher Künstler Ingrid Karsten (Malerei) und Paul Goossens (Ästhetische Formen) zu sehen.

Sie liebt die Farben, lässt sie explodieren auf großer Leinwand, spielt mit ihnen und gibt ihnen plastische Struktur. Er ist fasziniert vom Naturprodukt Holz, alten Weidepfählen schenkt er neue Formen und neues Leben, oftmals eine philosophische Bedeutung. Die beiden Künstler sind Ingrid Karsten und Paul Goossens aus Goch. Sie haben noch nie zusammen ausgestellt, aber „die Chemie stimmt“, sagen sie. Hinzu kommt ein besonderer Ort, an dem sie am 16. November und 17. November gemeinsam ihre Werke zeigen werden.

Das „Haus am See“ (vormals „ter Kelling“) liegt in Goch- Kessel mitten in der Natur. Durch die Um- und Neugestaltung der Außenanlage hat man von den Innenräumen her einen freien Blick auf den See, der Teil des Freizeitbades GochNess ist. Die Kunstaustellung mit etwa 80 Gemälden von Ingrid Karsten und zwölf Holz-Skulpturen von Paul Goossens nutzt die gesamten Räumlichkeiten, die etwa 900 Quadratmeter umfassen. Ingrid Karsten malt seit fast 30 Jahren, nachdem sie während der Teilnahme an einem Workshop bei Minoe Gedina in Kevelaer nach nur 30 Minuten wusste: „Das ist, was ich immer gesucht habe und was ich in Zukunft machen möchte.“ Ihre Themen sind abstrakte „Landschaften“ in großem Format. Viele übereinanderliegende Farbschichten, gespachtelt, wieder ausgewaschen, neu aufgetragen, lassen Spannungsfelder entstehen. Materialen wie Marmormehl, Moorlauge, Pigmente oder Schellack kommen zum Einsatz. Das Marmormehl bricht nach dem Trocknen auf, sieht dann aus wie natürlich gewachsene Baumrinde. „Ich weiß vorher nie wie ein Bild am Ende sein wird, ich lasse meinen Gefühlen und meiner Fantasie freien Lauf“, erzählt die Künstlerin. Schwierig sei nur das „Aufhören“, der letzte Strich, wenn ein Bild wirklich fertig ist – ein wichtiger Moment, immer anders, immer spannend. Neben den Kompositionen in Grau und Schwarz steht das Spiel mit den Farben als eines ihrer Grundthemen. Um den Kopf einer Frau, der ganz gegenständlich gemalt ist, werden die Haare zu einem Feuerwerk der Farben. Seit zwei Jahren neu ist das Thema Akt. Zwei menschliche Körper sind angedeutet mit wenigen Linien, auch hier sieht der Betrachter zuerst die Fülle der Farben. „Ich finde es spannend, wenn man erst nach und nach erkennt: da sind ja zwei Menschen“, sagt Karsten.In zahlreichen Ausstellungen wie zum Beispiel auf Gut Graefenthal in Goch, Uedem, Mönchengladbach, Düsseldorf, Krefeld und Bonn waren ihre Werke bereits zu sehen.

Paul Goossens begann 2006 mit ersten Holzarbeiten. „Ich habe gesehen, wie jemand aus einem Stück Kaminholz eine bestimmte Form gesägt hat, das hat mich fasziniert“, erzählt er. Seine Skulpturen tragen Titel wie „Leichtigkeit“, „Lebenssonne“, „Einzelgänger“. In jedem Stück ist eine ganz bestimmte Idee zu einer Form geworden. Formen werden auch zu Symbolen, wie in „Geschwisterrund“. Hier sind drei verschiedene Rundungen zu sehen, die zeigen sollen, Geschwister gehören zusammen, aber jeder für sich ist einzigartig. „Manchmal entsteht eine Idee, wenn ich ein bestimmtes Stück Holz finde. Und ein anderes Mal suche ich ein Holz, das zu einer Idee passt“, erklärt Goossens. Am liebsten bearbeitet er Eiche, Kirschbaum und das tropische Laubholz Meranti. In der Gemeinschaftsausstellung im Haus am See zeigt er „Ästhetische Formen – Brett- und Würfelspiele“. „Das heißt nicht, dass ich Brettspiele fertige“, so der Künstler. Gemeint sei das Spiel mit verschiedenen Holzformen, so wie das Spiel mit den Farben bei Ingrid Karsten. 40 Jahre lang war er Baurat der Stadt Goch, begann aber schon vor der Pensionierung mit den Holzskulpturen.Unterricht nahm er bei dem Düsseldorfer Kunstprofessor Alexander Danov, der ihn immer noch berät. Seine erste Ausstellung „Ästhetische Formen“ war 2017 im Gocher Rathaus zu sehen, im vergangenen Jahr nahm er teil an einer Ausstellung im „Haus zu den fünf Ringen“.

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