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Verborne Orte im Kreis Kleve: Die Spielzeugkammer der Viller Mühle

Verborne Orte im Kreis Kleve : Die Spielzeugkammer der Viller Mühle

Heinz Bömler sammelt seit mehr als 30 Jahren Spielsachen und andere Gegenstände. Nach eigenen Angaben hat er die größte Großspielzeugsammlung der Welt. In der RP gibt der "wahnsinnige Puppenspieler" Einblick in sein Archiv.

Begeistert wuselt Heinz Bömler durch die engen Gänge. Der Holzboden knarzt unter seinen Füßen. Er deutet auf die Regale und die bunten Spielsachen, die dort lagern. Hin und wieder bleibt er stehen, zieht ein altes Spielzeug heraus. "Schau mal: Das ist ein Tretauto aus den 50er Jahren - und guck mal hier, ein alter Wipproller", sagt der "wahnsinnige Puppenspieler". Geschätzt 400 Großspielzeuge stehen in dieser Kammer der Viller Mühle. Es sei die größte Großspielzeugsammlung der Welt, sagt Bömler. "Die zeigen wir nicht während unseres normalen Programms."

Er präsentiert ein gelbes Auto aus Blech, vorne prangt das Logo des Öl-Giganten Shell. Ein Kind würde Platz hinterm Steuer des Autos finden. "Das ist ein Schulauto aus den 60er Jahren. Damit wurden den Kindern die Verkehrsregeln oder die Ampelschaltung beigebracht", erzählt Bömler. Daneben stehen aussortierte Karussellfahrzeuge, ein Holzroller mit Giraffenkopf ("Früher standen die Leute mehr auf Tiere") und ein Stoffhund von Steiff aus dem Jahr 1956, gefüllt mit Holzwolle ("Der kann sogar bellen, wenn man an der Leine zieht").

Ein paar Meter weiter führt er ein rotes Cabrio vor - über dem Nummernschild steht die Marke Ghia. Das Auto sei Requisite im Film "George" gewesen. Dort spielt Götz George seinen Vater, den Schauspieler Heinrich George. "Der kleine Götz bekommt in einer Szene das Auto zu Weihnachten geschenkt", sagt Bömler. Immer wieder verleiht er Gegenstände an Filmfirmen, die Original-Requisiten aus vergangener Zeit benötigen. Er lieferte schon alte Sessel, Schulbänke und Spielzeug für den Film "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki" mit Matthias Schweighöfer und einen Stift für "Der Untergang" mit Bruno Ganz. "Wir sprechen das mit den Filmteams ab, die kommen hierher und suchen aus, was sie benötigen. Wir verleihen die Sachen dann", sagt Bömler. Allerdings seien die Anfragen schon weniger geworden: "Heute wird im Film schon sehr viel mit dem Computer gemacht. Nur das, was der Schauspieler in der Hand hält, muss noch echt sein."

Mit dem Sammeln habe er Ende der 1970er Jahre angefangen, sagt Bömler. "Damals habe ich die Dinge noch auf dem Trödelmarkt für wenige Mark gekauft. Jetzt muss man dafür in Antiquariate. Dafür findet man auf Trödelmärkten nun tolle Handytaschen und Gewürze", sagt Bömler und schmunzelt. In der gesamten Viller Mühle befänden sich mehr als neun Millionen Sammelgegenstände. "Viele Leute nennen es Schrott, aber die Sachen haben zum Teil einen enormen Sammlerwert." Geschenke oder Sachspenden bekäme er nur wenige: "Ab und zu bringt uns eine Oma mal ihren alten Fleischwolf. Das war's dann."

Gegenüber den Großspielzeugen ist Bömlers Sammlung von Gesellschaftsspielen. Die Verpackungen sind eingestaubt, einige Cover sind verblichen oder haben Macken. "Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob die Spiele überhaupt komplett sind", sagt Bömler. Gekauft habe er sie nur wegen der Abbildungen auf den Kartons. Neben verschiedenen Auflagen von Klassikern wie "Mensch, ärgere Dich nicht" oder "Halma" findet man in Bömlers Sammlung auch Spiele mit Titeln wie "Eine Reise durch Sachsen" oder den "Webrahmen Susi". Auch ein "Fußballschach" aus dem Schwanenburg Verlag Kleve ist darunter. Wer sich weiter in dem Raum umsieht, findet ausrangierte Kameras und Fotozubehör ("Alte Filmdosen sind mehr wert als die Kameras"), Bier- und Weinflaschen ("Die Form und Etiketten sind das interessante") sowie Masken, Partyhüte und eine Kassentheke mit Nivea-Dosen und 4711-Fläschchen. Es ist eine wahnsinnige Sammlung. "Und dieser Raum ist nur einer von vielen Räumen", sagt Bömler.

(csc)