Goch: Die Niers erfahren

Goch : Die Niers erfahren

Bei sommerlichem Wetter fuhr der Niersverband mit Gästen im Floß von Wissen bis Weeze. Der Fluß, der früher von Färbereien verschmutzt wurde, ist heute Lebensraum für verschiedene Tiere.

Der Sommer war noch einmal zurückgekommen, und schon am Donnerstagnachmittag machte sich Wochenendstimmung breit: Unter blauem Himmel stieß der Niersverband mit zwei Floßen in See. Mit an Bord war neben vielen interessierten Passagieren auch Günter Wessels vom Naturschutzbund Viersen.

Herrenhäuser und Mühlen

Nicht nur von den Besonderheiten des Abschnitts, in dem das Gewässer seine Heimat streift, konnte der Experte erzählen. Zu Beginn der Floßfahrt war linkerhand das Schloss Wissen zu sehen. "Eine mittelalterliche Anlage, die mehrfach umgebaut wurde und deren Wiese vom Ufer aus früher mit Obstbäumen bepflanzt war", sagt Wessels. Viele Herrenhäuser und Mühlen säumen das Niersufer auf ihrer Länge von rund 120 Kilometern zwischen Kuckum und Gennep, dem holländischen Ort, in dem sie in die Maas mündet.

Die Müller, die für die Qualität des Wassers verantwortlich waren, haben ihre Sache gut gemacht: Lange war die Niers Lebensraum für eine Vielzahl an Fischen, sogar Krebse und Muscheln fanden sich in ihrem Grund. Doch die Industrie, besonders die Färbereien, hinterließ ihre Spuren: "An manchen Tagen war das Wasser blau, an anderen rot", erklärte Wessels seinen Zuhörern, die das heute klare Wasser bestaunten, dem sie auf dem Floß besonders nahe kamen. "Jeden Algenhalm kann man hier sehen", freute sich einer.

Der Grundstein dafür, dass neben Algen heute wieder rund 25 Fischarten, Nutrias und mancher Wasservogel durch das Gewässer ziehen, wurde 1927 gelegt: Damals nahm der Niersverband seinen Betrieb auf. Heute betreibt er rings um das Niersufer 24 Klärwerke, in denen auch das Wasser der Niers gereinigt wird. "Seitdem die Qualität des Wassers wieder besser ist, wachsen auch die Algen stärker, denn die Sonne kann bis auf den Grund scheinen", erklärt Margit Heinz, Sprecherin des Niersverbandes.

Die beiden Boote steuerten über den schmalen Fluss und mussten manchmal auch Kanus ausweichen. Viele Freunde der Niers verbringen die Sommertage in Paddelbooten, darunter auch Kajaks. "Bei der ruhigen Fließgeschwindigkeit ist das gerade für Familien toll", so Heinz. Biologische Experten vom Niersverband befürchten allerdings, dass die Hobbypaddler einige Vögel verschreckten. Auch Wessels übt Kritik: "Müll bleibt immer wieder am Ufer liegen. Alle sollten darauf achten, keine Abfälle zu hinterlassen."

Die Floßfahrt bietet der Niersverband etwa zwei Mal im Jahr an. Die Floße einzusetzen ist sehr aufwendig: Mit einem Kran mussten sie nach der Fahrt aus dem Wasser gezogen werden.

(RP)