1. NRW
  2. Städte
  3. Goch

Die Initiative "Goch hilft" zieht an den Heiligenweg

Hilfsprojekt "Goch hilft" : "Die Armut in Goch wächst"

Die Initiative „Goch hilft“ ist an den Heiligenweg gezogen. Mittlerweile unterstützen die Ehrenamtler 400 Familien mit Kleidung, Spielzeug oder Haushaltswaren – Tendenz steigend. Am Samstag feiert der Verein den Neustart.

Es herrscht dieser Tage ein unübersichtliches Treiben in den Räumen der Initiative „Goch hilft“ am Heiligenweg. Umzugskartons werden ausgepackt, Schränke aufgebaut, Kleidung sortiert. Die Freiwilligen um Sascha Ruelfs sind umgezogen. „Wir sind in den vergangenen Jahren so gewachsen, dass wir unbedingt neuen Platz brauchten“, sagt der Ehrenamtler.

Auf 485 Quadratmetern bieten sie Bedürftigen nun ihr Sortiment an. Es gibt kaum etwas, das Ruelfs nicht im Sortiment hat: Von Kleidung über Kochtöpfe, Navigationsgeräte, Fahrräder bis hin zu Spielzeug findet sich in den neuen Kellerräumen beinahe alles, auf das Menschen nicht verzichten können oder wollen. Am kommenden Samstag feiern die Freiwilligen die Neueröffnung.

Zum Hintergrund: Das Hilfsprojekt wurde 2014 von Janine Guba gegründet, als die Flüchtlingswelle den Niederrhein erreichte. „Viele der Flüchtlinge kamen völlig ohne Gepäck, ohne alles“, sagt Ruelfs. Zuvorderst fehlte es ihnen an Kleidung. Viele Gocher spendeten, Ruelfs und Kollegen kamen in der ehemaligen Praxis von Bertram im Herzen der Stadt unter. Seit 2015 richten sich die Ehrenamtler allerdings an alle Bedürftigen in Goch. Die Zahl derer nehme zu, meint Sascha Ruelfs. „Die Armut in Goch wächst, insbesondere die Altersarmut. Es kommen auch immer mehr Singles, Alleinerziehende, Aufstocker oder Rentner zu uns, bei denen das Geld schlichtweg nicht reicht“, sagt er. Mittlerweile betreue man 400 Familien. Das Gros der „Kunden“ beziehe Hartz IV – jeweils etwa zur Hälfte Flüchtlinge und Gocher. Wer kommt, muss die Bedürftigkeit schriftlich nachweisen.

„Wir sind zu einer festen Anlaufstelle der Menschen in Goch geworden. Mittlerweile haben wir sogar einigen Familien geholfen, deren Häuser abgebrannt waren und die daher ohne alles dastanden“, sagt Ruelfs. Besonders bestürzt sei er über einen Fall gewesen. So habe sich ein Mann bei den Ehrenamtlern gemeldet, der ins Krankenhaus gebracht wurde, allerdings kein Geld für den Kauf einer Jogginghose übrig hatte. „Da frage ich mich schon: Was läuft falsch in diesem Land?“, sagt Ruelfs.

Mittlerweile packen 15 Mitarbeiter ehrenamtlich mit an. „Das macht mich stolz, dass wir so viele helfende Hände haben“, sagt Ruelfs. Vier solcher bringt etwa das Ehepaar Fritz und Maria Lotterjonk ein. „Fritz ist 81 Jahre alt und dennoch rund um die Uhr als Hausmeister dabei. Das ist eine unglaubliche Leistung“, sagt der Chef der Initiative. Auch die Unterstützung von Spendern sei unverändert groß. Die Bereitschaft sei in den vergangenen Jahren nie abgerissen. Und dennoch: Der Umzug zum 1. März sei ein erheblicher Kraftakt gewesen, erklärt Ruelfs. Sechs Lkw-Ladungen mit 500 Kartons habe man in die neuen Räumlichkeiten bringen müssen. „Es ist anstrengend, aber wir schaffen das“, sagt Ruelfs.

Am Samstag dann wolle man von 11 bis 17 Uhr den Neustart feiern. Auf dem Programm stehen Auftritte von Willi Girmes, DJ Hansi oder A lasting Dream. Zudem veranstaltet die Gruppe um Ruelfs einen Trödelmarkt und mehrere Versteigerungen. So kommen etwa Stühle unter den Hammer, die Künstler der Region aufwendig gestalten haben. „Das wird sicher ein Höhepunkt der Veranstaltung werden“, sagt Ruelfs. Die Erlöse des Familienfestes kommen der Hilfsorganisation zu Gute. „Schon jetzt fühlen sich die Räume wie ein neues Zuhause an“, sagt er.