Die Firma Wystrach unterstützt Projekte mit Wasserstoff für Züge und Lastwagen.

Wirtschaft in Weeze : Mit Wasserstoff in die Zukunft

Sommertour-Start der Kreis-Wirtschaftsförderung in Weeze: Die Firma Wystrach hat sich als Hersteller von Industriegasbehältern einen Namen gemacht. Auch bei Zügen und Lastwagen mit Wasserstoff ist sie mit im Boot.

Wenn Wolfgang Wolter erzählt, dann bekommt die Zukunft ein Gesicht. Dann fahren Züge und Lastwagen mit Wasserstoff und speichern Behälter Wasserstoff im Garten, um diesen als Strom und Wärme abzugeben. Geschichten, die nach Zukunft klingen, aber teilweise schon Realität sind, wie der Geschäftsführer von Wystrach erläutert, wenn er von den Möglichkeiten des Wasserstoffs erzählt. Mit dem Stoff können Pkw und Lastwagen angetrieben werden, sogar Züge fahren mit dem besonderen Treibstoff. Wie berichtet, ist das Unternehmen bei einem Projekt in Niedersachsen mit im Boot. Seit zehn Monaten ist dort ein Wasserstoffzug im Fahrgastbetrieb unterwegs, über drei Dutzend Züge sind nach Niedersachsen und Hessen bestellt worden. Interesse an dem innovativen Zug besteht über Deutschland hinaus. Für die Serienfertigung setzt man auf eine entscheidende Komponente vom Niederrhein: Wystrach liefert das Wasserstoff-Tanksystem, das auf dem Dach montiert ist. Der Wasserstoffzug hinterlässt keine Kohlendioxid-Emissionen und ist damit die praxistaugliche, umweltfreundliche Alternative zu Dieselloks, hieß es beim Start der Sommertour der Kreis-Wirtschaftsförderung am Montag.

Wolter nennt dieses Engagement ein „Leuchtturmprojekt“, damit wird die Branche noch mehr auf die Innovationen aus Weeze aufmerksam. Immerhin 1000 Kilometer Reichweite hat der Zug mit Wasserstoff, das Auftanken dauert gerade einmal 15 Minuten.

Bei Wystrach kommt viel Hightech zum Einsatz. Foto: Wystrach

Eben das ist auch beim Einsatz für Lastwagen der entscheidende Vorteil im Gegensatz zum Elektroauto. „Da hast du enorm lange Ladezeiten“, sagt Wolter. Problem an der Sache ist allerdings, dass vieles eben noch am Anfang steht und Zukunftsmusik ist. Zur Betankung von Wasserstofflastwagen fehlt schlicht die Infrastruktur.

Doch auch auf diesen Markt setzt Wystrach. Mit dem „WyRefueler“ 350/120 hat Wystrach einen Prototypen für eine Anlage zur Befüllung von Wasserstoff-Tanksystemen, beispielsweise von Bussen oder Lkw entwickelt. 120 Kilogramm Wasserstoff können pro Tag vertankt werden. Das System ist mit einer intelligenten Steuerung ausgestattet, autark funktionsfähig und per Fernwartung rund um die Uhr erreichbar. Ab 2019 wird das System für 18 Monate an mehreren Standorten in Europa eine Testphase durchlaufen. Dabei wird ausgewählten Flottenbetreibern die Möglichkeit gegeben, emissionsfreie Fahrzeuge zu testen. Im Herbst 2019 soll der „WyRefueler“ in die Angebotsphase gehen.

Aber auch im Eigenheim sind Wasserstoff-Systeme einsetzbar, wie Wolter erläutert. Dabei wird Strom aus der Photovoltaikanlage per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, der in Behältern im Garten gespeichert wird. Und mit dem Wasserstoff können dann Strom und Wärme erzeugt werden.

Wolter betont, dass in Weeze kein Gas abgefüllt wird. Vielmehr liefere man nur die Behälter. „Wir sind quasi der Tetrapak der Gasindustrie“, sagt er scherzhaft, und der andere Geschäftsführer Jochen Wystrach erläutert, dass bei allen innovativen Projekten stets das Kerngeschäft im Fokus bleibe. Denn damit verdient das Unternehmen sein Geld.

Für Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers ist Wystrach ein Paradebeispiel dafür, was die Region an Innovationen zu bieten hat. Wichtig sei auch, dass der Schulterschluss vor Ort da sei. Und das ist in Weeze keine Frage, wie Bürgermeister Ulrich Francken erläuterte. „Als Bürgermeister kannst du nur stolz sein, wenn du so ein Unternehmen hier hast.“ Wystrach sei ein Familienunternehmen mit klarer Zielrichtung und sozialer Verantwortung für die Mitarbeiter.

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