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Die Chöre haben ihre Proben wieder eingestellt und überlegen sich Alternativen

Chormusik : Fensterkonzerte statt Proben-Alltag

Wegen der ernsten Coronalage haben Chöre ihren Probenbetrieb jetzt eingestellt. Uedems Frauenchor Pro Musica erfreut jedoch Senioren.

Niemand kann den Chören der Region nachsagen, sie würden sich leicht geschlagen geben. Um miteinander singen zu können, haben sie sich in Jacke und Schal gehüllt in zugige Räume gesetzt in der Hoffnung, vor dem Corona-Virus verschont zu bleiben. Manche Gruppe übte während des Lockdown sogar draußen, was je nach Temperatur mehr oder weniger gut funktionierte. Der Weberstadt Frauenchor wählte gar das Parkdeck am Ring aus, um die einstudierten Lieder nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen. Während der Sommermonate kehrte eine gewisse Normalität zurück, doch inzwischen ist der Probenbetrieb fast überall eingestellt. Diesmal nicht auf Weisung der Ämter, sondern aus eigener Entscheidung.

„Es hat doch keinen Zweck, so weiterzumachen: Impfbuch kontrollieren, Test überprüfen, Abstände einhalten. Viele machen sich Sorgen, auch unser Chorleiter Hans-Hermann Koppers ist sehr vorsichtig. Wir haben eine große Verantwortung: Was, wenn sich trotz Impfung Chormitglieder infizieren? Das ist zwar noch nicht geschehen, wir wollen es aber auch nicht erleben“, sagt Martha Dycker, die Vorsitzende des Weberstadt Frauenchors. Sie ist froh darüber, dass das Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen ihres Chors Ende 2019 noch hat stattfinden können. Von der Erinnerung zehrten die Frauen noch heute.

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Wolfgang Nowak ist für die Kirchenmusik in Goch zuständig. Seine Chöre in den Pfarrgemeinden Arnold Janssen und St. Martinus kommen auch nicht mehr zusammen. „Es gibt immer mehr Impfdurchbrüche; gerade angesichts unserer oft schon betagteren Mitglieder dürfen wir da nichts riskieren“, sagt er. Besonders traurig: Auch die festlichen Messen an den Weihnachtstagen werden ohne Gesang auskommen müssen. Nicht einmal in Kleinstbesetzung auf der Orgelempore werde an den Feiertagen gesungen. „Das ist schon sehr schade, aber es geht nicht anders. Wenn alle Aktiven geboostert sind, vielleicht Ende Januar, schauen wir, wie wir weitermachen.“ Sehr eifrige Sänger und Sängerinnen nutzen in dieser entbehrungsreichen Zeit MP3-Übedateien fürs Selbststudium. Aber das macht genau so wenig Freude wie Singen in einer Konferenzschalte vor dem häuslichen PC.

Der Uedemer Frauenchor „Pro Musica“ hat eine Möglichkeit gefunden, in Übung zu bleiben und damit auch anderen Freude zu bereiten. Die eigentlichen Chorproben wurden kürzlich eingestellt, der Vorstand und Chorleiter Manfred Hendricks hatten aber kein Problem, eine große Gruppe Sängerinnen zu überzeugen, sich an Fensterkonzerten für die Seniorenheime der Umgebung zu beteiligen. „Eine echte Win-Win-Situation“, findet Vorstandsmitglied Karin Brauer. Die alten Menschen freuen sich darüber, dass jemand an sie denkt und hören sehr gerne dem Gesang zu, die Sängerinnen genießen das Gemeinschaftserlebnis und halten ihre Stimmen in Schwung. Ein halbes Dutzend solcher Auftritte hat „Pro Musica“ nun schon hinter sich, und die Vorsitzende Evelyn Bebensee spricht noch weitere Adressaten an.

„Bei uns hat der Chor unter einem Überdach zwischen den Gebäuden gestanden, während die Bewohner bei weit geöffneter Tür in der Eingangshalle saßen. Dort konnten sie sehr gut hören und waren begeistert“, berichtet Susanne Heinrichs, Leiterin des Uedemer Laurentius-Haus. Große Freude herrschte kürzlich auch im Pfalzdorfer Josefshaus, wo die Bewohner durch ihre offenen Fenster nach draußen lauschten und mehrfach sogar „Bravo“ riefen, wie sich Karin Brauer erinnert. Ein Mann habe sich gar in seinem Rollstuhl nach draußen schieben lassen, um näher bei den „Kolleginnen“ zu sein – er war selbst 50 Jahre lang Chormitglied. Das Programm, das die Frauen ihrem betagten Publikum bieten, ist übrigens nicht rein weihnachtlich. Alte Schlager oder internationale Volkslieder kommen genauso gut an und erwärmen die Herzen nicht weniger.