Goch Der neue Herr Gildemeister

Goch · Die Eligiusgilde, Gochs Jahrhunderte alter Berufsverband der Meister und Gesellen aus dem Metallbereich, hat mit Hans-Theo Küppers einen neuen Chef. Er löste Sebastian Henning ab.

Einer kommt, einer . . . geht nicht, sondern wird Altmeister: Staffelübergabe bei der Eligiusgilde in Goch. Hans-Theo Küppers, Inhaber des gleichnamigen Citroen-hauses in Goch, ist neuer Gildemeister und löst Sebastian Henning ab. Beim Eligiusfest wurde Küppers gewählt.

Seit 1525

Gildemeister, Gilde, Eligius — das ist eine heute in Goch nicht mehr allgemein bekannte, uralte Tradition. Eine wunderschön gestaltete Urkunde weist es aus: Besagte Eligius-Gilde besteht seit dem 17. Dezember 1525. "Entstanden als das Schmiedeamt oder auch als die Gilde der Schmiede, habe ich seitdem alle meine Anliegen zu Ehren des heiligen Bischofs Eligius von Noyon-Tournay in Frankreich, der selbst ein Goldschmied war und im Jahr 588 in Chatelac/Frankreich als Sohn vornehmer Eltern römischer Abstammung geboren wurde und als Bischof am 1. Dezember 659 gestorben ist, besorgt", so der Urkunden-Text. Gold- und Silber, aber auch Messer- und Hufschmiede sowie Waffenmacher waren in Goch über die Jahrhunderte in der Gilde zusammengeschlossen. Ein Berufsverband also. Später, schon im 18. Jahrhundert, brachte die Industrialisierung Änderungen. Da gehörten auch die Nadelfabrikanten dazu, ebenso die Kaffeemühlenmacher. Feinschmiede kamen hinzu, außerdem Uhrmacher. So waren manchmal 35 Meister und 24 Gesellen Mitglieder der Zunft — eine für eine kleine Stadt wie Goch erstaunliche Zahl.

Eine Chronik? Die gibt es, in Form des Gildebuches. Das mittlerweile dritte Exemplar wurde 1966 angefertigt. Das Original aus dem 16. Jahrhundert ging irgendwann verloren, 1723 wurde deshalb ein neues Gildebuch angelegt. Das überstand viele Jahre, verbrannte aber im Zweiten Weltkrieg bei einem der verheerenden Bombenangriffe auf Goch. Schon fast skurril mag heute der 1966 ans Ende des Einleitungstextes angefügte Satz anmuten. "So geschehen im Jahre des Herrn 1966, als die Amerikaner und die Sowjetrussen mit neuartigen und bemannten Flugkörpern planetarische Weltraumflüge unternahmen, um den Mond zu erreichen und wir mit unseren Brüdern und Schwestern im geteilten Deutschland lebten." Zwei Schlaglichter der Zeitgeschichte. Letzteres zeigt: Wie schön, dass Geschichte manchmal ganz schnell was ändert . . .

Überkonfessionell

Zeitlos aber will die Eligiusgilde bleiben. Denn der freiwillige, überkonfessionelle Zusammenschluss der in Goch ansässigen Meister, die Metall in jeglicher Form verarbeiten, hat sich auf vielfältige Weise bewährt.

(RP)