Goch: Der Gocher Fenstersturz

Goch: Der Gocher Fenstersturz

Im Herbst 2006 wurde der Neubau eingeweiht, rund 8,5 Millionen Euro hat er gekostet. Seit Juni 2015 umgibt das Gebäude ein Bauzaun, weil ein Fenster aus der Fassade fiel - und bis heute nicht geklärt ist, warum.

Zwölf Jahre ist es her, dass der Neubau des Gocher Rathauses mit einem großen Familienfest eröffnet wurde. Auch wenn der Fahrstuhl damals wegen Schwierigkeiten mit Handwerkern zunächst noch fehlte und es im Vorfeld Proteste inklusive Bürgerbegehren gegeben hatte, feierten die Verantwortlichen ein Gebäude, "das voll den modernen Anforderungen entspricht und vorbildlich ist in seiner Architektur - ein Haus für die Bürger unserer Stadt," so der damalige Bürgermeister karl-Heinz Otto. Zur Feier des Tages gab es eine Kinder-Rallye, die Eröffnung der dauerhaften Wackerbarth-Ausstellung und von Kirchenvertretern einen "ökumenischen Ginkgo-Baum".

2010 wurde das von Marcus Wrede und Klaus Völling entworfene Rathaus Preisträger der "Auszeichnung guter Bauten" des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Die Jury urteilte wortreich: "Die Architektur ist als Ganzes und bis ins Detail hinein geprägt durch große Sorgfalt und kultivierte Klarheit, sie wirkt gleichzeitig nahbar, offen und kommunikativ."

Erreicht hatten die Architekten diesen Transparenz-Effekt durch den großzügigen Einsatz von Glasflächen. Und genau die sorgen dafür, dass der Rathaus-Neubau seit mittlerweile mehr als zweieinhalb Jahren rundherum eingezäunt ist. Denn seit dem Gocher Fenstersturz im Juni 2015 gibt es auf dem Parkplatz an der Kirchenseite und im Innenhof zum Fünf-Ringe-Haus ein architektonisch eher wenig preisverdächtiges betonbefußtes Gitterelement.

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In jenem Sommer war eines der raumhohen grünen Sicherheitsglas-Fenster zerborsten und in die Tiefe gestürzt. Warum es dazu gekommen war, wusste zunächst niemand. "So etwas darf auf keinen Fall passieren", hatte Architekt Klaus Völling kurz nach dem Unfall gesagt. "Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten: In seltenen Einzelfällen gibt es Spontan-Brüche, die durch die hohe Spannung in der Glasscheibe auftreten können. Die andere Möglichkeit ist ein Problem bei der Aufhängung."

33 Monate danach scheinen die Beteiligten noch nicht schlauer zu sein. Torsten Matenaers, Sprecher der Stadt, sagte auf Nachfrage, dass man immer noch mit der "Ursachenforschung" befasst sei. Die werde, wie angekündigt, seit 2016 "gutachterlich begleitet". Offenbar sei es so, dass sich das Glas und das Metall "nicht vertragen", so Matenaers. Daher sei man mit den Beteiligten nach wie vor "in Gesprächen". Konkretere Aussagen gab es nicht. Klar sei jedoch laut Stadtsprecher, dass die Bauzäune so lange rund um das Rathaus aufgestellt bleiben, "bis ausgeschlossen werden kann, dass noch Gefahr besteht." Vor einem Jahr beschloss der Rat Goch, 2017 und 2018 rund 465.000 Euro für die "Klimatisierung von Teilbereichen des Rathauses" zu veranschlagen. Hinter den großen Glasfronten waren in den Sommermonaten nämlich Temperaturen von 35 Grad und mehr gemessen worden. Die anfängliche Begeisterung für den modernen Rathaus-Neubau dürfte inzwischen also bei so manchem gewichen sein.

(RP)